CeBIT 2010: Vernetztes Haus: Wohnen im Web

 
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CeBIT 2010: Vernetztes Haus: Wohnen im Web

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AVM-Messestand auf der CeBIT

von Thomas Kuhn

Auf der Cebit wird – endlich – die alte Vision der vernetzten Haus- und Unterhaltungseletronik Realität, mit Technik aus der Computerwelt.

Das kleine schwarze Kästchen, das Joe Jensen auf der CeBIT in der Hand hält, erinnert entfernt an eine Streichholzschachtel. Bei genauerem Hinsehen aber entpuppt es sich als Adapter für die Steckdose, an den sich beliebige elektrische Geräte anschließen lassen. „Mit der Box“, sagt der Chef der Embedded Computing Division beim Chip-Riesen Intel, „kann ich über Funk den Stromverbrauch jedes Elektrogerätes erfassen und alle – ob Stehlampe oder Klimaanlage – auch ein- oder ausschalten.“ So, verspricht der Intel-Manager, „lässt sich selbst herkömmliche Haustechnik problemlos ins Netzwerk integrieren, wird die alte Vision vom vernetzten Haus endlich Realität“.

Wie der Nutzer von der Technik profitieren kann, demonstriert Jensen anhand eines eleganten schwarzen Displays, das nicht nur den aktuellen Stromverbrauch des Haushaltes oder jedes einzelnen Gerätes auf Fingerdruck anzeigt sondern auch die Verbrauchsentwicklung über längere Zeiträume analysieren kann. So lassen sich Stromfresser leicht identifizieren und per Funk abschalten. Zudem kann der Hausbesitzer unterschiedlicher Verbrauchsszenarien definieren. Ein Fingerdruck beim Verlassen von Haus oder Hauses Wohnung lässt so auf Wunsch alle unnötigen Lampen verlöschen oder schaltet die Alarmanlage scharf.

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Jeder Flachbildfernseher als Mega-PC-Monitor

Umgekehrt sei es auch denkbar, dass Stromversorger den in Zukunft nach Tageszeit oder Netzauslastung schwankenden Strompreis auf dem Infodisplay anzeigen. Nach einem schnellen Blick auf die aktuellen Kosten, kann der Nutzer dann entscheiden, ob Heizung, Klimaanlage oder Waschmaschine wirklich zur teuersten Tageszeit laufen müssen – oder vielleicht erst anspringen sollen, wenn die Stromnachfrage wieder abgeflaut ist. Bei dem Strom-Cockpit handelt es sich noch um einen Prototypen, den Intel entwickelt hat, um Herstellern entsprechender Technik Einsatzmöglichkeiten für Intels Chips zu demonstrieren. Das Interesse an den Systemen aber sei groß, sagt Jensen.

Auf eine zunehmende Vernetzung von Computerwelt, Unterhaltungselektronik setzt auch der US-Hersteller von Netzwerktechnik Netgear, der in Hannover einen knapp Handteller-großen Funkempfänger präsentiert, mit dem sich jeder Flachbildfernseher schnurlos zum Mega-Monitor für PC oder Notebook umfunktionieren lässt. Die Diaschau vom Rechner ohne aufwändige Justierung von TV-Gerät und Computer gelingt so ohne weiteres technisches Wissen. Rund 100 Euro wird das Modul kosten, das im zweiten Quartal auf den Markt kommt.

Und auch Netgear setzt auf die Kontrolle von Hausgeräten über die schnurlosen WLAN-Funknetze im Haushalt. „Wir entwickeln bereits Module, mit denen sich Hauselektrik übers Netz kontrollieren lässt“, erläutert Netgear-CEO Patrick Lo im WirtschaftsWoche-Gespräch. „Die Geräte mit Netzwerkanschluss für’s Computernetz im Haus lassen sich zum Beispiel mit den Thermostaten von Heizung oder Klimaanlage koppeln und ermöglichen so die Temperatur vom Computer oder sogar von unterwegs via Smartphone und Internet zu steuern.“

Mögliche Szenarien für den Vertreib der Energie-Adapter hat Netgear-CEO Lo ebenfalls schon entwickelt: „Ich kann mir vorstellen, dass Stromversorger die Geräte subventioniert anbieten, wenn der Kunde einen länger laufenden Stromvertrag abschließt. Und wenn er einwilligt, dass der Versorger bestimmte Geräte wie etwa die Klimaanlage bei hohem Stromverbrauch um ein paar Grad herauf- oder herunter regelt, dann gibt’s die Technik vielleicht ganz umsonst.“

Auch der Berliner Kommunikations-Spezialist AVM demonstriert auf der Cebit, wie sich unterschiedliche Elektronikkomponenten im vernetzten Haushalt verbinden lassen. So bringen die Berliner in Kürze spezielle Anwendungen für iPhones und Android-Telefone auf den Markt. Damit bekommen Besitzer von AVMs Fritz-Boxen beim Betreten des Hauses oder der Wohnung unter anderem angezeigt, wer während der Abwesenheit angerufen hat. Via heimischem WLAN-Funknetz lassen sich zudem die Nachrichten aus dem Anrufbeantworter abfragen oder Anrufe über das Internet führen, ohne die Mobilfunkrechnung zu belasten.

Doch nicht nur Infrastrukturhersteller wie Intel, Netgear oder AVM versprechen sich von der zunehmenden Vernetzung des heimischen Alltags wachsende Geschäfte. Die Kopplung immer weiterer Komponenten des Alltagslebens mit dem Internet dürfte auch eine neue Angriffswelle von Hackern auslösen, prognostiziert Markus Hennig, CTO beim Karlsruher IT-Sicherheits-Spezialisten Astaro. Wenn vom Kühlschrank über Heizung und Rollo bis zur Alarmanlage alles auch via Web steuerbar sei, „dann braucht unser vernetzter Alltag auch eine eigene Absicherung gegen elektronische Angriffe, wie sie bisher vor allem Unternehmen treffen“.

Und so dürfte schon bald die häusliche IT-Firewall genauso zum Wohnen im Web dazu gehören, wie bisher der Virenschutz im PC.

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