Y-Chromosom: Warum die Größe keine Rolle spielt

Y-Chromosom: Warum die Größe keine Rolle spielt

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Das menschliche Chromosom unter dem Mikroskop.

Laut Forschern verkümmert das Y-Chromosom stetig. Warum unsere Spezies trotzdem überleben wird und weniger manchmal mehr ist.

Eine einfache Grundregel der Biologie lautet: Mädchen sind Mädchen, weil sie zwei X-Chromosome besitzen - und Jungen sind Jungen, weil sie ein X- und ein Y-Chromosom besitzen. Seit Jahren streiten sich die Wissenschaftler allerdings, wie die Zukunft des Y-Chromosoms aussehen wird.

Ein Chromosom ist eine Struktur, die Gene und Erbinformationen enthält. Diese Chromosome stecken in jeder Zelle unseres Körpers und bestimmen deren Weiterentwicklung von Anfang an. Das Y-Chromosom ist maßgeblich daran beteiligt, dass aus dem heranwachsenden Fötus ein Junge wird.

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Der Evolutionsbiologe David Page bezeichnete das Y-Chromosom im vergangenen Jahr noch als „nachlässiges Biest“: Das Y hänge in einem abgewetzten Sessel wie jemand, der es nicht schafft, Termine wahrzunehmen oder die Wohnung auf Vordermann zu bringen. Im Vergleich zum X-Chromosom ist das Y-Chromosom im Laufe der Generationen stark verkümmert, es büßte laut der Evolutionsforschung in seiner Geschichte rund 90 Prozent seiner Gene ein.

In der Tierwelt gibt es Arten, bei denen das Y-Chromosom mittlerweile nicht mehr zu finden ist. Ein Beispiel ist die Stachelratte Tokudaia muenninki, bei der es zwar männliche und weibliche Tiere, aber kein Y-Chromosom mehr gibt. Die Vermutung: Die wichtigen Gene könnten auf ein anderes Chromosom übergesprungen sein.

Dass dies auch beim modernen Menschen passieren wird, halten Forscher wie die Evolutionsbiologin Melissa Wilson Sayres allerdings für unwahrscheinlich. Ihre aktuelle Studie zeigt, dass das Chromosom nur wenig genetische Vielfalt zeigt. Dies spricht dafür, dass die Evolution den Inhalt dieses Chromosoms auf das Wesentliche reduziert hat.

Auch hierfür hat David Page einen schönen Vergleich parat: Vor etwa 300 bis 200 Millionen Jahren sei das schusselige Y-Chromosom am Steuer eines schlecht gewarteten Autos eingeschlafen. Unterwegs brachen einige Teile ab, es fuhr geradewegs in Richtung Abgrund. Vor 25 Millionen Jahren jedoch war es wieder hellwach und riss das Steuer herum. Seitdem ist es ein geradezu penibler Zeitgenosse. Ihm geht nichts mehr verloren. Beschädigungen bessert es aus.

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Tatsächlich sind von den 600 Genen, die X- und Y-Chromosom einst gemeinsam hatten, nur noch 19 übrig – dies hat der Mensch mit seinen tierischen Vorfahren gemeinsam, bei Schimpansen und Rhesusaffen lassen sich die gleichen Gene finden. Auch bei anderen Arten gibt es laut des Evolutionsbiologen Page Überschneidungen.

Die Schlussfolgerung: Diese Gene sind besonders relevant für das Überleben und den Fortbestand einer Art. Forscher wollen sich nun auf zwölf Gene des Y-Chromosoms konzentrieren. Vier sind für die Unterschiede zwischen Mann und Frau relevant, die anderen acht bestimmen, wie das Erbgut in Organen und Geweben ausgelesen wird. Ein Ziel der Forschung: Eine Erklärung dafür finden, warum Männer und Frauen unterschiedlich krank werden.

 

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