Apple-Event: Tim Cooks große Parade

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AnalyseApple-Event: Tim Cooks große Parade

von Matthias Hohensee

Neue iPhones, ein gigantisches iPad und ein überholtes Apple TV: Apple fährt eine Menge fürs Weihnachtsgeschäft auf. Anleger beeindruckte das Feuerwerk nicht. Denn das wichtigste Produkt hebt sich nicht stark genug ab.

Auf das „one more thing“ – die Überraschung am Ende von Apples Produktshow - verzichtete Tim Cook diesmal. Den Schluss der knapp zweistündigen Vorstellung in San Franciscos Bill Graham Konzerthalle überließ der Apple-Chef der Band „One Republic“. Um sich dann persönlich um die Ehrengäste Spencer Stone und Anthony Sadler zu kümmern. Die beiden US-Soldaten hatten kürzlich einen Terroranschlag auf einen französischen Zug vereitelt und waren zur Produktpremiere geladen worden.

Cook und seine Führungscrew präsentierten eine Menge Produkte - allerdings keine Überraschungen. Was nicht ohnehin offensichtlich war, wie die neue Generation von iPhones mit verbesserter Kamera und druckempfindlicherem Bildschirm, war bereits vorher durchgesickert.

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Ebenso das iPad Pro, das auf seinem 12,9 Zoll Display soviel darstellen kann, wie zwei iPads in Normalgröße. Oder die Neuauflage der Apple TV Box, die nun nicht nur Filme und Fernsehserien streamen kann, sondern dank leistungsfähigerem Prozessor und verbesserter Fernbedienung auch als Spielekonsole fungiert. Die im April gestartete Apple Watch wird nur modisch mit neuen Farbversionen und einem Lederarmband vom Luxuslabel Hermes aufgefrischt. Weiterentwicklungen von bestehenden Produkten also, Hausmannskost statt Delikatessen.

Das Apple-Event im Überblick Das war Apples große Show

Vom üblichen Apple-Hype ist vor der Keynote des iPhone-Herstellers wenig zu spüren. Die Stimmen vor der Veranstaltung sind ungewohnt kritisch. Der Konzern muss liefern - und präsentiert das neue iPhone 6s.

Apple-Chef Tim Cook hat in San-Franciso die Neuheiten vorgestellt. Quelle: dpa

Apple startet ohne Frage mit einem soliden Produktportfolio ins Weihnachtsquartal, das vermutlich im Oktober mit neuen iMacs verstärkt werden wird. Trotzdem fiel die Aktie nachbörslich um zwei Prozent. Denn im Apple-Konzern dreht sich alles ums iPhone. Zwangsläufig, denn es steuert 70 Prozent des Konzernumsatzes bei und etwas über die Hälfte des Profites.

Wie stark diese iPhone-Sonne strahlt, ist entscheidend in Apples Universum. Und da stellte sich bei der Präsentation am Mittwoch einfach keine rechte Leuchtkraft ein. Das iPhone 6s ist zwar mit neuer Technik und Funktionen ausgestattet, laut Cook „völlig neu erfunden“. Es ist ab 12. September bestellbar und soll ab 25. September verkauft werden.

Die wichtigsten Infos zum Apple-Event am 9. September

  • Worum geht’s?

    Am 9. September 2015 hält Apple eine große Keynote im Bill Graham Civic Auditorium in San Francisco ab.

  • Was ist zu erwarten?

    Beobachter rechnen mit der Vorstellung des iPhone 6s, neuen Versionen des Tablets iPad, einem Update für Apple TV sowie Neuerungen bei der Uhr Apple Watch. Auch die Betriebssysteme iOS 9 und OS X 10.11 El Capitan dürften auf der Veranstaltung in den Fokus rücken.

  • Wann startet die Veranstaltung?

    Los geht’s am 9. September um 10 Uhr morgens nach amerikanischer Pacific Daylight Time - also um 19 Uhr in Deutschland.

  • Wo kann man es sehen?

