Wissenschaft in Nordkorea: Chemie lernen mit dem Gewehr

Wissenschaft in Nordkorea: Chemie lernen mit dem Gewehr

, aktualisiert 23. Dezember 2016, 11:18 Uhr
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In diesem Wohnviertel leben vor allem Wissenschaftler. Das Regime belohnt die Leistungen seiner Forscher mit modernen Wohnungen und anderen Privilegien.

Quelle:Handelsblatt Online

Die nordkoreanische Gesellschaft ist vollständig militarisiert. Das spiegelt sich auch in der Ausbildung von Wissenschaftlern wider. Wer dem Regime als Atomforscher oder Raketenbauer dient, wird Privilegien überhäuft.

PjöngjangGewehr anlegen, zielen und schießen – so lernen junge Nordkoreaner Chemie im neuen Wissenschaftszentrum in Pjöngjang. Auf einen Bildschirm ist das Periodensystem der Elemente projiziert, in drei Meter Abstand liegen die Modellwaffen bereit. Trifft der Schütze beispielsweise das Feld mit „Po“, erscheint auf dem Bildschirm alles, was es über das Element Polonium zu wissen gibt. „Den jungen Studenten gefällt das“, sagt ein Angestellter und zielt selbst auf das Periodensystem.

Die nordkoreanische Gesellschaft ist durch und durch militarisiert. Das spiegelt sich auch im Gebäude des Wissenschafts- und Technologiezentrums wider, mit dem sich Machthaber Kim Jong Un ein Denkmal gesetzt hat. Im Zentrum des Baus in Form eines Atoms steht ein Modell der nordkoreanischen Unha 3-Rakete, die einst in der Lage sein soll, die USA nuklear anzugreifen.

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Das dieses Jahr eröffnete Zentrum ist eines der Vorzeigeprojekte von Kim Jong Un in der Hauptstadt, in das trotz der Armut im Land viel Geld floss. In nur zehn Monaten bauten Soldaten das beeindruckende Gebäude auf einer kleinen Flussinsel.

Mehr als 3000 Computerarbeitsplätze hält das Zentrum bereit, von Tausenden Besuchern täglich ist die Rede. Doch an diesem Tag ist es gespenstisch leer. Nur ein paar Dutzend Menschen sitzen vor den Rechnern, viele von ihnen sind Angestellte.

Wissenschaft und Technologie stünden ganz vorne, wenn es darum gehe, ein „reiches und mächtiges Vaterland“ zu schaffen, betont Kim immer wieder. Das technologische Know-how im Land wird vor allem militärisch genutzt. Die Atomwissenschaftler und Raketenbauer werden wie Nationalhelden behandelt und von ganz oben mit modernen Wohnungen und anderen Privilegien belohnt.


Nordkoreas Cyberkrieger gehören zu den besten der Welt

Dass es auch die Methoden des Cyberkriegs beherrscht, hat Pjöngjang bereits bewiesen. 2013 startete das Land einen Hackerangriff auf Banken und Sender in Südkorea. Washington macht Nordkorea außerdem für eine Attacke auf Sony Pictures im darauffolgenden Jahr verantwortlich. Die Cyber-Einheiten der nordkoreanischen Führung gehören „zu den besten in der Welt“, sagt der Kommandeur der US-Streitkräfte in Südkorea, Vincent Brooks.

Die allermeisten Nordkoreaner haben hingegen nur sehr eingeschränkt Zugang zum Internet. Von den Computern in der Haupthalle des Wissenschaftszentrums haben die Nutzer nur Zugriff auf das, was der Hausserver bereitstellt: Zeichentrickfilme für Kinder und Lernmaterial. Besucher über 17 können mit einer speziellen Genehmigung auch die Websites der staatlichen Medien und einige andere offiziell genehmigte Seiten erreichen.

Der Zugang zum nordkoreanischen Intranet funktioniert über das eigens entwickelte Betriebssystem Red Star. Red Star hinterlasse in jedem auf dem Computer geöffneten Dokument so genannte Wasserzeichen und mache so die Urheber und die Verbreitung von Dateien nachvollziehbar, haben die beiden deutschen IT-Forscher Florian Grunow und Niklaus Schiess herausgefunden.

Das gibt den Machthabern die Möglichkeit, verbotenes Material wie zum Beispiel ausländische Filme aufzuspüren. Ein wichtiges Instrument in einem Land, in dem offiziell für illegal erklärte Inhalte häufig mithilfe von USB-Sticks geteilt werden.

An einem der Computer im Wissenschaftszentrum sitzt die Studentin Ri Yong Hwa, die neben dem Studium in dem Zentrum arbeitet. „Das ist ein guter Ort zum Lernen, ich komme in meiner Mittagspause hierher“, sagt sie und fügt hinzu: „Ich möchte die Losung unseres geliebten Führers umsetzen und unser Land in Wissenschaft und Technologie an die Spitze bringen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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