CeBIT 2010: Reden statt Bellen bei SAPs neuem Führungsduo

CeBIT 2010: Reden statt Bellen bei SAPs neuem Führungsduo

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Die beiden Vorstandssprecher der SAP AG, Bill McDermott (l) und Jim Hagemann Snabe auf der CeBIT

von Michael Kroker

Die CeBIT markiert einen wichtigen Wendepunkt für Deutschlands Vorzeige-Hightech-Konzern: Die beiden neuen Chefs des Softwarekonzerns SAP geben in Hannover ihr erstes öffentliches Stelldichein – und erzeugen mit ihrem Auftritt eine positive Grundstimmung.

Abends auf der CeBIT: SAP hat zu seinem traditionellen Pressedinner während der IT-Messe geladen. Veranstaltungsort dieses Mal: Das „Pier 51“, ein exklusives Restaurant in einem markanten Flachdachbau am Ostufer des Maschsees. Die Medienmeute nippt am als Begrüßungsdrink gereichten Prosecco Aperol. Und plötzlich steht er da, begrüßt die Journalisten gut gelaunt mit einem jovialen „Hey, how are you doin'?“, und reicht jedem in seiner Nähe stehenden die Hand zum persönlichen Gruß. Kurzum – es ist ein Auftritt, wie man sich ihn vom bis Anfang Februar amtierenden SAP-Chef Léo Apotheker beim besten Willen nicht hätte vorstellen können.

Und das betont Bill McDermott, der seit rund vier Wochen gemeinsam mit Jim Hagemann Snabe die neue Doppelspitze des Walldorfer Softwarekonzerns bildet, während mehrerer Auftritte an diesem Tag in Hannover denn auch ganz besonders: SAP will sich ändern, will einen neuen Zungenschlag finden, will wieder mehr auf Kunden und Mitarbeiter hören. Solche Bekenntnisse mögen auf den ersten Blick abgedroschen klingen, doch irgendwie nimmt man sie dem 48-jährigen Amerikaner doch ab. Vielleicht liegt es an der Leidenschaft, mit der den Wunsch nach Veränderung beteuert.

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35 Prozent Marge

Mit gleichem Verve haben McDermott und Hagemann Snabe am Nachmittag die wegen der hektischen Ereignisse der vergangenen vier Wochen kurzfristig anberaumte CeBIT-Pressekonferenz gemeistert. Es ist der erste Auftritt des neuen SAP-Führungsduos, und er hinterlässt bei vielen einen durchaus positiven Eindruck. Zunächst üben sich der 48-jährige Amerikaner und der 44-jährige Däne in Geschlossenheit und posieren mit Verbrüderungsgesten vor den Fotografen – eine Umarmung hier, ein Schulterklopfen da, und oben auf dem Podium recken beide demonstrativ die zusammengesteckten Hände nach oben. „Nur falls sie es nicht bemerkt haben sollten – Jim und ich haben Spaß miteinander“, ergänzt McDermott später.

Das hätte er gar nicht betonen müssen, man nimmt den beiden die Harmonie ab. Geschickt spielen sie sich die Bälle hin und her, Hagemann Snabe mit seiner Passion für Entwicklung und dem Fokus auf Innovationen, McDermott als begnadeter Verkäufer und auch Motivator für die eigene Mannschaft. „Wir wollen SAP als Unternehmen beschleunigen, aber auch die Art und Weise, wie wir neue Produkte an den Markt bringen“, so Hagemann Snabe. Sein Kompagnon McDermott ergänzt: „SAP ist und bleibt ein Wachstumsunternehmen – wir werden zu zweistelligen Wachstumsraten zurückkehren, glauben Sie mir.“ Wirklich neues haben beide zwar nicht mit im Gepäck. Dennoch ist die Ansage insgesamt durchaus ambitioniert. „Wir halten am Mittelfristziel von einer 35-Prozent-Marge fest. Wir können das schaffen“, beschwört McDermott geradezu. Bereits in ein bis zwei Jahren, so glaubt der Amerikaner, könne SAP die wichtige Schwelle von 30 Prozent überschreiten.

Und trotz der durchaus ambitionierten, positiv gemeint sogar aggressiven Ziele, wirkt der Auftritt der beiden SAP-Chefs nicht arrogant – eine Wertung, die man Vorgänger Apotheker eher selten konstatiert hätte. Denn beiden gelingt es, die richtigen Zwischentöne zu treffen, und zwar nach innen wie außen gewendet. „Wir wollen, dass unsere Kunden uns wieder lieben“, sagt McDermott beinahe unterwürfig – was aber nach dem Ärger der vergangenen anderthalb Jahre über die letztlich gescheiterte Anhebung der Wartungsgebühren für die Kunden nur allzu verständlich ist. Und ergänzt dann fast pathetisch, dass er sich natürlich der deutschen Wurzeln der SAP bewusst sei. „Darauf können wir stolz sein, und das sind Jim und ich auch.“

Vertrauen als Konzept

Die Botschaft an die eigenen Leute lautet also: Ja, wir verändern SAP, aber nein, ihr braucht keine Angst haben, dass ihr dabei nicht mitgenommen werdet. Denn natürlich ist McDermott nur allzu bewusst, dass Apotheker unter anderem auch daran gescheitert ist, dass er seinen Untergebenen mit vielen Aktionen vor den Kopf gestoßen hat und er letztlich total den internen Rückhalt verloren hatte. „Unser Ansatz heißt Vertrauen“, beteuert McDermott am Abend – und unterstreicht die Aussage, indem er preisgibt, dass das neue Führungsduo das interne Reporting komplett abgeschafft habe. „Wir wollen nicht, das Manager kontrollieren, sondern dass sie neues schaffen.“

So dürften die nächsten Monate spannend werden rund um Walldorf: Die Erwartungen an Hagemann Snabe und McDermott sind hoch – intern wie extern. Aber glaubt man den Aussagen von SAP-Mitarbeitern, ist seit dem Abtritt des ungeliebten Apothekers ein wahres Aufatmen durchs Unternehmen gegangen – und ein Ruck, der eine Aufbruchstimmung verbreitet. Der Start war positiv. Jetzt müssen die beiden „nur noch“ liefern. „Trust us, we can“, sagt McDermott, bevor er Richtung Flughafen entschwindet. Ein Spruch, der ein Deja-vu auslöst – und doch klingt er weniger abgegriffen als während seiner Rede bei der CeBIT-Eröffnung. Vielleicht ist es nur McDermotts US-typischer Überredungskunst geschuldet. Aber immerhin, der Mann redet (und bellt nicht, wie ein Kollege unter großem Gelächter anmerkt). Allein das ist schon eine enorme Verbesserung zu früher.

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