Wetterbeobachter auf der Zugspitze: Kein Job für Zartbesaitete

Wetterbeobachter auf der Zugspitze: Kein Job für Zartbesaitete

, aktualisiert 05. Januar 2017, 07:04 Uhr
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Wetterbeobachter Jürgen Keil muss jede halbe Stunde Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und -richtung sowie die Niederschlagsmenge messen und an die Zentrale des Wetterdienstes melden.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Job ist nichts für zarte Seelen. Wetterbeobachter auf der Zugspitze müssen extreme Bedingungen aushalten. In stürmischen Zeiten wie jetzt bläst der Wind selbst ins Innere der Station auf Deutschlands höchstem Berg.

Garmisch-PartenkirchenMit über 100 Stundenkilometern fegen die Sturmböen über die Zugspitze hinweg. Das Thermometer zeigt minus 15 Grad an, doch bei Windstärke 10 fühlt sich die Temperatur mindestens doppelt so kalt an. Der eisige Wind kriecht selbst ins Innere der Wetterstation auf Deutschlands höchstem Berg. „Es pfeift an allen Ecken und Enden“, sagt Jürgen Keil.

Nach Stationen unter anderem auf dem Wendelstein und dem Großen Arber arbeitet der 44-Jährige seit sieben Jahren als Beobachter für den Deutschen Wetterdienst auf der Zugspitze. Er hat Deutschlands höchstgelegenen Arbeitsplatz. Mit 2966 Metern liegt die Plattform der Wetterstation vier Meter über dem Zugspitzgipfel.

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„Der Sturm kann noch zunehmen“, meint Keil beim Blick auf seine Messgeräte. Windgeschwindigkeiten bis 110 Stundenkilometern seien durchaus möglich. Für die kommenden Tage wurden Werte bis minus 20 Grad erwartet. Zwar schneite es zuletzt leicht. „Aber der Schnee wird total verweht“, so der Wetterbeobachter. „An einer Ecke türmt er sich meterhoch, an einer anderen ist im Nu alles weggeblasen.“

Die bisher tiefste Temperatur wurde am 14. Februar 1940 auf der Zugspitze gemessen: minus 35,6 Grad. Der bislang stärkste Wind wehte dort am 12. Juni 1985 mit 335 Stundenkilometern – Deutschlandrekord, wie der Deutsche Wetterdienst in München weiß.

Wetterbeobachter auf der Zugspitze zu sein heißt 24-Stunden-Schicht. Keil beginnt immer mittags und wird tags darauf von einem Kollegen abgelöst. Tagsüber müssen jede halbe Stunde Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und -richtung sowie die Niederschlagsmenge gemessen und an die Zentrale des Wetterdienstes gemeldet werden.


Bei Sturm vibrieren die Monitore

Alle 30 Minuten steigt der 44-Jährige auf die Plattform der Wetterstation und entnimmt den Messbecher – auch bei Orkanböen und strengem Frost. An vielen Tagen im Jahr muss er erst das Eis im Becher auftauen. „Und auch wenn die Temperatur längst elektronisch gemessen wird, gilt es den Temperaturfühler eisfrei zu halten.“

Zwischen 21.30 Uhr und 5.00 Uhr werden zwar keine Werte abgelesen, aber die Wetterbeobachter sind in Bereitschaft. Ein Bett ermöglicht ein wenig Schlaf, außer der Wind weht so stark wie in diesen Tagen. „Bei starken Sturmböen schwankt der Turm leicht, auch die Monitore vibrieren“, weiß Keil aus Erfahrung. „An Schlaf ist dann nicht zu denken.“

An sich heizt ein Elektroofen die Arbeitsstube von Keil auf angenehme Zimmertemperatur. „Aber bei so viel Wind schafft er mit Mühe und Not 20 Grad“, so der Wetterbeobachter.

In sieben Jahren Dienst auf der Zugspitze ist es Keil erst zweimal passiert, dass er nach seiner 24-Stunden-Schicht nicht mehr zurück ins Tal fahren konnte. Die Seilbahn fällt wegen zu starken Windes öfter aus, fast immer fährt aber die Zahnradbahn. „Nur wenn Sturm einen Baum aufs Gleis wirft, ist auch sie außer Betrieb“, erläutert der Wetterbeobachter. „Dann dauert die Schicht halt so lange, bis ich abgelöst werden kann.“

Keil kann beruhigt sein. Hungern und dürsten muss ein Wetterbeobachter in so einem Fall nicht. „Essensvorräte sind vorhanden.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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