Frauen und Karriere: Forscherinnen in Top-Positionen

Frauen und Karriere: Forscherinnen in Top-Positionen

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Detektor für Teilchenspuren: Frauen erobern männerdominierte Forschungsgebiete

Gegen viele Widerstände besetzen Forscherinnen immer öfter Top-Positionen. Im europäischen Vergleich stellt Deutschland trotzdem das Schlusslicht dar.

Als die Entwicklungsbiologin Christiane Nüsslein-Volhard 1985 als Direktorin ans Tübinger Max-Planck-Institut berufen wurde, war Frauenförderung in der Forschung noch ein Fremdwort: „Damals gab es innerhalb der Max-Planck-Gesellschaft überhaupt keine Sensibilität für Gleichberechtigung“, erinnert sich die Medizin-Nobelpreisträgerin von 1995. Dafür wurde sie mit wenig Geld abgespeist. „Kein Direktor vor mir und keiner nach mir hat je eine so magere Ausstattung bekommen.“ Aus dieser frauenfeindlichen Zeit stammt Nüsslein-Volhards Spruch, der unter Tübingens Biologie-Studentinnen kursierte: „Wer als Frau in den Naturwissenschaften etwas werden will, der lässt sich am besten sterilisieren.“

Gut 20 Jahre später hat sich zur Genugtuung der bislang einzigen deutschen Medizin-Nobelpreisträgerin einiges verbessert. „Heute würde sich niemand mehr im Entferntesten trauen, Frauen so zu behandeln, wie man mich behandelt hat.“ Und statt wie früher den wissenschaftlichen Nachwuchs auf ein Leben ohne Kinder einzuschwören, hat Nüsslein-Volhard eine Stiftung ins Leben gerufen, die jungen Frauen hilft, sich eine Tagesmutter oder Putzhilfe zu leisten und dadurch mehr Zeit für Forschung und die eigene Karriere zu gewinnen.

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Gezielte Förderung ist weiterhin notwendig

Die gezielte Förderung ist weiterhin dringend notwendig, wie der Blick auf die Zahlen beweist. Nach den Erhebungen des Statistischen Bundesamts stellen Frauen fast 52 Prozent der Hochschulabsolventen, doch bei Doktoranden und Habilitierten sind sie nach wie vor in der Minderheit. Dort sinkt der Frauenanteil auf 41 beziehungsweise 22 Prozent. Noch schlechter ist die Quote bei Lehrkräften an den Universitäten. Nur 15 Prozent der Professoren sind weiblichen Geschlechts, einen eigenen Lehrstuhl haben sogar nur 11 Prozent.

Vor allem in den Naturwissenschaften und der Mathematik haben Professorinnen mit einem Anteil von nur zehn Prozent Seltenheitswert. Und das, obwohl der Frauenanteil bei den Absolventinnen dieser Fächer mittlerweile 39 Prozent beträgt.

Frauen, die forschen

Frauen, die forschen

Noch düsterer fällt die Bilanz der Max-Planck-Gesellschaft aus: Nur sieben Prozent der Direktoren-Stellen sind hier mit Frauen besetzt: 19 von 266. Als Nüsslein-Volhard berufen wurde, waren sogar nur zwei von fast 200 Direktoren Frauen.

Im europäischen Vergleich steht Deutschland damit an letzter Stelle. In Rumänien sind Frauen an den Unis zu 29 Prozent in der höchsten Besoldungsstufe vertreten, in Finnland zu 21 Prozent.

Der langjährige Chef der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Biochemiker Ernst-Ludwig Winnacker, findet diesen Zustand schlicht beschämend. Er plädiert deshalb bei der Besetzung von Spitzenpositionen in Lehre und Forschung für eine Frauenquote. Auch CDU-Bundesbildungsministerin Annette Schavan schlägt den Institutionen, die Top-Jobs zu vergeben haben, immer wieder vor, es doch wenigstens mal mit einer Quote zu versuchen.

Wie Frauen sich auch ohne Quote durchsetzen, zeigt eine Ausstellung über „Frauen, die forschen“ im Kölner Frauen-Media-Turm, die am Freitag, 5. September, eröffnet wird. Zeitgleich erscheint ein Buch über die Karrieren dieser 25 Spitzenforscherinnen. Zwei besonders beeindruckende Beispiele stellen wir vor: Das Porträt der alleinerziehenden Physikerin Gisela Schütz und das Interview mit Nobelpreisträgerin Nüsslein-Volhard. Schirmherrin Schavan ruft den weiblichen Wissenschaftsnachwuchs auf, sich an diesen Lebenswegen ein Vorbild zu nehmen. Ihr Appell: „Wir können es uns im globalen Wettbewerb gar nicht leisten, auf das kreative Potenzial von Frauen in den Naturwissenschaften zu verzichten.“

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