    Unter http://www.apple.com/apple-events/september-2015/ wird Apple um 19 Uhr MEZ einen Livestream freischalten. Der Zugriff klappt allerdings nicht von jedem Gerät. Laut Apple ist der Browser Safari bei iOS 7.0 oder höher, ein Mac ab OS X v10.8.5 mit Safari 6.0.5 oder höher oder ein PC mit Windows 10 und dem Browser Edge erforderlich.

Doch es ist rein äußerlich von seinen Vorgängern nicht zu unterscheiden. Mit der Ausnahme einer Version in der Trendfarbe roségold vielleicht. Doch der Kontrast zu den Vorjahresmodellen, die mit ihren größeren Displays einen offensichtlichen Grund zum Upgraden offerierten, ist diesmal ungewöhnlich klein.  Zumindest vom Antlitz her.

Das ist ein Dilemma. Zumal Apple die S-Reihe tatsächlich mit neuen und nützlichen Fähigkeiten ausgestattet hat. Da Smartphones immer mehr zu Digitalkameras mit Telefoniefunktion mutieren, ist die wichtigste Neuerung eine 12-Megapixel-Kamera, die nun auch 4K Videos aufnehmen kann und deren neuer Sensor realistischere Bilder verspricht. Mit „LivePhotos“ lassen sich Aufnahmen animieren, indem vor und nach dem Auslösen weitere Bilder aufgezeichnet werden. Ein netter Effekt, der allerdings die Größe der Bilddatei verdoppelt.

Wie gut die Kamera ist, konnte ich am Mittwoch nicht testen. Dafür aber das sogenannte 3D Touch, ehemals Force Touch, das auch in der Apple Watch eingesetzt wird. Das Display erkennt dabei, wie stark der Finger drückt. Wird länger gepresst, öffnet sich ein Kontextmenü. Ein stärkerer Fingerdruck zeigte mir E-Mails in einer Vorschau an, ohne diese öffnen und dabei wieder zurück ins Postfach navigieren zu müssen. Ähnliches funktionierte bei Kurznachrichten, wo ich direkt aus einer Nachricht Termine anlegen oder zu einem Treffpunkt navigieren konnte. Die meisten Apple-Apps unterstützen diese Zusatzfunktion, die auch Entwicklern offensteht. Facebook hat sie bereits umgesetzt.

Wer im zweiten Quartal 2015 die meisten Smartphones verkaufte

  • Gesamt

    Insgesamt wurden im zweiten Quartal 2015 329.676.400 Smartphones verkauft.

    Quelle: Gartner (August 2015)

  • Platz 5

    Der Hersteller Xiaomi verkaufte davon 16.064.900 Smartphones.

  • Platz 4

    Mit 16.405.900 Smartphones konnte der Hersteller Lenovo einige Hunderttausend Smartphones mehr verkaufen.

  • Platz 3

    Gut 9 Millionen Exemplare mehr konnte der chinesische Hersteller Huawei verkaufen. Es wurden 25.825.800 Smartphones verkauft.

  • Platz 2

    Mit 48.085.500 Smartphones fast doppelt so viel, wie der drittplatzierte Hersteller konnte der amerikanische Konzern Apple verkaufen.

  • Platz 1

    Mit großem Abstand an der Spitze liegt der Hersteller Samsung. Er verkaufte 72.072.500 Smartphones.

  • Andere

    151.221.700 Smartphones konnten andere Hersteller im zweiten Quartal 2015 verkaufen.

Was ich erst als Spielerei abtun wollte, spart tatsächlich Zeit. Vor allem aber wird man die Funktion tatsächlich nutzen, da sie einer rechten Maustaste ähnelt und damit vertraut ist. Bei Apples Notebooks hatte ich schon nach der ersten Einführung vergessen, was das Streichen von drei Fingern übers Touchpad bewirkt.

Reichen eine verbesserte Kamera, schnellerer Prozessor und 3D Touch aber wirklich aus, um vom Kauf eines Neugeräts zu überzeugen? Zumal der Nachfolger in zwölf Monaten sich optisch wahrscheinlich wieder stärker absetzt? Zweifel sind angebracht. Zumindest in den USA hilft Apple vorsorglich mit einem Leasing-Programm nach. Für 32 Dollar im Monat garantiert es den Tausch des Gerätes auf ein Exemplar der neuesten Generation.

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