Fortschritt: Plädoyer für ein neues Innovationsverständnis

Fortschritt: Plädoyer für ein neues Innovationsverständnis

von Sebastian Matthes

Fortschritt besteht nicht nur aus Technik. Der Fokus auf Mikrochips und Motoren greift viel zu kurz. Deutschland braucht ein neues Verständnis von Innovationen. Ein Plädoyer.

Elegant schwingt sich die neue Brücke über die Bundesstraße 463 in Lautlingen auf der Schwäbischen Alb. Bemerkenswert grazil verbindet sie eine Schule mit einem Wohngebiet und dem Stammschloss der von Stauffenbergs. Das Geheimnis ihrer Leichtigkeit verbirgt sich in den schmalen Betonstegen – statt Stahl gibt ein Textilgewebe dem Bau Spannkraft und Elastizität. Das spart von sonst 250 Tonnen Beton 100 Tonnen ein.

Die leichte Brücke von Lautlingen, das Car-Sharing-Angebot eines der größten Automobilkonzerne, die erfolgreichste Shampoo-Kreation seit Jahren oder eine Internet-Plattform, auf der Menschen aus aller Welt Kleinunternehmern in Entwicklungsländern Geld leihen – das alles sind Neuerungen, die Branchen verändern oder das Leben von Menschen verbessern. Und in jeder steckt nicht bloß eine Idee oder Erfindung, sondern ein ganzes Bündel von Neuerungen. Sie alle sind, was wir im besten Sinne Innovation nennen.

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Wenn aber in Talkshows wieder die Innovationskraft der deutschen Wirtschaft seziert wird, sind solche Beispiele rar. Dann sitzen dort Geschäftsführer von Maschinenherstellern, Chemiekonzernen und Forschungsinstituten und diskutieren über Turbinen, Computerchips und hocheffiziente Motoren. Alles technische Durchbrüche und wichtige Säulen der Innovationslandschaft, keine Frage. Doch sie sind nur ein Teil davon.

Denn wann geht es in solchen Runden um neue Marketingideen? Um neue Geschäftsmodelle und Dienstleistungen? Wann um nachhaltige Designkonzepte und eine neue Architektursprache? Soziale Unternehmungen? Oder gar gesellschaftliche Innovationen? Wir gewöhnen uns daran, dass auch sie Alltag und Märkte verändern können. Aber letztlich wird in Deutschland nur als Innovation ernst genommen, was mindestens eine Schweißnaht, besser noch einen Motor hat.

Das muss sich ändern.

„Wer nur auf klassische Forschung und Entwicklung setzt, schneidet sich von vier Fünfteln seines Innovationspotenzials ab“, warnt Stephan Scholtissek, Global Managing Director beim Beratungsunternehmen Accenture. Auch Hans-Peter Villis, Vorstandschef des Energieversorgers EnBW, mahnt: „Wir dürfen bei der Frage, was Innovation ist, die Potenziale neu konzipierter Prozesse, Dienstleistungen, Marketing oder Geschäftsmodelle nicht außer Acht lassen.“ Gerade die nicht technischen Innovationen gelte es zu fördern.

Cleverer Mix neuer Ideen

„In Zukunft wird es weniger reine Produktinnovationen geben. Viel stärker kommt es darauf an, attraktive Kombinationen zu schaffen aus verschiedenen Innovationsformen – wie technischen Neuerungen, neuen Dienstleistungen und innovativem Marketing“, folgert auch Klaus Engel, Vorstandschef des Industriekonzerns Evonik.

Das beste Beispiel für einen derart übergreifenden Innovationsansatz ist Apple: Denn iPod, iPhone und iPad verbinden höchst erfolgreich neue Technik, Distributionswege und – vor allem – eine geniale Marketinginnovation.

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