Nobelpreis für Wirtschaft: Richard Thaler verbindet Forschung mit Lebenshilfe

GastbeitragWirtschaftsnobelpreis: Thaler verbindet hochaktuelle Forschung mit praktischer Lebenshilfe

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Der Direktor des Institutes für Wirtschaftsforschung (ifo), Clemens Fuest

Was können wir vom neuen Ökonomie-Nobelpreisträger lernen? Eine Analyse der wichtigsten Ideen von Richard Thaler.

Richard Thalers Forschung ist hochaktuell und bietet nicht nur neue Einsichten, sondern auch praktische Lebenshilfen. Er hat in seiner Forschung gezeigt, dass Menschen häufig nicht vollständig rational handeln, sondern eher einfachen Entscheidungsregeln folgen. Dieses Verhalten kann mit erheblichen Nachteilen verbunden sein.

Ein Beispiel ist ein Taxifahrer, der als generelle Regel so lange fährt, bis er für den Tag einen bestimmten Umsatz erreicht hat, zum Beispiel einen Umsatz, der ihm erlaubt, ein auskömmliches Einkommen zu haben. Diese Regel führt dazu, dass er insgesamt mehr Stunden arbeiten muss als es für das Einkommen nötig wäre. Denn an Tagen mit hoher Nachfrage nach Taxidiensten hört er früher auf, und an Tagen, wenn die Nachfrage gering ist, fährt er länger. Er müsste es genau umgekehrt machen. Auch gesamtwirtschaftlich ist das Ergebnis ineffizient. Wenn viele Fahrgäste gerne ein Taxi hätten, wird das Angebot verknappt, und wenn wenige Gäste da sind, steigt das Angebot. Genau das Gegenteil wäre notwendig.

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Thaler hat auch gezeigt, dass die Werbung sich die beschränkte Rationalität von Konsumenten zu Nutze machen kann. Wichtig ist auch eine andere Arbeit von Thaler, in der es um „Winner’s Curse“ geht. Wenn man an einer Auktion teilnimmt und keine vollständige Information über den Wert des Kaufobjekts hat, wird der gewinnen, der den Wert am höchsten einschätzt und deshalb am meisten bietet. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wird er den Wert überschätzen und hinterher enttäuscht sein oder gar Verluste erleiden. Das ist der „Fluch des Gewinners“. Wir alle können daraus lernen, es bei Auktionen mit dem Bieten nicht zu übertreiben.

US-Ökonom Richard Thaler bekommt Nobelpreis für Wirtschaft

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaft geht in diesem Jahr an den US-Forscher Richard Thaler für seine Beiträge zur Verhaltensökonomik.

Die Königlich-Schwedische Wissenschaftsakademie wähle im Oktober 2017 den US-Wissenschaftler Richard H. Thaler für den Nobelpreis für Wirtschaft. Quelle: REUTERS

Beschränkt rationales Verhalten bedeutet, dass der Staat individuelles Verhalten durch Maßnahmen beeinflussen kann, die von den Bürgern nicht als starke Eingriffe wahrgenommen werden. Ein Beispiel ist das Fördern privater Altersvorsorge von abhängig Beschäftigten, indem ein Teil des Gehalts einbehalten und auf einem Pensionskonto gespart wird, aber auf freiwilliger Basis. Viele Menschen würden aus eigenem Antrieb nicht sparen, aber sie ergreifen auch nicht die Initiative, sich aus dem Programm abzumelden. Diese Art von Eingriff wird als ‚Nudging‘ bezeichnet – auf deutsch ‚stupsen‘. Kritiker halten politische Eingriffe dieser Art für Bevormundung.

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