Wo lag der Fehler?: US-Pflegerin infiziert sich trotz Schutzanzug mit Ebola

Wo lag der Fehler?: US-Pflegerin infiziert sich trotz Schutzanzug mit Ebola

, aktualisiert 13. Oktober 2014, 11:56 Uhr
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In Dallas sind Spezialisten mit der Desinfizierung der Wohnung der an Ebola erkrankten Pflegerin beschäftigt.

Zum ersten Mal hat sich in den USA ein Mensch mit Ebola angesteckt. Es handelt sich um eine Pflegerin, die einen Ebola-Patienten betreut hatte. Noch ist rätselhaft, wie sie sich trotz Schutzmaßnahmen infizieren konnte.

Im US-Bundesstaat Texas hat sich eine Klinikmitarbeiterin bei der Behandlung eines Ebola-Patienten mit dem Virus infiziert. Ein zweiter Test habe den Verdacht auf die Infektion der Frau bestätigt, teilte die Seuchenschutzbehörde CDC am Montag mit. Es ist das erste Mal, dass sich ein Mensch in den USA infiziert hat.

Die Seuche wurde von dem Liberianer Thomas Eric Duncan nach Texas eingeschleppt. Die nun erkrankte Frau betreute den Mann, der am Mittwoch verstorben war. Damit nimmt die Sorge zu, dass sich Ebola auch außerhalb der bislang betroffenen Länder ausbreiten könnte. Personen aus dem Umfeld der Infizierten stehen nun unter Beobachtung.

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US-Präsident Barack Obama wies die zuständige Behörde an, den Vorfall so schnell wie möglich zu untersuchen, wie das Weiße Haus mitteilte. Gleichzeitig versuchte er, die Besorgnis in seinem Land zu beschwichtigen. Die Gefahr eines Ausbruchs der gefährlichen Infektionskrankheit in den Vereinigten Staaten sei „extrem gering“, sagte Obama.

Die wichtigsten Infos zur Ebola-Ansteckung in Texas

  • Welchen Schutz haben Ärzte und Pfleger?

    Die exakte Ausrüstung kann variieren. Zu einer Ausstattung für den Umgang mit gesundheitsgefährdenden Stoffen gehören in der Regel ein Kittel, zwei Paar Handschuhe, eine Gesichtsmaske und ein Augenschutz. Es gibt strenge Protokolle dafür, wie diese Schutzausrüstung richtig angewendet wird. Die Kleidung wird im Rahmen eines „Buddy-Systems“ jeweils mit einem Kollegen an- und ausgezogen. Dieser passe auf, dass das korrekt laufe, erklärt Dr. Dennis Maki, Spezialist für Infektionskrankheiten von der University of Wisconsin in Madison.

  • Wie könnte sich die Ebola-Infektion ereignet haben?

    Die Behörden konzentrieren sich auf zwei Aspekte: Darauf, wie die Schutzkleidung entfernt wurde und auf die medizinischen Verfahren bei der Behandlung von Thomas Eric Duncan. Dazu gehörten eine Dialyse und der Einsatz eines Atmungsgeräts. Bei beiden Vorgängen werden Schläuche eingeführt - entweder in Blutgefäße oder in einen Atemweg. Dies erhöht die Gefahr, dass Klinikbeschäftigte in Kontakt mit den Körperflüssigkeiten des Patienten kommt - die Voraussetzung für eine Ebola-Übertragung.

    „Die Entfernung der Ausrüstung kann wirklich die höchste Gefahr darstellen“, sagt Dr. Eileen Farnon von der Temple University. „Man muss äußerst vorsichtig sein und jemanden haben, der einen beobachtet, um sicherzugehen, dass man sich an alle Schritte erinnert.“ Nach jedem dieser Schritte würden in der Regel die Hände mit Desinfektionsmittel oder Chlorspray gereinigt, erklärt Farnon.

  • Welche Übertragungswege gibt es noch?

    Ein Teil der Schutzkleidung könnte beim Ausziehen mit einer Oberfläche in Berührung kommen und diese verunreinigen. Neues Datenmaterial legt nahe, dass selbst winzige Tropfen einer Körperflüssigkeit eines Patienten das Virus enthalten könnten, sagt Maki. „Ich kann den Anzug anhaben und sehr vorsichtig sein, aber ich kann irgendwelche Sekrete oder Körperflüssigkeiten an einer Oberfläche aufnehmen“, und auf diesem Weg verbreiten, erklärt er.

  • Sollten Ebola-Patienten nur in speziellen Zentren behandelt werden?

    Spezialabteilungen sind das Ideal, aber in den USA gibt es davon weniger als ein halbes Dutzend. Zudem verfügen diese nicht über eine unbegrenzte Anzahl an Betten. „Die Verlegung von Patienten stellt auch selbst ein hohes Risiko dar“, sagt Farnon. Dabei würden potenziell mehr Personen dem Virus ausgesetzt.

  • Was empfiehlt die US-Seuchenschutzbehörde den Krankenhäusern?

