KommentarApple und HTC: Verdeckter Schlag gegen Google

12. November 2012
von Thomas Kuhn

Der am Wochenende geschlossene Lizenz-Frieden zwischen Apple und HTC sieht nur vordergründig aus wie eine Entspannung im Patentkrieg der Smartphone-Riesen. Tatsächlich schwächt er vor allem Google.

Na also, es geht doch, mag man angesichts der am Wochenende veröffentlichten Meldung denken, dass Apple und der taiwanische Smartphone-Produzent HTC sich auf eine Lizenzvereinbarung geeinigt haben. Statt sich weiter vor Gericht zu zerren, räumen sich beide nach jahrelangem Patentstreit nun über zehn Jahre gegenseitig Nutzungsrechte für eigene Patente ein.

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Das ist, auf den ersten Blick, ein deutliches Entspannungssignal in einem mit aller Härte geführten Kampf der Systeme. "Ich werde Android vernichten, weil es ein gestohlenes Produkt ist", zitierte Biograph Walter Isaacson den 2011 verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs. Die Flut von Patentklagenmit der sich Apple und die übrigen Smartphone-Produzenten seither überzogen haben macht das deutlich.

HTC und Apple können keine Streitigkeiten gebrauchen

Ist also der Friedensschluss vom Wochenende Beleg für eine strategische Kehrtwende? Setzt Jobs‘ Nachfolger Apple-CEO Tim Cook nun auf Kooperation statt Konfrontation? Ist die Lizenzvereinbarung gar Apples Eingeständnis, dass Googles Android mit juristischen Mitteln nicht mehr zu stoppen ist.

Nichts dergleichen!  Denn dass sich beide Kontrahenten weitere Scharmützel vor Gericht ersparen, mag im gegenseitigen Interesse liegen. Dennoch war die Verhandlungsmacht höchst unterschiedlich verteilt. Denn HTC hatte – jedenfalls im Vergleich zu Apples Patentportfolio – tendenziell schlechtere Karten. Zudem steht der taiwanische Konzern angesichts schrumpfender Marktanteile zusätzlich unter Druck und tut gut daran, sich auf die Entwicklung attraktiver Produkte zu konzentrieren, statt auf den Kampf vor Gericht.

Lizenzzahlungen an Apple pro Android-Gerät

Insofern verbirgt sich der Sprengstoff, der in der Einigung steckt, hinter dem knappen Satz aus der Pressemitteilung, dass die Konditionen der Vereinbarung vertraulich sind. Denn das verbirgt, dass der Deal wohl nicht bloß eine reine Lizenzen-Gegen-Lizenzen-Vereinbarung war, sondern HTC mit größter Wahrscheinlichkeit auch irgendeiner Form von Lizenzzahlungen an Apple zugestimmt hat, die pro verkauftem Android-Gerät fällig werden.

Genau so eine Vereinbarung hatte schon Microsoft 2010 mit HTC geschlossen – und übrigens 2011 auch mit Samsung. Die Strategie dahinter brachte Microsoft-Chef Steve Ballmer auf den Punkt: "Es ist eben nicht so, dass Android kostenlos ist."

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