WHO-Warnung: Häufigster Krebserreger ist Altern, nicht Wurst

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WHO-Warnung: Häufigster Krebserreger ist Altern, nicht Wurst

Die Weltgesundheitsorganisation hat verkündet, was wir schon wussten: Zu viel Wurst ist schlecht. Wie auch so viele andere Dinge in Massen nicht gesund sind. Na und?

Es ist seit Langem bekannt, dass exzessiver Fleischkonsum der Gesundheit schadet. Genauso wie exzessiver Genuss von Blumenkohl. Jetzt hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Gefahr präzisiert: Wer pro Tag 50 Gramm Wurst isst, steigert sein Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, um rund 20 Prozent. Absolut gesehen ist das nur eine Trivialität. Denn bisher erkrankten von 100 Menschen sechs Personen an diesem Krebs. Essen alle 100 täglich ein Schinkenbrötchen, steigt die Zahl auf sieben Betroffene.

Jetzt vor Wurst zu warnen ist Panikmache. Die Veröffentlichung der WHO reiht sich aber nahtlos ein in vergangene Kampagnen gegen Glyphosat und Pflanzenschutzmittel aller Art, in denen ebenfalls Minigefahren aus einem riesigen Universum von Gesundheitsrisiken willkürlich herausgegriffen worden sind. Es ist traurig, aber wie es aussieht, verkommt die Weltgesundheitsorganisation immer mehr zu einem billigen Propagandakanal radikalgrüner Weltverbesserungsfantasien.

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Zur Person

  • Walter Krämer

    Walter Krämer ist Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der TU Dortmund und Autor populärer Bücher zu Fallen der Statistik.

Denn die Analyse der WHO ist nur so viel wert wie die Ausgangsstudien, auf denen sie beruht. Und hier sind durchaus Zweifel angebracht. Die Wissenschaftszeitschrift „Science“ hat einmal Alarmmeldungen wie diese auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht: Cholesterinreiche Diät erhöht das Darmkrebsrisiko bei Männern um 65 Prozent. Der Verzehr von Joghurt mindestens einmal im Monat verdoppelt das Risiko für Eierstockkrebs bei Frauen. Und wer mehr als drei Liter Flüssigkeit gleich welcher Art pro Tag trinkt, verdoppelt sein Risiko, an Blasenkrebs zu erkranken. Die zugehörigen Ausgangsstudien sind alle in Fachzeitschriften erschienen.

Die Mär vom guten Fleisch? Wie es nutzt und wo es schadet

  • Was steckt Gutes im Fleisch?

    Fleisch liefert hochwertiges Eiweiß, essenzielle Aminosäuren sowie die Vitamine B1, B6 und B12. Das Spurenelement Eisen ist wichtig für die Blutbildung. „Fleisch trägt dazu bei, den Protein- und Eisenbedarf zu decken“, erläutert der Präsident des Max-Rubner-Instituts für Ernährung und Lebensmittel, Prof. Gerhard Rechkemmer. „Mit Ausnahme von Vitamin B12 können wir alle essenziellen Nährstoffe aber auch aus pflanzlichen Lebensmitteln bekommen.“ Wer als Vegetarier Milch und Eier esse, sei nicht automatisch unterversorgt.

  • Was ist nicht so gut?

    Gerade geräuchertes Fleisch und Wurst enthalten relativ viel Salz - wer viel davon isst, überschreitet schnell die empfohlenen Mengen. Nicht schmecken kann man dagegen Rückstände von Antibiotika und resistente Keime. Um den Medikamenten-Einsatz in der Massentierhaltung wird seit langem gerungen. Beanstandet wird aber nur relativ wenig mit Antibiotika belastetes Fleisch, wie aus dem Bericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) von 2012 hervorgeht. Durch verunreinigtes Futter wurde in Fleisch auch schon Quecksilber nachgewiesen. Viren auf Fleisch gelten als schwer nachzuweisen. Der Anteil lebensmittelbedingter Virusinfektionen lässt sich laut DGE nicht abschätzen.

  • Sind solche Funde auch gesundheitsgefährdend?

