Yoshinori Ohsumi: Mit Rotwein zum Medizin-Nobelpreis

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InterviewYoshinori Ohsumi: Mit Rotwein zum Medizin-Nobelpreis

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Yoshinori Ohsumi, Professor am Tokyo Institute of Technology wird in diesem Jahr mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.

von Susanne Kutter

Der japanische Wissenschaftler Yoshinori Ohsumi erhält in diesem Jahr den Nobelpreis für Medizin. Ein Forschungskollege erklärt, warum er die richtige Wahl ist und was seine Forschung ausmacht.

Der Japaner Yoshinori Ohsumi wird für in diesem Jahr für die Entdeckung des sogenannten Autophagie-Mechanismus mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet, der unter anderem bei der Zersetzung von Zellbestandteilen eine Rolle spielt. Ohsumi wurde für seine „brillanten Experimente“ zur sogenannten Autophagie gewürdigt. Einem Prozess, bei dem Zellen ihre Inhalte zerteilen und sozusagen recyceln.

Volker Haucke vom Berliner Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie forscht am selben Themengebiet wie der Medizin-Nobelpreis-Gewinner: der Autophagie. Er gibt einen Eindruck von dem Forschungsgebiet und warum Yoshinori Ohsumi ein ehrwürdiger Preisträger ist.

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WirtschaftsWoche: Haben die Nobelpreis-Juroren den richtigen Forscher gekürt?

Volker Haucke: Ja. Diesen Preis hat Yoshinori Ohsumi absolut gerechtfertigt verdient, denn er hat seit den 80er-Jahren am Thema des lebenswichtigen Prozesses der Autophagie geforscht. Damals interessierte sich noch kein Mensch dafür.

Die Medizin-Nobelpreisträger der vergangenen zehn Jahre

  • 2012

    Sir John B. Gurdon, Großbritannien, und Shinya Yamanaka, Japan - für die künstliche Herstellung von Stammzellen. Ihnen ist es gelungen, erwachsene Körperzellen in ihren embryonalen Zustand zurückversetzt haben - eine Revolution in der Stammzellforschung, weil sich diese Zellen in alle Zellen des Menschen entwickeln können.

  • 2011

    Bruce Beutler, USA, und Jules Hoffmann, Frankreich - für ihre Entdeckungen über die Aktivierung der angeborenen Immunität.

    Ralph Steinman, Kanada - für seine Entdeckung der dendritischen Zellen und ihrer Rolle in der adaptiven Immunität.

  • 2010

    Robert Edwards, Großbritannien - für seine Entwicklung der In-vitro-Fertilisation.

  • 2009

    Elizabeth Blackburn, Carol Greider und Jack Szostak, alle USA - für die Entdeckung, wie Chromosomen durch Telomere und das Enzym Telomerase geschützt werden.

  • 2008

    Harald zur Hausen, Deutschland - für seine Entdeckung der Auslösung des Gebärmutterhalskrebs durch humane Papillomviren.

    Francoise Barre-Sinoussi und Luc Montagnier, beide Frankreich - für die Entdeckung des HI-Virus.

  • 2007

    Mario Capecchi und Oliver Smithies, beide USA, sowie Martin Evans, Großbritannien - für ihre Entdeckungen im Bereich embryonaler Stammzellen und der DNA-rekombination bei Säugetieren.

  • 2006

    Andrew Fire und Craig Mello, beide USA - für ihre Entdeckung der RNA-Interferenz.

  • 2005

    Barry Marshall und Robin Warren, beide Australien - für die Entdeckung des Magenbakteriums "Helicobacter pylori" und dessen Bedeutung bei Gastritis und Magengeschwüren.

  • 2004

    Richard Axel und Linda Buck, beide USA - für die Erforschung der Riechrezeptoren und der Organisation des olfaktorischen Systems.

  • 2003

    Paul Lauterbur, USA und Sir Peter Mansfield, Großbritannien - für ihre Entdeckungen zur Bildgebung durch Magnetresonanz. Das sogenannte MRT wird heute zur Diagnostik eingesetzt.

Wozu ist dieser Prozess gut?

Autophagie sorgt dafür, dass die Zellen in einem von ihnen gesteuerten Prozess Teile von sich selbst verdauen können. Damit werden zum Beispiel störende Eiweiß-Komplexe entsorgt und deren Grundstoffe für die Zelle gleichzeitig wieder verwertbar gemacht.

Eine Art Recycling also?

Genau. Doch im Alter lässt diese Aktivität nach. Den Prozess mit pharmakologisch aktiven Substanzen wieder anzukurbeln könnte also eine Möglichkeit sein, viele der neurodegenerativen Erkrankungen einzudämmen wie etwa Parkinson, Chorea Huntington oder auch Alzheimer. Denn gerade da spielen störende Eiweißablagerungen eine große Rolle.

Nobel-Preise Japaner Yoshinori Ohsumi erhält den Medizin-Preis

Der diesjährige Nobelpreis für Medizin geht an den Japaner Yoshinori Ohsumi. Das gab die Nobelversammlung am Karolinska-Institut in Stockholm am Montag bekannt.

Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an den Japaner Yoshinori Ohsumi für die Entdeckung des sogenannten Autophagie-Mechanismus. Quelle: REUTERS

Wie lange könnte es dauern, bis solche Therapien erprobt werden?

Gar nicht so lange, denn es sind Naturstoffe wie das Resveratol im Rotwein oder Polyamine, die im Körper selbst oder zum Beispiel in Maggi reichlich vorhanden sind, die zumindest im Labor bei viele Zellsystemen auch die Autophagie wieder in Gang bringen.

Rotwein und Maggi gegen Alzheimer? Hat also der Rotwein heute den Medizin-Nobelpreis verliehen bekommen?

Nein, natürlich nicht (lacht). Sondern ein sehr bescheidener Grundlagenforscher, der vor vielen Jahren eine wichtige Frage gestellt hat. Nämlich die, wie Hefezellen es schaffen, in widrigsten Lebensbedingungen nicht zu verhungern. Und dabei entdeckte er die Autophagie - also die Fähigkeit, sich teilweise aus sich selbst heraus zu ernähren. Der Preis zeigt, wie wichtig die Grundlagenforschung ist - mit Fragen, die vordergründig gar nicht so spannend klingen. Denn welcher Politiker würde schon für die Erforschung der Anti-Hunger-Strategie von Hefezellen viel Geld ausgeben. Aber wenn dabei Therapien gegen Alzheimer heraus kommen, klingt das schon ganz anders.

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