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Fotovoltaik : Innovative Solarkraft für den Alltag

von Andreas Menn

Sonnenbetriebene Radios, Handys und sogar stromerzeugende Fenster: Eine neue Generation von Solarzellen macht Alltagsgegenstände zu Mini-Kraftwerken.

Leuchtende Parkbank
  Die Schweizer Forscher der Polytechnischen Hochschule in Lausanne haben zwar auf dem Prüfstand eine Lebensdauer der Farbstoffzellen von 25 Jahren erfolgreich simuliert. Doch verlieren zum Beispiel Module des walisischen Unternehmens G24i schon nach wenigen Jahren merklich an Wirkung.

Für eine Fotovoltaik-Anlage, spötteln Kritiker, brauche man ein kleines Vermögen, ein Dach nach Süden, einen blinden Fleck in Sachen Ästhetik und vor allem viel Geduld für jene Novembertage, an denen die Sonne keinen Strom erzeugt. Der Spott könnte bald Vergangenheit sein. Eine neue Generation von Solarzellen sprengt das steife Korsett der Dachaufbauten: Sie sind so dünn, biegsam und bunt wie Geldscheine – und dennoch billig in der Herstellung. Sie produzieren auch dann noch Strom, wenn sie im Schatten liegen. Und sie lassen sich nahezu durchsichtig auf Glas lackieren.

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Diese sogenannten Farbstoff-Solarzellen sollen einen alten Traum wahr machen: den Traum von preiswerter, allgegenwärtiger Solarenergie. Denn die Technik ermöglicht Strom erzeugende Radios, Handys, Laptops, ja sogar Fenster, die Sonnenlicht in Energie umwandeln.

Gerade kommen die ersten Farbstoff-Solarzellen in den Handel: Das chinesische Unternehmen Mascotte etwa verkauft Rucksäcke und Umhängetaschen, in denen die neuen Solarmodule Handys und MP3-Spieler mit Strom versorgen. Nach vier Stunden in der Sonne, verspricht der Hersteller, sei das Telefon komplett aufgeladen. Für ein E-Book--Lesegerät von Sony wiederum gibt es eine solare Schutzhülle mit gleicher Funktion. Farbstoff-Solarzellen eignen sich bestens „als Batterieladegerät für unterwegs“, sagt Philip Drachman vom US-Marktforschungsunternehmen Greentech Media.

Produktion in Druckmaschinen

Schon in den nächsten zwei Jahren wollen weitere Unternehmen die neuen Zellen in Großserie herstellen, darunter Dyesol aus Australien und SolarPrint aus Irland. Anders als klassische Solarzellen, die Strom mithilfe von teurem, hochreinen Silizium erzeugen, imitieren die neuen Zellen die Fotosynthese der Pflanzen: Farbstoffe, die dem pflanzlichen Chlorophyll ähneln, geben beim Auftreffen von Lichtteilchen Elektronen ab, die gesammelt und eingefangen werden.

Die Vorteile der neuen Zellen zeigen sich schon in der Fabrik. Siliziumzellen, aus denen heute die meisten Dach-Anlagen bestehen, müssen einen aufwendigen, mehrstufigen Veredelungsprozess durchlaufen. Farbstoff-Solarzellen dagegen können auf Hunderte Meter langen Rollen in Druckmaschinen produziert werden, zu Kosten, die laut dem US-Energieforschungsinstitut NREL spätestens in zehn Jahren bei rund 40 Cent je Watt Leistung liegen werden. Heutige Silizium-Zellen kosten mindestens das Dreifache.

Falten, biegen, rollen

Das Problem: Leistungsfähige Siliziumzellen wandeln etwa 18 Prozent des einfallenden Sonnenlichts in Strom um. Ihre Farbstoff-Pendants erreichen außerhalb des Labors bislang maximal acht Prozent Wirkungsgrad. Forscher und Entwickler arbeiten unter Hochdruck daran, die Zellen ähnlich leistungsfähig zu machen wie Siliziummodule. Und viele sind optimistisch, dass ihnen das in den nächsten Jahren gelingen wird.

Denn erst dann können die Farbstoff-Solarzellen ihre Vorteile voll ausspielen. Sie sind millimeterdünn, federleicht, vielseitig und billig. Weil sie in einer hauchdünnen Kunststoffhülle stecken statt in einer Glasrüstung, lassen sie sich falten, biegen und rollen, ohne Schaden zu nehmen.

„Mehr als 100 Forschungslabore weltweit arbeiten daran, die Farbstoff-Solarzelle marktreif zu machen“, sagt Kalyan Kalyanasundaram, Wissenschaftler an der Schweizer Eidgenössischen Polytechnischen Hochschule in Lausanne (EPFL), „darunter große Konzerne wie Sony, Samsung oder Sharp.“ Der Solarforscher ist ein Schüler von EPFL-Wissenschaftler Michael Grätzel, dem Erfinder der Farbstoff-Solarzelle.

