Zika-Virus: Der WHO-Notstand ist nicht dramatisch, aber notwendig

Zika-Virus: Der WHO-Notstand ist nicht dramatisch, aber notwendig

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Gesundheitspersonal sprüht Insektizid um die Mücke Aedes aegypti zu bekämpfen, die den Zika Virus in Rio de Janeiro überträgt.

Die WHO stuft die Zika-Seuche als Notfall ein. Nicht weil das Virus so gefährlich ist. Sondern weil die Welt sonst keine Chance dagegen hat.

Die Szenen rufen Erinnerungen wach: Menschen, die sich gelbe Schutzanzüge überstreifen. Länder, die auf Karten rot eingefärbt sind. Gesichter voller Schmerzen und Leid. Keine zwei Monate ist es her, dass die Welt den Kampf gegen Ebola offiziell beendet hat. Aber schon senden Fotografen neue Schreckensbilder um die Welt. Statt aus Afrika kommen sie aus Lateinamerika. Die nächste Viruswelle kündigt sich an. Zika heißt das Virus dieses Mal. Es breitet sich rasend schnell aus. Infizierte Mücken übertragen den Erreger auf den Mensch. Bei Schwangeren soll das Virus Fehlbildungen des heranwachsenden Babys auslösen. In Süd- und Mittelamerika sind 26 Länder betroffen. Allein Brasilien spricht von 1,5 Millionen Infizierten. Und doch ist der Vergleich zu Ebola falsch. Anders als Ebola tötet Zika nicht. Die Erkrankung fühlt sich wie eine Erkältung an.

Zika in Brasilien Mit Drohnen gegen das Zika-Virus

Die Weltgesundheitsorganisation hat wegen des Zika-Virus den internationalen Gesundheitsnotfall ausgerufen. Die Bekämpfung ist schwierig. Ein deutscher Drohnen-Hersteller sagt den Mücken nun den Kampf an.

In this Wednesday, Jan. 27, 2016 photo, Aedes aegypti mosquitoes sit in a petri dish at the Fiocruz institute in Recife, Pernambuco state, Brazil. The mosquito is a vector for the proliferation of the Zika virus spreading throughout Latin America. New figures from Brazil's Health Ministry show that the Zika virus outbreak has not caused as many confirmed cases of a rare brain defect as first feared. (AP Photo/Felipe Dana) Quelle: AP

Nur Schwangere müssen sich fürchten. Anders als bei Ebola sind Erkrankte für ihre Mitmenschen ungefährlich. Nur bei ungeschütztem Sex kann der Erreger wandern. Anders als bei Ebola auch bilden Infizierte Antikörper aus. Wie bei den Masern sind sie nach der Erkrankung immun.

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WHO im Zentrum der Kritik

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das Virus trotzdem als Gesundheitsnotstand eingestuft. Am Montag schlug Generalsekretärin Margaret Chan Alarm. Bei Ebola hatte das viel zu lange gedauert. Experten prangerten Chans Zögern danach an. Der Vorwurf: Die WHO trage eine Mitschuld an der Ebola-Epidemie. Erst der verspätete Notruf habe dem Virus die Zeit zur explosionsartigen Ausbreitung verschafft. Jetzt hat Chan schneller reagiert - und wird prompt kritisiert. Die WHO mache aus einer Mücke einen Elefanten, schreiben manche.

Hier hat die Mücke zuletzt zu gestochen



In diesen Ländern wurden in den vergangenen neun Monaten Zika-Virus-Infektionen gemeldet.


Daten: European Centre for Disease Prevention and Control // Stand: 19.01.2016




Andere reden vom Einknicken nach dem Ebola-Desaster. Und außerdem: Es sei gar nicht klar, ob ein Zusammenhang zwischen Zika-Virus und Missbildungen bestehe. Auch für die Beantwortung solcher Fragen ist der Alarmknopf jedoch da. Anders als es das Wort suggeriert, geht es beim Gesundheitsnotstand eher selten um den Weltuntergang. Die WHO löst den Alarm aus, sobald eine Seuche irgendwo auf der Welt die öffentliche Gesundheit in anderen Staaten bedroht - und wenn eine internationale Reaktion notwendig ist, um dagegen vorzugehen. Um so einen Fall geht es jetzt. Weil das Zika-Virus über einen Kontinent rast und immer mehr Neugeborene mit Missbildungen auf die Welt kommen, sehen Chan und ihre Experten Handlungsbedarf.

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Sie fordern keine Grenzkontrollen oder Handelsverbote – sondern internationale Zusammenarbeit: Um die Verbindung zwischen Zika-Virus und den Missbildungen zu erforschen. Um die Mückenbestände zu dezimieren. Um Schnelltests und Impfungen zu entwickeln. Um viele Fälle überhaupt erst aufzuspüren. Die WHO kann helfen, diese Aufgaben zu erfüllen. Aber sie benötigt den Notstand dafür. Erst er hebt ihre Rolle als internationaler Koordinator hervor. Erst er gibt ihren Empfehlungen und Entscheidungen die Kraft internationalen Rechts. Mindestens genauso wichtig ist der Weckruf-Effekt. Erst wenn die WHO über explosionsartige Fallzahlen berichtet und den Notstand ausruft, schaltet die Welt in den Alarmmodus. Regierungen und NGOs raufen sich dann zusammen.

Spenden steigen nach einem ausgerufenen Notstand oft rapide an. Bei der Ebola-Epidemie kam dieser Weckruf zu spät. Das Virus infizierte über 28.000 Menschen, 11.316 starben daran. Auf bis zu 6,2 Milliarden Dollar schätzte die Weltbank den wirtschaftlichen Schaden. Zika könnte in diesem Jahr bis zu vier Millionen Menschen infizieren, schätzt die WHO. Über 4000 Verdachtsfälle auf Missbildungen werden schon jetzt mit dem Erreger in Verbindung gebracht. In Brasilien kämpfen gerade 220.000 Soldaten gegen das Virus an. Nachdem die WHO am Montag den Notstand ausgerufen hatte, haben sich die Staaten Mittelamerikas auf einen Aktionsplan geeinigt. Der Pharmakonzern Sanofi kündigte die Entwicklung eines Impfstoffes an.

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