20 Jahre Mobilfunk: Als die Handys nerven lernten

20 Jahre Mobilfunk: Als die Handys nerven lernten

von Thomas Kuhn

Genau zwanzig Jahre ist es her, dass die digitalen Mobilfunknetze D1 und D2 an den Start gegangen sind. WirtschaftsWoche-Technik-Experte Thomas Kuhn erinnert sich an peinliche Überraschungen, ungewohnten Komfort und die ersten Vorboten einer kommunikativen Pest.

Die Blamage beginnt mitten im Vortrag von Professor Mackscheidt. Plötzlich unterbricht etwas bis dato Unerhörtes die finanzwissenschaftliche Vorlesung des Kölner Universitätsprofessors. Es ist spät im Sommersemester 1992 und zum ersten Mal überhaupt erfüllt penetrantes Gedudel den Saal: Das Läuten eines Mobiltelefons. Meines Mobiltelefons. Mit ziemlicher Sicherheit bin ich der erste Handy-Störer, der je eine Vorlesung der altehrwürdigen Universität zu Köln entweiht hat. Vielleicht bin ich sogar der erste Handy-Störer in Köln überhaupt.

Blog Kroker'sLook@IT 20 Jahre Handy

Der digitale Mobilfunk in Deutschland wird 20 Jahre alt: Ende Juni 1992 ist das erste GSM-Netz gestartet – der Startschuss für die rasante Entwicklung einer neuen Technologie.

huGO-BildID: 2353494 A hostess shows a mobile phone, Dual mode Satellite from Globalstar generation SAT 550, at the world's biggest telecommunications fair ''Telecom 99 and Interactive 99'' in Geneva, Switzerland, on Thursday, October 14, 1999. The exhibition lasts until October 17. (AP Photo/Martial Trezzini) ## A hostess shows a mobile phone, Dual mode Satellite from Globalstar generation SAT 550, at the world's biggest telecommunications fair ''Telecom 99 and Interactive 99'' in Geneva, Switzerland, on Thursday, October 14, 1999. The exhibition lasts until October 17. (AP Photo/Martial Trezzini) Quelle: AP

Es ist gerade mal ein paar Tage her, seit D1 und D2, die neuen Digitalfunknetze von Telekom und Mannesmann Mobilfunk, in Betrieb gegangen sind. Und ich – damals noch VWL-Student in Köln und angehender Journalist – teste die neue Technik für ein Kölner Wirtschaftsmagazin. Im Vertrauen darauf, dass einerseits zu diesem frühen Zeitpunkt bestenfalls ein paar Hundert D-Netz-Telefone in Betrieb sind und andererseits ohnehin niemand meine Rufnummer kennt, habe ich mein Testgerät in die morgendliche Vorlesung mitgenommen.

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Tragbare Telefonzellen

An Handys oder gar Smartphones wagt damals noch niemand zu denken. Mein tragbares Telefon, ein Panasonic EB 2803, hat noch das Format einer veritablen Damenhandtasche und mit knapp zwei Kilogramm auch ein vergleichbares Gewicht. Tatsächlich füllt es meine lederne Überwurftasche, mit der ich an der Uni unterwegs bin, nahezu komplett aus. Nur ein Notizblock und eine alte Mitschrift passen noch daneben. Beides dämmt das Plärren aus dem Telefon-Lautsprecher kaum.

Aussitzen, denke ich mir. Einfach ignorieren. Schließlich kennt ja – außer mir – noch kaum niemand das Geräusch. Das inzwischen fast omnipräsente Telefon-Getöse von Hardrock bis Hundegebell kann sich Anfang der Neunzigerjahre niemand vorstellen. Und auch der Siegeszug von Nokias Standard-Klingelton, dem „Gran Vals“ des spanischen Musikers Francisco Tarrega aus dem 19. Jahrhundert, beginnt erst Jahre später. Und tatsächlich, in der Weite des Hörsaals ist die genaue Lage der Schallquelle nicht recht zu identifizieren. Alle, ich eingeschlossen, blicken (tatsächlich oder vorgeblich) suchend im Raum herum, bis – endlich – das Klingeln erstirbt. Der Anrufer hat aufgelegt.

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