Der hat für seine „Grätzel-Zelle“ erst im Juni den mit einer Million Euro dotierten Millennium-Technologie-Preis gewonnen – eine Ehrung, die zuvor Legenden wie Tim Berners-Lee, dem Erfinder des World Wide Web (WWW), zuteil wurde. Zu den Farbstoff-Solarzellen-Pionieren gehört Timo Technologies. Das südkoreanische Unternehmen will ab 2012 Solarmodule für Straßenlaternen liefern. Die irische Gründung SolarPrint wiederum will 2011 glasversiegelte Module für tragbare Unterhaltungselektronikgeräte produzieren. Genaueres verraten die Gründer noch nicht. Nur so viel: „Wir sind im Gespräch mit großen Elektronikkonzernen“, sagt SolarPrint-Chef Mazhar Bari.

12 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 24.11.2010, 18:02 UhrB_erg

    @skipper

    Die Sonne ist ein Atomreaktor - eine Fusionsreaktor! Das ist heutzutage jeden Kind klar. Es spielt für die Energiediskussion keine Rolle welcher Art Reaktor die Sonne ist.

    Kernfusionen ist aber in irdischen Reaktoren auf absehbare Zeit nicht nutzbar und die Frage ob das überhaupt je funktioniert ist technisch völlig offen. Das ist leider die technische Wahrheit heute.

    Gegen beherrschbare (Entsorgeung oder Wiederverwendung einbezogen) Kernenergie gäbe es von mir keine Einwände. Auch sollte Kernenergie natürlich weiter erforscht werden - keine Frage.

    Aber auch die Wiederaufbereitung von Kernmaterial oder die Reduktion der Halbwertzeiten stecken in den Kinderschuhen, scheint aber nicht unmöglich. Leider sind Technik und Logistik dazu bisher völlig unzureichend erforscht und manches klingt wie eine Ausrede der Atomindustrie.

    Naiv ist es, der Atomindustrie, die die Versorgungsnetze teils verkommen läßt und Preisnachlässe nie an Kunden weiter gibt, zu glauben. Es gibt kein technisch bekanntes Konzept für einen Verwendungskreislauf von Spaltmatrial mit geringem Rest-Entsorgungsriesiken. Leider.

  • 24.11.2010, 13:30 UhrSkipper

    @b_erg:
    Niedlich aber sehr naiv, ihr "Klartext". Von Kernkraft (Kernspaltung, Fusion) scheinen Sie ja so gut wie nichts zu wissen. Auch ihre Einschätzung der Zukunft ist leider nur rückwärtsgerichtet. Ausser der Technik von gestern kennen Sie scheinbar nichts. Von Kernfusion haben Sie noch nichts gehört? Ach ja, Sie glauben ja auch, die Sonne sei ein "Atomreaktor". Und glauben Sie denn im Ernst, dass sogenannter "Atommüll" 500.000 Jahre gelagert wird? bereits heute werden Technologien entwickelt (Transmutation), mit denen langstrahlendes Material fast vollständig in kurzstrahlende bestandteile transformiert werden kann. in Medizin und Technik werden diese Endprodukte zum Teil bereits heute dringend benötigt. Dass sich die Technik weiterentwickeln wird, das passt wohl nicht in ihr enges mittelalterliches Weltbild. Da Sie aber alles zu wissen glauben, ohne viel zu wissen, empfehle ich ihnen weiter die Grünen zu wählen. Da sind Sie gut aufgehoben.

  • 23.11.2010, 16:19 UhrB_erg

    @Unsinn

    Klartext. Den Zusammenhang Klimaanlage im Auto und Solarzellen haben Sie sehr richtig eingeschätzt - unwichtiges Detail.

    Wir habe nur drei wesentliche Energieformen. Kernkraft, fossile brennstoffe und sogenannte Alternative Energien inklusive Wasserkraft.

    1. Fossilen Energien müssen erstetzt werden und biosprit ist nicht wirklich eine Alternative, wegen der Konkurrenz der Ackerflähen mit den Nahrungsmitteln.

    2. Kernenegie hat ein ungelöstes Entsorgungsproblem, seit sie existiert. Verbuddeln ist keine Lösung; schon garnicht für hunderttausende von Jahren. Außerdem tragen wir dafür die Kosten. Sie werden versteckt über unsere Steuern. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Konzerne machen sich auf Kosten der Allgemeinheit die Taschen voll und lassen uns auf den Problemen sitzen.

    3. Alternativen Energien (Wind, Wasser, Solar) gehöhrt die Zukunft. Sie nutzen (alle) als Primärenergie ein Atomkraftwerk, das wir Sonne nennen. Sie schaffen Arbeitsplätze durch innovationen auch bei uns. Subventionen in Solarzellen (Strom) und Kollektoren (Heißwasser/öl) sind richtig. Falsch oder inkonsequent ist dagegen die Politik, dass die Forschung an Solarenergie subventioniert wird aber die Markteinführung von Produkten behindert wird.

    Steuergeschenke an Kernkraftbetreiber sind auch Subventionen. Kernkraft rechnet sich nur, weil wir die Probleme in die Zukunft verlagern. Das ist bei dem heutigen Wissenstand naiv.

    Es ist schlicht unverantwortlich Gift zu vergraben, das in 500 tausend Jahren noch gefährlich ist. Wie oder wo fließt in 500 tausend Jahern das Grundwasser? Unsere Geschichtsbücher sind in einer Zeit vor nicht einmal 3000 Jahren verdammt dünn. Verantwortung können wir nur heute übernehmen. Das ist Klartext. Die Atomlobby dagegen lullt unsere Politiker und leider viele Wähler immer noch ein.

    Das ist Klartext.

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