    Sind Höchstgrenzen überschritten, dürfen Produkte nicht in den Handel gelangen. Verkaufsverbot gilt europaweit auch für Fleisch von Tieren, die mit Wachstumshormonen behandelt wurden. „Der Standard der Lebensmittelsicherung in Deutschland ist so hoch, dass man sich um die Gesundheit keine Sorgen machen muss“, sagte der Epidemiologe Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE). Durch resistente Keime auf Fleisch wird allerdings eine Resistenz gegen Antibiotika auch für Krankheitserreger des Menschen befürchtet.

  • Wie sicher ist weißes Fleisch?

    „Zu weißem Fleisch hat man bisher in keiner epidemiologischen Studie einen Zusammenhang mit Krebs gefunden“, sagte Boeing. Generell bewertet auch die DGE Geflügel unter gesundheitlichen Gesichtspunkten günstiger als rotes Fleisch. Aus Angst vor Krebs nun vermehrt auf Geflügel umzuschwenken, ist Boeing zufolge aber nicht der logische Schluss aus der WHO-Empfehlung. Er empfiehlt auch aus ethischen Gründen eine gesündere Menge: „Wir bräuchten ernährungsphysiologisch gar nicht so viel Fleisch.“ Hinzu kommt: Antibiotika-resistente und andere potenziell krankmachende Keime werden insbesondere auf Geflügel gefunden. Hygiene bei der Zubereitung ist daher wichtig.

  • Was sollte man beachten, wenn man kein Fleisch mehr essen will?

    Auf Fleisch kann man gut verzichten, sind sich Experten einig. Vegetarier müssten sich aber mit Nährwerten und abwechslungsreicher Ernährung befassen, um beispielsweise Eisen optimal auszunutzen. Denn Eisen aus Gemüse, Hülsenfrüchten oder Vollkornprodukten kann der Körper nicht so leicht aufnehmen wie tierisches. Kombiniert mit Vitamin C lässt sich die Aufnahme aber verbessern, wie Rechkemmer schildert.

  • Wer braucht Nahrungsergänzungsmittel?

    Vitamin B12 ist für Veganer ein kritischer Nährstoff, weil er nicht in pflanzlichen Quellen vorkommt: Es müsste durch Nahrungsergänzungsmittel oder angereicherte Lebensmittel ersetzt werden. Wer zu Pillen greifen will, solle aber gezielt einen Stoff einnehmen, anstatt auf den Streueffekt zu setzen: „Von Multinährstoffpräparaten halte ich gar nichts“, sagte Rechkemmer.

  • Welche schädlichen Seiten hat Fleischkonsum noch?

    Massentierhaltung steht schon lange in der Kritik: Viehtransporter und dunkle, enge Ställe voller Tiere - das ist für viele Vegetarier und Veganer Anreiz genug zum Fleischboykott. Aber auch der Verzicht dem Klima zuliebe ist begründet: Die Umweltstiftung WWF etwa sieht hohen Fleischkonsum als „Brandbeschleuniger“ für die globale Klimaveränderung. Denn für eine fleischreiche Ernährung sind viel mehr Flächen nötig als für eine pflanzliche. Werden etwa Wälder in Südamerika für den Anbau von Tierfutter wie Soja abgeholzt, wird Kohlendioxid aus Bäumen und Böden freigesetzt.

Aber eine ist laut „Science“ so falsch wie die andere; kein einziges dieser Ergebnisse ließ sich replizieren. Meist hatten die Autoren wichtige weitere Variablen einfach vergessen. Dass diese Möglichkeit auch bei den Studien zur Krebsgefahr durch Wurst besteht, räumt die WHO in der bisher veröffentlichten zweiseitigen Zusammenfassung ihres Berichtes ein.

Der wichtigste der oft übersehenen Krebserreger ist das Alter. Ab 65 steigt das Krebsrisiko in Deutschland alle fünf Jahre um mehr als 40 Prozent. So sterben etwa hierzulande von 1000 Frauen im Alter zwischen 65 und 70 rund 47 an Krebs, im Alter zwischen 70 und 75 dagegen schon 65. Wann endlich fordern die Grünen nicht nur einen Veggieday, sondern verbieten gleich das Älterwerden? Die Rentenversicherer würde es auch freuen.

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