Frank Asbeck: Zwei bis drei Solarunternehmen bleiben übrig

Frank Asbeck: Zwei bis drei Solarunternehmen bleiben übrig

von Dieter Dürand

Der Chef der Bonner Solarworld über weitere Kürzungen der Subventionen für Sonnenstrom, den Siegeszug der Chinesen und die Zukunft der deutschen Solarindustrie.

Herr Asbeck, ist die Solarindustrie vom Stolz deutscher Politik zum Sündenbock geworden? Noch ist die 13-prozentige Kürzung der Einspeisevergütung zum 1. Januar 2011 für Solarstrom vom Dach nicht in Kraft getreten, da fordert die CDU schon eine zusätzliche Streichrunde.

Asbeck: Es wäre dumm und destruktiv, den Erfolg der Fotovoltaik-Förderung so kurz vorm Ziel durch übertriebene Kürzungen zunichte zu machen. Wir stehen mit dem Solarstrom kurz vor der Wirtschaftlichkeit. Diesen Durchbruch sollten wir nicht dem Zeitgeist opfern, nur weil einige Politiker der Öffentlichkeit einen Schuldigen für die Strompreiserhöhungen präsentieren möchten.

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Fakt ist, dass der Aufschlag auf den Strompreis durch die Förderung erneuerbarer Energien um 1,5 Cent auf 3,53 Cent je Kilowattstunde steigt.

Der Chef der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, hat klargestellt, dass die Strompreise dennoch sinken könnten, weil der Stromeinkauf billiger geworden ist. Dazu hat auch das wachsende Solarstromangebot beigetragen.

Aber gerade wegen des enormen Zubaus von Solaranlagen wächst die Summe der Subventionen. Ist der Ruf nach zusätzlichen Kürzungen daher nicht berechtigt?

Man muss realistisch bleiben. Die 13-prozentige Senkung der Einspeisevergütung wird nach meiner Einschätzung einen gleich hohen Preisrückgang bei den Solaranlagen erzwingen. Zudem wird die niedrigere Vergütung die Nachfrage in Deutschland 2011 von sieben auf fünf Gigawatt dämpfen. Das bedeutet Umsatzeinbußen von rund 40 Prozent im größten Markt der Welt. Das muss die Branche erst einmal verkraften. Weitere Kürzungen könnten den Markt ersticken.

Sie übertreiben. Dieses Jahr hat die -Branche sogar eine Einspeisereduktion von 26 Prozent verkraftet, und der Markt boomte wie nie zuvor.

Das lässt sich nicht endlos so weiterführen. Ein Hauptgrund für die starke Nachfrage waren Vorzieheffekte anlässlich der zusätzlichen Vergütungsabsenkungen in diesem Jahr. Die Sondereffekte wie der Absturz der Preise für Silizium, des Rohstoffs für die Solarzellen, und die Ersparnis aus wachsenden Stückzahlen sind aufgebraucht. Künftig schaffen wir die jährlich angestrebte Kostendegression von acht bis zehn Prozent nur durch die Summe vieler kleiner Verbesserungen, Einsparungen und Effizienzsteigerungen.

Und wenn der Markt weiterboomt?

Dann sind wir gerne bereit, mit der Regierung Mitte nächsten Jahres über eine zusätzliche Kürzung der Einspeisevergütung zu reden.

Sie sagten, der Solarstrom stünde vor der Wirtschaftlichkeit. Wann ist es so weit?

Asbeck: Wenn die Einspeisevergütung Anfang 2012 wie geplant um weitere 15 Prozent sinkt, erhalten Besitzer von Solaranlagen nur noch 24,5 Cent pro Kilowattstunde für selbst erzeugten Fotovoltaik-Strom. Sonnenstrom kostet dann in etwa gleich viel wie Strom aus der Steckdose.

Und der Verkauf der Anlagen wird zum Selbstläufer?

Asbeck: Wir sollten es dann mit einer intelligenten Haussteuerung schaffen, Elektrogeräte vor allem einzuschalten, wenn der Dachstrom zur Verfügung steht. Der nächste technische Schritt ist die Speicherung, um 20 bis 40 Prozent des tagsüber erzeugten Stroms in die Nacht zu holen. Die Entwicklung von Lithium-Ionen-Batterien ist ein vielversprechender Weg.

Und dann verzichtet die Solarindustrie auf Subventionen?

Asbeck: Wir arbeiten daran. Ziel ist es, spätestens 2016 den gesamten Strombedarf eines Hauses auf dem Dach zu produzieren. Zu Kosten von rund 17 Cent plus 8 Cent für die Speicherung. Mit 25 Cent je Kilowattstunde wird der Solarstrom dann unter den Tarifen für Haushaltsstrom liegen. Schon 2015 kommen wir mit den ersten Anlagen in den Bereich der nicht über die Einspeisevergütung abgesicherten Wirtschaftlichkeit, weil sich die Anlagen allein über den selbst produzierten Strom finanzieren. Und spätestens 2020 braucht auch die Batterie keine Förderung mehr.

Noch zehn Jahre Solarstrom-Förderung? Da wird die Politik kaum mitspielen.

Ich sprach von Batteriespeichern. Der Einsatz dafür lohnt sich. Zumal die Fördersummen immer geringer werden. Die Alternative wäre, dass Deutschland wieder einmal eine Schlüsseltechnologie aus der Hand gibt. Das wäre töricht.

Das passiert doch schon. Aber nicht -wegen der Solarkürzungen, sondern -wegen der andauernden Überförderung.

Jetzt bin ich gespannt.

Wie sich zeigt, waren die Milliardenzahlungen der deutschen Stromkunden vor allem ein erfolgreiches Entwicklungsprogramm für chinesische Solarfirmen. Sie geben auf den Märkten den Ton an.

Das ist eine sehr verengte Sicht. Der solare Maschinenbau ist zu 70 Prozent deutsch geprägt. Bei der Siliziumherstellung ist die Wacker Chemie aus Burghausen Weltmarktführer, bei den Wechselrichtern die hessische SMA Solar. Solarworld hat den weltweit günstigsten Zellprozess, und technologisch sind die deutschen Unternehmen den Chinesen im Verbund mit den Hochschulen noch immer eineinhalb Jahre voraus.

Ziel der Solarförderung aber war, global operierende deutsche Zell- und Modulhersteller aufzubauen. Sie verkauften zuletzt aber selbst in Deutschland nur noch zwölf Prozent aller neu installierten Paneele – die Chinesen mehr als die Hälfte.

Zwölf Prozent erscheinen mir sehr niedrig geschätzt. Chinesische Anbieter kamen auch deshalb verstärkt zum Zuge, weil die deutsche Produktion komplett ausverkauft war. Das hat Platz für chinesische Module geschaffen.

Der Trend ist eindeutig. Neue Solarfabriken entstehen überwiegend in Asien. Werden wir am Ende des Prozesses Solarmodule wie heute schon Fernseher und Computer komplett aus Asien beziehen?

Es besteht keine Notwendigkeit, ein High-Tech-Produkt, bei dem der Lohnanteil weniger als zehn Prozent beträgt, in Fernost zu fertigen. Solarworld beweist das jeden Tag.

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