Wo die Zukunft entsteht: Wenn die Autos fliegen lernen

Wo die Zukunft entsteht: Wenn die Autos fliegen lernen

, aktualisiert 05. November 2011, 08:26 Uhr
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Wie im Science-Fiction-Film „Das fünfte Element“ könnten Autos bald das fliegen lernen.

von Katrin Terpitz und Thomas JahnQuelle:Handelsblatt Online

Neue Technologien verändern unsere Art zu arbeiten, zu leben und manchmal auch zu denken. Handelsblatt-Reporter haben die Labore der zehn innovationsfreudigsten Konzerne besucht und einen Blick in die Zukunft geworfen.

Düsseldorf/New YorkDer Vorstand des Autokonzerns BMW betraute seinen Entwickler Ulrich Kranz 2007 mit einem geheimen Projekt. Der Auftrag lautete kurz und knapp: "Entwickeln Sie das Auto der Zukunft, um BMW fit fürs kommende Jahrzehnt machen!" Eine gewaltige Herausforderung, zumal Kranz im Vorfeld nur eines erhielt: die Lizenz zum Spinnen. Bewährte Technologien wie Verbrennungsmotor und Metallkarosserie versprachen keine Lösungen mehr, sie stellten allenfalls Probleme dar.
Also ging der Leiter der Mission "Project i" ans Werk und schickte seine Tüftler hinaus in die Welt. Das Forscher-Team nahm sich Zeit, potenziellen BMW-Kunden zuzuhören, sie zu beobachten: Wie fahren die Menschen in Metropolen wie Schanghai oder New York zur Arbeit, wie erledigen sie ihre Einkäufe? Wie sehen die Lebensgewohnheiten derer aus, die kein Auto benutzen? Wäre ein Auto mit Elektroantrieb auch ohne dichtmaschiges Ladenetz praktikabel?

Schon hebt das Auto ab und fliegt zum Zielort

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In zwei Jahren will Kranz Antworten liefern - und Resultate vorzeigen: Dann soll sein Auto der Zukunft, das Megacity Vehicle, unter der Submarke "BMW i" auf den Markt kommen: angetrieben mit Strom aus der Steckdose, gefertigt aus ultraleichtem Karbon. Ob das ausreichen wird in einer Welt, die sich immer schneller dreht?

Der amerikanische Industrie-Riese Boeing denkt bereits einen radikalen Schritt weiter. Stau, schlechte Luft, Hupkonzert? Kein Problem. Den Schalter umgelegt, schon hebt das Auto ab und fliegt zum Zielort. Die Idee ist keine Spinnerei eines Comic-Zeichners, sondern ein Projekt von "Phantom Works", einer Forschungsgruppe bei Boeing. 4 500 Mitarbeiter des US-Konzerns suchen nach den Technologien von morgen und übermorgen.

Ihre Spitzenforscher, unter anderem eine Avantgarde-Abteilung namens "White Space", sitzen an 500 verschiedenen Projekten: An der superschnellen Drohne etwa, die über selbst erzeugte Überschallwellen reitet. An einem Transportflugzeug, das zehn Tage in der Luft sein kann. Und eben am fliegenden Auto. Rein technologisch betrachtet könnten Autos eines Tages tatsächlich über städtische Zonen fliegen, heißt es bei Boeing. Die wahre Herausforderung liege in der Koordination des Luftverkehrs und darin, wie sehr man das Vehikel vom Fahrer selbst lenken lassen darf.


Westliche Unternehmen geben Vollgas

Ideen, auch die scheinbar verrückten, sind der Rohstoff der Zukunft. Sie zu entwickeln und in marktfähige Produkte umzusetzen, entscheidet zunehmend über Rekordgewinn oder Pleite einer Firma. Die Produktzyklen werden in nahezu allen Industriebereichen dramatisch kürzer. Wer mit dem Innovationstempo nicht Schritt halten kann, verspielt seine Zukunft. Der rasante Abstieg des finnischen Handy-Konzerns Nokia vom Superstar zum Sanierungsfall wirkt wie ein Mahnmal - und zwar weit über die Telefonbranche hinaus.

Die meisten Konzernlenker haben begriffen, was sie erwartet: Sie investieren deshalb kräftig in Forschung und Entwicklung: 550 Milliarden Dollar stellten die 1 000 forschungsstärksten Unternehmen im vergangenen Jahr dafür bereit, wie eine aktuelle Analyse der Strategieberatung Booz & Company zeigt. Das sind fast 170 Milliarden Dollar mehr als noch vor sechs Jahren. Addiert man die öffentlichen Forschungsausgaben hinzu, werden weltweit inzwischen sogar 1,15 Billionen Dollar in die Entwicklung neuer Technologien gesteckt.

Westliche Unternehmen geben weiter Vollgas

Die Investitionen übersteigen längst wieder das hohe Niveau von vor der Finanzkrise. Booz zufolge stechen unter den deutschen Topnamen Volkswagen, Siemens und Daimler mit den höchsten Forschungsetats hervor. Der Wolfsburger VW-Konzern stockte sein Budget im Vorjahr um fast 20 Prozent auf. Dabei ist es nicht nur die angestrebte Weltmarktführerschaft, die VW antreibt. Die etablierten Größen reagieren auch auf den Druck neuer Konkurrenten, denn insbesondere Firmen aus Schwellenländern holen rasant auf.

Laut Booz pumpten chinesische Konzerne 2010 durchschnittlich 38 Prozent mehr in Forschung und Entwicklung als im Jahr zuvor. Um im Wettbewerb der besten Ideen nicht zurückzufallen, geben deshalb auch westliche Unternehmen weiter Vollgas.

Das Handelsblatt hat in die Zukunftslabore zahlreicher Weltkonzerne geschaut, Produktinnovationen begutachtet, mit Forschern und Entwicklern über Zukunftstechnologien diskutiert. Eine achtteilige Serie gibt ab heute Einblicke, wie unser Alltag 2020 aussehen könnte - und welche Unternehmen die besten Chancen haben, den Wettlauf um die Zukunft zu gewinnen. Handelsblatt-Reporter beschreiben, wie Google der Welt eine gemeinsame Sprache geben will, wie Airbus im "Bauhaus Luftfahrt" Flugzeuge mit Elektroantrieb entwickelt und wie Nestlé mit Apfelschalen den Muskelschwund besiegen will. In acht weiteren Teilen der Serie, die im täglichen Rhythmus erscheinen wird, blicken wir in die Labore weiterer Global Player: darunter General Electric und Siemens, IBM und Procter & Gamble, VW und Adidas.

Mitarbeit: Matthias Eberle, Till Hoppe

Quelle:  Handelsblatt Online
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