Wissenschaft kann Vertrauen schaffen: Meeresforschung als Mosaikstein im Nahost-Friedensprozess

ThemaInnovationen

Wissenschaft kann Vertrauen schaffen: Meeresforschung als Mosaikstein im Nahost-Friedensprozess

Nach drei Jahren Funkstille haben Israelis und Palästinenser wieder Gespräche aufgenommen. In Kiel treffen sich Meeresforscher aus Deutschland, Israel und Palästina. Sie arbeiten schon länger zusammen.

Frieden wird von unten geschaffen und nicht von oben verordnet. Daran glaubt Professor Boaz Lazar von der israelischen Hebrew University of Jerusalem. Und während in Washington zum ersten Mal seit drei Jahren wieder offizielle Gespräche zwischen Palästinensern und Israelis stattfinden, forscht der maritime Geochemiker schon seit Mitte 2010 gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Deutschland, Österreich, Israel und Palästina im Projekt Trion. Dabei spüren sie - stark vereinfacht ausgedrückt - dem Weg von Spurenmetallen von der chemischen Verwitterung von Gesteinen an Land bis in die Kalkskelette von Korallen nach.


Wissenschaft kann Vertrauen schaffen, über ethische, religiöse und politische Grenzen hinweg - davon ist auch Lazars Kollege vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel, Trion-Koordinator Anton Eisenhauer, überzeugt. Das sieht die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ebenfalls so. Sie hat erst kürzlich rund eine Million Euro für die zweite Phase des Projekts bewilligt. Es gibt gemeinsame Expeditionen, Workshops und Studenten der palästinensischen AlQuds Universität im Osten Jerusalems lernen an der Hebrew University den Umgang mit einem Massespektrometer. Dieses Gerät steht baugleich in Kiel und Israel - und dank des Projekts auch an der einzigen Universität der palästinensischen Autonomiegebiete.

Anzeige

Doch ganz einfach ist auch der Austausch bei Trion nicht. So liegen die beiden Universitäten nur etwa sieben Kilometer voneinander entfernt. In Deutschland müsste man vielleicht zehn Minuten mit dem Auto fahren, in Jerusalem braucht man gleich rund eine Stunde, weil unter anderem der Sperrzaun zwischen den beiden Campussen liegt und man nicht den direkten Weg nehmen kann. Palästinensische Studenten könnten auch nicht einfach so ins israelische Kernland reisen, um an einer gemeinsamen Expedition teilzunehmen. Sie brauchen eine Arbeitsgenehmigung, die sie über das Projekt aber bekommen, wie Eisenhauer sagt. Und an ihrer eigenen Universität würden sie oft schräg angesehen. Er höre oft, „das ist doch der Feind“, sagt der palästinensische Diplom-Chemiker Mahmoud AlKatib.

Weitere Artikel

Eisenhauer bestätigt das: „Da gibt es einige, die die Zusammenarbeit auch auf dem akademischen Level kritisch sehen.“ Aber gemeinsam mit seinen Kollegen arbeitet er daran, dies zu ändern, die angespannte Atmosphäre zu lockern. Vertrauen schaffen eben. Aber wie sieht es mit einem Friedensschluss zwischen den Regierungen aus, wie er gerade in Washington vorbereitet werden soll? Gibt es in zehn Jahren zwei Staaten? „Wer weiß“, heißt die Antwort Lazars. Er werde keine Vorhersage wagen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%