    Die Seuchenbehörde CDC rät dazu, dass eine Klinik die Zahl der Mitarbeiter verringert, die einen Ebola-Patienten betreuen. Zudem sollten sich diese auf die unbedingt nötige Behandlung des Patienten beschränken. Des Weiteren sollte laut CDC ein Vollzeitbeauftragter für Infektionskontrolle ernannt werden, während in einem Krankenhaus ein Ebola-Patient behandelt wird.

    CDC-Leiter Tom Frieden hat angekündigt, dass sich die Behörde auch mit der persönlichen Schutzausrüstung befassen werde. Es sei nicht zwangsläufig sicherer, mehr Ausrüstung anzuziehen, da dies es erschweren könnte, „effektive Pflege zu leisten“, erklärt Frieden.

Eine Einschleppung des gefährlichen Ebola-Virus auch nach Deutschland hält der Vize-Präsident des Berliner Robert Koch-Instituts, Lars Schaade, für möglich. „Es gibt ein Risiko, das Risiko ist gering, aber wir müssen natürlich damit rechnen“, sagte Schaade am Montag im ZDF-Morgenmagazin. Die Behörden seien aber gut vorbereitet. „Wir haben entsprechende Übungen gemacht und haben bei den vergangenen Verdachtsfällen gesehen, dass diese Kette sehr gut funktioniert.“

Beunruhigend an dem Fall ist, dass die Krankenschwester eine vollständige Schutzausrüstung getragen haben soll, als sie Duncan bei seinem Aufenthalt im Texas Health Presbyterian Hospital in Dallas betreute. Dies bestätigte Daniel Varga vom Krankenhaussystem Texas Health Resources. Dazu gehören unter anderem eine Maske und Handschuhe.

Das ist das Ebola-Virus

  • Das Virus

    Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes, Fieber aus.

  • Sterblichkeit

    Je nach Erregerstamm sterben laut Angaben der WHO 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung ist noch kein Heilmittel auf dem Markt, Impfstoffe sind in der Testphase.

  • Der Übertragungsweg

    Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen oder Flughunde. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

  • Die Krankheit

    Die Inkubationszeit beträgt nach WHO-Angaben zwei Tage bis drei Wochen. Dann setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, auch andere Organe werden geschädigt. Es können schwere innere Blutungen auftreten. Erst wenn die Symptome auftreten, sind Infizierte ansteckend.

  • Die Gefahrenzone

    Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal wurde das Virus 1976 im damaligen Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo, nahe dem Ebola-Fluss nachgewiesen. Daher hat die Krankheit ihren Namen.

    Laut aktuellen Zahlen der WHO (Stand: 14. November 2014) sind seit dem aktuellen Ausbruch mehr als 14.400 Ebola-Fälle bekanntgeworden, die meisten in Liberia und Sierra Leone. Fast 5200 Menschen haben das Virus nicht überlebt.

Notaufnahme nimmt keine Patienten mehr auf

Den Angaben zufolge hatte die Krankenschwester am Freitagabend im Rahmen einer vorgeschriebenen Selbstkontrolle über Fieber berichtet. Die Frau befand sich am Sonntag in stabilem Zustand. Varga sagte, es werde noch eine weitere Person isoliert. Die Notaufnahme der Klinik Texas Health Presbyterian nimmt inzwischen keine neue Patienten mehr auf.

Die örtlichen Gesundheitsbehörden haben auch knapp 50 Personen unter Beobachtung gestellt, die möglicherweise Kontakt zum verstorbenen Thomas Eric Duncan hatten. Nach seinem Tod wollen die Behörden nun untersuchen, ob sein Leben hätte gerettet werden können. Duncan war trotz Symptomen der tödlichen Seuche zunächst von der Klinik wieder nach Hause geschickt worden.

Seuchen-Experte Jan Leidel "Die erste Reaktion auf einen Ebola-Verdacht muss sitzen"

USA, Spanien, Mazedonien: Die Zahl der Ebola-Fälle steigt - und damit die Angst der Menschen, dass die Seuche sich auch hier ausbreiten könnte. Ist die Sorge berechtigt? Nein, meint der Seuchen-Experte Jan Leidel

Quelle: AP

Von den bisherigen sechs Ebola-Patienten in den USA war Duncan der einzige, der nicht in einer der Spezialkliniken für ernsthafte Virusinfektionen behandelt wurde. Thomas Frieden, Leiter der CDC, sagte beim Fernsehsender CBS, die jüngste Ebola-Diagnose zeige, dass es einen eindeutigen Bruch des Sicherheitsprotokolls in der Klinik gegeben habe.

CDC sucht nach Fehlerquelle

Die Fachkräfte, die sich um Duncan gekümmert hatten, waren angewiesen worden, ein CDC-Protokoll zu befolgen, das unter anderem das Tragen von Schutzausrüstung vorsieht. Die CDC will jetzt untersuchen, wie die Arbeiter diese Ausrüstung auszogen - ein falsches Vorgehen dabei kann eine Kontamination zur Folge haben. Ein kritischer Punkt sei das Abnehmen des Gesichtsschutzes. So soll sich etwa die infizierte Pflegehelferin in Spanien beim Ausziehen des Schutzanzugs mit einem Handschuh versehentlich ins Gesicht gefasst haben.

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