Fußball-WM: Streit um WM-Ball spitzt sich zu

Fußball-WM: Streit um WM-Ball spitzt sich zu

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Er soll der rundeste Fußball sein, den es je gegeben hat. der Adidas WM-Ball bei einer Vermessung.

Nach der Vuvuzela-Diskussion hat die Fußball-WM ihren zweiten Aufreger: Den WM-Ball. Die Torhüter kritisieren die Flugeigenschaften, die Stürmer halten das Spielgerät für schwer kontrollierbar und die Engländer vermuten sogar Wettbewerbsverzerrung zugunsten Deutschlands. Wiwo.de stellt das Hightech-Spielgerät vor.

Die hitzige Diskussion über die Dauerbeschallung durch die Vuvuzelas ist noch nicht richtig verklungen, da gibt es bei der Fußball-WM in Südafrika schon wieder einen neuen Grund für Streit: den WM-Ball „Jabulani“. Zwar bedeutet dessen aus der Bantusprache Zulu entlehnter Name in etwa so viel wie feiern oder zelebrieren. Doch genau danach ist den WM-Torhütern nicht zumute, wenn sie an die Flugeigenschaften und die plötzlichen Richtungswechsel des „Flatter-Balls“ denken. Der Engländer Davis James beurteilt die Kugel als „schrecklich“, Italiens Weltmeister Gianluigi Buffon spricht von „einer Schande“, der spanische Europameister Iker Casillas unterstellt dem WM-Ball gar einen „abgründigen Charakter“.

Nun hat das Maulen der Torhüter über das jeweils neueste Spielgerät bei internationalen Turnieren fast schon Tradition. Neu ist in diesem Jahr aber, dass auch die Offensivkräfte Kritik am Ball üben. „Der Ball ist sehr kompliziert“, sagte Argentiniens Weltfußballer Lionel Messi nach dem Auftakterfolg gegen Nigeria. „Wir können uns nicht daran gewöhnen.“ Bei langen Pässen sei der Ball schwer zu kontrollieren, sagt auch Robert Koren, Sloweniens Sieg-Torschütze im Spiel gegen Algerien.

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Neue Brisanz erhält der Streit dadurch, dass Deutschlands möglicher Achtelfinalgegner England der DFB-Elf Wettbewerbsverzerrung vorwirft. Deutschland habe einen „unfairen Vorteil“ gegenüber der Konkurrenz beschwerte sich der englische Innenverteidiger Jamie Carragher. Grund: In der Bundesliga kommt der Ball bereits seit Monaten in einigen Stadien zum Einsatz. „Der Ball ist vollkommen anders als andere. Das ist für alle Mannschaften dasselbe – außer vielleicht für Deutschland“, sagt Carragher.

Kein Marsstaub

Der Stein – oder besser – die Kunststoffkugel des Anstoßes, wiegt 440 Gramm, hat einen Umfang von exakt 69 Zentimetern und ist ein echtes Hightech-Produkt. Der WM-Ball sei kein Lederball mehr, sondern eine Mischung aus Marsstaub, Mondstaub, Gold und Platin, hatte Franz Beckenbauer gespottet.

Inhaltsstoffe wie Gold oder Platin wird man im Jabulani zwar vergeblich suchen, zumindest aber mit dem ersten Teil seiner Aussage hat Beckenbauer Recht: Aus Leder besteht der WM-Ball schon lange nicht mehr. Die eigens für die Weltmeisterschaft entwickelte Außenhaut ist vollsynthetisch und kommt komplett ohne Nähte aus. Acht sphärisch geformte und thermisch zusammengeschweißte Platten, sogenannte 3-D-Panels, sollen eine extreme Formstabilität und eine perfekte Griffigkeit bei allen Bedingungen gewährleisten. Die Oberfläche des Balls ist durchzogen von speziellen Rillen (aero grooves), um ein besonders stabiles Flugverhalten zu garantieren.

Doch genau diese Eigenschaft sprechen die Spieler dem WM-Ball ab. Unterstützung bekommen sie von Forschern der australischen Adelaide University, die den offiziellen Spielball der Weltmeisterschaft in einer Studie untersucht haben, und ebenfalls zu dem Ergebnis kommen, dass der Ball unberechenbar sei. „Die Torhüter dürfen sich bei diesem WM-Ball nicht mehr alleine auf ihre Intuition verlassen. Sie sehen den Ball auf sich zukommen, wissen, wo er hinkommen müsste – doch dann passiert auf einmal was ganz anderes“, sagt Professor Derek Leinweber, der die Studie verfasst hat.

Dass der neue Ball aber auch wunderbar leicht als Ausrede bemüht werden kann, ist den australischen Wissenschaftler um Derek Leinweber durchaus bewusst: „Wenn die Torhüter einen neuen Ball entwickeln würden, dann wäre er aus Eisen und würde das ganze Spiel über im Mittelkreis liegen“, sagt Leinweber.

Der rundeste Ball, den es je gegeben hat

Hersteller Adidas mag die Kritik an dem 120 Euro teuren Spielgerät nicht akzeptieren. Der Jabulani sei der rundeste WM-Ball, den es je gegeben hat, heißt es bei dem Sportartikelhersteller in Herzogenaurach. Man sei mit dem Produkt zufrieden. Adidas verweist auf intensive Tests, die der Ball erfolgreich überstanden habe. Um zum Beispiel sicherzustellen, dass die vollendete Kugelform auch die etwa 2000 Tritte übersteht, die sie in einem durchschnittlichen Fußballspiel verkraften muss, feuerten die Entwickler den Jabulani 3500 Mal mit 50 Stundenkilometern gegen eine Stahlplatte, wonach das Spielgerät nur minimale Veränderungen des Luftdrucks und der Rundheit aufwies.

Außerdem werde der Ball bereits seit einem halben Jahr in mehreren europäischen Ligen eingesetzt, ohne dass es Beschwerden gegeben habe. Und den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung kontert der fränkische Sportartikelkonzern damit, dass alle WM-Teams sofort nach der Gruppen-Auslosung im Dezember einen kompletten Mannschaftssatz des Jabulani zum Trainieren und Eingewöhnen bekommen hätten.

Trotz der Diskussion ist der WM-Ball für den Hersteller aus geschäftlicher Sicht schon jetzt eine Erfolgsgeschichte. Denn unter neuem Namen und mit neuem Design kommt das Spielgerät ab der kommenden Saison bei allen Spielen der Fußball-Bundesliga und der 2. Liga zum Einsatz.

„Torfabrik“ soll der weiß-rote Ball heißen, den die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Dienstag gemeinsam mit Adidas präsentierte. Es ist das erste Mal in der fast 50-jährigen Geschichte der höchsten deutschen Spielklasse, dass ein offizieller und einheitlicher Spielball bestimmt wird. Bislang spielten die Mannschaften mit unterschiedlichen Bällen der jeweiligen Club-Ausrüster. Den Vierjahresvertrag lässt sich Adidas dem Vernehmen nach 20 Millionen Euro kosten. Und von Wettbewerbsverzerrung dürfte dann zumindest hierzulande keiner mehr sprechen.

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