Zika-Epidemie: "Wir brauchen einfachere Tests für das Zika-Virus"

InterviewZika-Epidemie: "Wir brauchen einfachere Tests für das Zika-Virus"

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Das von einer Mücke übertragene Zika-Virus breitet sich schnell aus.

von Ferdinand Knauß

Die Infektionsepidemiologin Christina Frank erklärt, vor welche Herausforderungen die Zika-Epidemie die betroffenen Länder stellt und warum die Gefahren für Deutschland eher gering sind.

WirtschaftsWoche Online: Was heißt es konkret, wenn die WHO wegen des Zika-Virus den internationalen Gesundheitsnotstand ausruft?

Christina Frank: Das ist an bestimmte Kriterien gebunden. Es muss also ein ungewöhnliches Ereignis geben, oft einen Krankheitsausbruch. In diesem Fall ist es die Häufung von Mikrozephalie-Fällen. Also von Neugeborenem mit viel zu kleinem Kopf. Das bringt für die meisten Kinder deutliche gesundheitliche Einschränkungen mit sich. Sie sind vielfach geistig behindert, teilweise beträchtlich. Einige sterben auch bereits im Mutterleib.

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Christina Frank Quelle: PR

Christina Frank, Ph.D., ist Infektionsepidemiologin am Robert Koch-Institut in berlin

Bild: PR

Wie bei einem solchen ungewöhnlichen Ereignis üblich hat sich die WHO mit einem Expertengremium beraten, ob die Gefahr einer weiteren internationalen Ausbreitung besteht.  Das wurde offensichtlich so gesehen, weil es noch weitere Länder gibt, die Überträger-Mücken und eine noch nicht immune Bevölkerung haben. Außerdem kamen sie zu dem Ergebnis, dass es sinnvoll ist, die Maßnahmen international zu koordinieren.

Danach kann die WHO entsprechend der internationalen Gesundheitsvorschriften tätig werden. Sie kann dann zum Beispiel definieren, was unter einem Krankheitsfall zu verstehen ist und von den betroffenen Ländern Fallzahlen anfordern. Und sie kann die betroffenen Länder auch finanziell und mit Sachmitteln unterstützen. Im Falle der Ebola-Epidemie ging es vielfach um Personalhilfe, weil die betroffenen Länder nur wenig medizinische Infrastruktur hatten. Das ist in Brasilien ganz anders, weil es dort schon ein recht gutes Gesundheitssystem gibt.

Zur Person

  • Christina Frank

    Christina Frank ist Infektionsepidemiologin am Robert Koch-Institut.

Was kann man konkret tun, um die Ausbreitung zu verhindern?

Man kann die übertragenden Mücken direkt bekämpfen und man kann verhindern, dass die Mücken Menschen stechen - also einfach für Zugang zu Mückenschutzmitteln sorgen. Wichtig ist auch, dafür zu sorgen, dass Kranke nicht von Mücken gestochen werden, und so das Virus neu aufnehmen.  

Hier hat die Mücke zuletzt zu gestochen



In diesen Ländern wurden in den vergangenen neun Monaten Zika-Virus-Infektionen gemeldet.


Daten: European Centre for Disease Prevention and Control // Stand: 19.01.2016




Das Zika-Virus wird hauptsächlich von einer Stechmücke übertragen, die nur in tropischen Ländern heimisch ist. Also Entwarnung für alle, die nicht vorhaben, in die betroffenen Länder zu reisen? Oder könnten unsere mitteleuropäischen Schnaken das Virus bald auch übertragen?

Man kann nicht ausschließen, dass auch Mücken in Deutschland, zum Beispiel die asiatische Tigermücke, die punktuell in Süddeutschland vorkommt, das Virus verbreiten können. Aber generell sind die klimatischen Bedingungen für die Übertragung und vor allem dafür, dass es ein großer Ausbruch wird, nicht besonders gut in Deutschland. Selbst in warmen Sommern bestehen hier völlig andere Bedingungen als in den Tropen.

Gibt es Hinweise für andere Übertragungswege?

Es ist ein Fall einer sexuellen Übertragung in den USA dokumentiert. Auch im Sperma eines Mannes in Polynesien wurde das Virus schon nachgewiesen. Es gibt auch Fälle von Schwangeren, die bei der Geburt das Kind infiziert haben. Aber das war offenbar nicht besonders schlimm für das Kind. Überhaupt ist die akute Zika-Virus-Infektion nicht besonders schlimm.  Das Problem ist die mögliche Verbindung zu den Mikrozephaliefällen.

Bisher gibt es weder einen Impfstoff gegen das Virus noch eine Behandlung. Mit Schmerzmitteln kann man die Symptome lindern. Eine Gefahr besteht vorallem für Schwangere.

Erschreckend sind allein die Kopf-Fehlbildungen bei Neugeborenen von infizierten Müttern? Wie ist das zu erklären?

Es ist noch nicht ganz klar, ob es das Virus selbst ist, das die ungeborenen Kinder schädigt. Und man muss noch untersuchen, ob es neben dem Virus andere Faktoren gibt. Das könnte zum Beispiel die gleichzeitige Gabe eines Medikamentes sein.

Weiß man denn wie die Krankheit nach Südamerika gelangt ist?

In Afrika und Asien gibt es das Virus schon länger. In Afrika hat man es erstmalig in den 1940er Jahren nachgewiesen. Aber viel über seine Geschichte weiß man nicht. Wir wissen, dass es von Asien Richtung Pazifik wanderte. 2007 gab es einen großen Ausbruch auf der Insel Yap in Mikronesien und 2013 und 2014 viele Ausbrüche auf vielen Pazifikinseln bis hin zur Osterinsel. Von einer der pazifischen Inseln muss es irgendwie nach Brasilien gelangt sein.  Es gibt im Grunde zwei Möglichkeiten, nämlich dass ein infizierter Mensch nach Südamerika einreiste und dort gleich von einer Mücke gestochen wurde, die das Virus dann weiter verbreitete, oder dass eine infizierte Mücke irgendwie von den Inseln nach Südamerika gelangte und dort gleich einen Menschen gestochen hat.

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