WHO-Untersuchung: Handy-Strahlen möglicherweise krebserregend

WHO-Untersuchung: Handy-Strahlen möglicherweise krebserregend

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Neue Studie zu Handy-Strahlung

Seit Jahren wird über Krebsgefahren durch Handystrahlung diskutiert. Nun hat die WHO hunderte Studien dazu ausgewertet und warnt davor, dass häufiges Telefonieren das Krebsrisiko erhöhen könnte. Konkreter Anlass zur Sorge besteht trotzdem nicht - ein beliebtes Getränk ist zumindest genauso gefährlich.

Acht Tage lang hat eine Expertengruppe der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) hunderte Studien zum Zusammenhang von Handystrahlung und Krebsrisiko ausgewertet. Heute präsentierte das Beratergremium der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erste Ergebnisse: hochfrequente elektromagnetische Handystrahlen seien „möglicherweise Krebserregend" urteilt die IARC. Sie ordnet die Strahlung aus Mobiltelefonen deshalb in die mittlere Gefahrenklasse „2B" ein - in diese Kategorie fallen beispielsweise Hochspannungsleitungen, Benzin aber auch Kaffee. 

Besonderes Augenmerk richteten die 31 Wissenschaftler aus 14 Ländern auf Hirntumore, so genannte Gliome, die durch Handystrahlen ausgelöst werden könnten. Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dieser Erkrankung und einem Mobiltelefongebrauch von mehr als 30 Minuten täglich über 10 Jahre lieferte die Interphone-Studie 2010 (bei Menschen die weniger telefonierten, wurden keine Auffälligkeiten bemerkt). Untersucht wurden weltweit über 5000 Patienten, die an Hirntumoren erkrankt waren. Die WHO-Experten zogen außerdem eine Studie des schwedischen Wissenschaftlers Lennart Hardell in ihre Bewertung mit ein, die schon 2005 zu einem ähnlichen Ergebnis wie die Interphone-Untersuchung gekommen war.

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Ergebnisse der Handy-Studien umstritten

Die Ergebnisse waren aber selbst bei den Wissenschaftlern, die an der internationalen Studie im vergangenen Jahr mitbeiteten, umstritten. „Ob für diese Personen das Risiko, an einem Hirntumor zu erkranken, tatsächlich erhöht ist, lässt sich nicht sagen, denn die Ergebnisse könnten auch durch methodische Probleme entstanden sein", erklärte Maria Blettner, Forscherin am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), damals. Denn die Patienten hatten, so vermuteten die Forscher, teilweise falsche Angaben zur Dauer und Nutzung von Handys gemacht.

Auch heute, sagt Blettner, die mittlerweile an der Universität Mainz arbeitet, lasse die Datenlage nicht zu, ein „ein erhöhtes Krebsrisiko nachzuweisen". Blettner ist auch Mitglied im Expertenrat der IARC und hatte sich gegen die Einstufung in die Kategorie „2B" ausgesprochen, wurde aber von den anderen Wissenschaftlern überstimmt.

Risiko wissenschaftlich nicht nachweisbar

Besonders die mangelnde Datenlage nahm die IARC zum Anlass, Handystrahlen in die mittlere Gefahrenklasse einzuordnen. Jonathan Samet, der Vorsitzende der Expertengruppe, begründete die Entscheidung seines Teams so: „Unsere Entscheidung weist darauf hin, dass es ein Risiko geben könnte. Deshalb müssen wir jetzt genau schauen, ob tatsächlich ein Zusammenhang zwischen einem erhöhten Krebsrisiko und der Nutzung von Handys besteht." IARC-Direktor Christopher Wild forderte, möglichst schnell „weitere Forschungen zur Langzeitnutzung von Handys anzustellen." Kurz: Die IARC hält die verfügbaren Studien nicht für ausreichend, um ein Krebsrisiko auszuschließen. Wissenschaftlich nachweisen lässt sich ein Risiko bisher aber auch nicht.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BFS) erklärte als Reaktion auf die Ergebnisse der IARC, dass es bisher keine wissenschaftlichen Hinweise auf strahlungsbedingte Erkrankungen gebe. „Allerdings können mögliche Langzeitwirkungen und Wirkungen auf Kinder auch nicht ausgeschlossen werden", so das BFS.

Die vollständige Auswertung zum Thema Handystrahlung und Krebsrisiko des IARC soll in den kommenden Tagen veröffentlicht werden.

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