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Interview3D-Drucker: "Jeder kann Waffen produzieren"

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3D-Drucker können Waffen aus Kunststoff drucken - nicht nur Pistolen.

von Niklas Dummer

Von der Pistole zur Turbinendüse - immer mehr Rüstungsgüter kommen aus dem 3D-Drucker. Die Technik revolutioniert nicht nur die Rüstungsindustrie, sie birgt Risiken für die innere Sicherheit, wie ein Forscher erklärt.

Herr Fey, welche Möglichkeiten bietet der 3D-Drucker für das Militär?
Marco Fey: Ziemlich viele. Forscher der Virginia University haben für das Pentagon eine Drohne entwickelt, die binnen 24 Stunden gedruckt werden kann, mit einem Mobiltelefon bestückt gesteuert werden kann und nur 2500 Dollar kostet. Vorstellbar ist es zudem, Truppen mit kleinen 3D-Druckern auszustatten, die dann hinter feindlichen Linien autonom agieren können und etwa Waffen produzieren. Das Pentagon arbeitet außerdem gerade an 3D-Druckern, die Nahrung, Haut und Gefäße herstellen könnten, um so auf dem Schlachtfeld auf Versorgungsengpässe reagieren zu können. Im militärischen Bereich entwickelt sich aktuell einiges.

Marco Fey ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) tätig und beschäftigt sich dort mit Sicherheits- und Weltordnungspolitik und neuen Technologien. Quelle: Presse

Marco Fey ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) tätig und beschäftigt sich dort mit Sicherheits- und Weltordnungspolitik und neuen Technologien.

Bild: Presse

Wo werden Waffen aus dem 3D-Drucker heute im militärischen Kontext eingesetzt?
Heute lassen sich noch keine Waffensysteme drucken, die militärischen Ansprüchen genügen, aber es gibt erste Machbarkeitsnachweise. Etwa Lenkraketen des amerikanischen Herstellers Raytheon, die mit einem 3D-Drucker produziert wurden und erste Tests bestanden haben. Was gedruckte Schusswaffen betrifft, gibt es aktuell nur sehr krude Waffen. Teils sind das Handfeuerwaffen aus Kunststoff, manche sind auch aus Metall. Allesamt sind sie alles andere als zuverlässig und taugen erst recht nicht für militärische Einsätze. Für immer mehr Großkampfsysteme werden aber einzelne Teile durch additive Fertigungsgeräte gedruckt – etwa Triebwerksteile, Teile für den Rumpf eines Flugzeugs oder eines Schiffs. Das deutet darauf hin, dass wir nur noch wenige Jahre davon entfernt sind, bis ganze Waffensysteme gedruckt werden können.

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Wie verändert das die Rüstungsindustrie?
Solche additiven Fertigungsverfahren ermöglichen Waffenproduzenten die Herstellung komplizierter Formen, die mit herkömmlichen Verfahren nicht möglich wären, beispielsweise innenliegende Hohlräume oder Gitterstrukturen. Es lassen sich sehr leichte Bauteile mit dennoch hoher Festigkeit herstellen. Dadurch werden gänzlich neue Waffensysteme möglich, die man vorher so nicht produzieren konnte. Ein Beispiel sind sogenannte Hyperschallwaffen… 

… Raketen, die mit bis zu 20-facher Schallgeschwindigkeit auf ihr Ziel zufliegen und dabei manövrierfähig sind.
Die USA, Russland und China experimentieren schon lange mit Hyperschallwaffen. Ihnen ist es bis dato zwar nicht gelungen irgendetwas Brauchbares vorzuweisen. 3D-Drucktechniken könnten aber den Durchbruch bringen, weil erstmals Materialien gefertigt werden, die die Systeme ausreichend stabilisieren. Ein weiterer Vorteil: Solche Druckverfahren verkürzen die Produktionsdauer.

Inwiefern?
Wenn beispielsweise die Firma General Electric mit traditionellen Ver­fahren ein neues Turbinenteil entwickelt, dann dauert der Prozess von der ersten Idee bis zum Vorliegen des Prototyps knapp zwei Jahre. Nachdem das Design für das gewünschte Teil feststeht, müssen zunächst die Werkzeuge beziehungsweise Maschinen hergestellt werden, die das gewünschte Design fertigen können. Jeder Feedback Loop, der in Änderungen am Design resultiert, verlangt auch Änderungen an der Werkzeugkonfiguration, wenn nicht gar Neuanfertigungen. Mit additiven Fertigungsverfahren verkürzt sich der ganze Prozess von zwei Jahren auf eine Woche.

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