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KommentarCeBIT: IBM preist sich als Vorbild des Wandels

von Thomas Kuhn

Penetrant ist auf der Cebit von den glänzenden Geschäftsaussichten des Cloud-Computing die Rede. Von den dramatischen Umwälzungen, die der Technikwandel für die Computerkonzerne - und auch für die Cebit - mit sich bringen wird, spricht keiner offen. Kein Wunder. Ein Kommentar von WiWo-Gadget-Inspektor Thomas Kuhn.

Cloud 2 Quelle: Nicholas Blechman
Cloud 2 Quelle: Nicholas Blechman

Gemessen an den Cebit-Eröffnungsreden von früheren Ehrengästen wie Microsoft-Chef Steve Ballmer oder dem kalifornischen Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger, war die Ansprache von IBM-Chef Sam Palmisano am Messevorabend weder so mitreißend, noch so unterhaltsam. Mit leiser Stimme sprach der Chef des - zumindest gefühlt - bedeutendsten Computerkonzerns zu den versammelten Branchengrößen im Kongresszentrum in Hannover. Doch was er sagte, hatte das Zeug zum Donnerschlag.  "Es gibt einen Moment in der Entwicklung, in der man das Vergangene zurücklassen muss", war einer der Kernsätze in Palmisanos Rede - und er passt auf die Cebit dieses Jahres besser denn je. Denn tatsächlich steht die Computerbranche vor einem ihrer größten Umbrüche, vergleichbar bestenfalls mit dem Auftauchen der PCs in den frühen Achtzigerjahren.  Die machten damals der bis dato vorherrschenden IT-Welt der Großrechner und der an ihnen angeschlossenen "dummen" Bildschirmterminals ziemlich schlagartig ein Ende, und verbannten die so genannten Mainframes auf Jahrzehnte in Spezialanwendungen. Die hohe Zeit der PC-Industrie begann, und manch einer - IBM eingeschlossen - hätte den Wandel um Haaresbreite nicht überlebt oder ist wie viele andere Großrechner-Konzerne heute längst vergessen.  

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Und nun also Cloud Computing, dieser so wolkige Begriff, den in diesem Jahr jeder auf der Cebit mindestens zwei Mal pro Halbsatz erwähnen muss. Im Grunde markiert er eine Rückkehr des IT-Konzeptes der Vor-PC-Ära. Programme, Daten, elektronische Geschäftsprozesse werden in Zukunft (und tun es zunehmend schon heute) nicht mehr auf den lokalen Computern in Unternehmen oder den PCs und Laptops von Privathaushalten lagern oder ausgeführt.  Statt dessen nutzen wir immer öfter und immer umfassender die Rechenkapazitäten, den Speicherplatz oder auch fertig konfigurierte IT-Angebote, die uns Dienstleister im oder aus dem Internet anbieten. Google Docs oder Microsofts Web-Apps sind dafür nur die augenscheinlichsten Angebote. Online-Collaboration-Dienste wie Netviewer laufen ebenso in der Wolke, wie die Unternehmenssoftware-Anwendungen von Mamut-Haufe, Online-Games bei Facebook, virtuelle Telefonanlagen von Vodafone oder der Telekom. 

Cloud Computing stellt alles auf den Kopf

Und sie alle haben eines gemeinsam: Sie funktionieren zum allergrößten Teil auf - verglichen mit den PCs heutiger Bauart - vergleichsweise simplen Rechenknechten, gerne auf preiswerten Tablet-Computern, teils auf Handys, mitunter sogar auf besseren vernetzten TV-Bildschirmen. Die hochgerüsteten Maschinen aber, die die IT-Branche und den Computer-Herstellern in den vergangenen Jahren ebenso hohe, wie anhaltende Wachstumsraten bescherten, die braucht es in den Zeiten des Cloud Computing immer seltener.  Das bedeutet nicht das Ende des PCs, aber er wird - wie einst die Mainframes - in Nischen verschwinden. Andere, kleinere, mobilere, vernetzte Geräte werden sie ersetzen und uns in allen Lebenslagen umgeben und digital begleiten. Wir stehen am Beginn eines Computerzeitalters ohne (sichtbare) Computer. Cloud Computing ist der Begriff dafür. Und wer in der Industrie diesen Umbruch nicht erkennt, wer nicht mit der Zeit geht, wird mit der Zeit gehen. Die Hersteller, aber auch die Computermesse CeBIT, werden sich auf eine Zukunft ohne Desktops und Notebooks einstellen müssen. Eine Zeit, in der Kunden noch IT-Dienstleistungen einkaufen, Rechenleistung, Speicherkapazität, die elektronische Analyse von Geschäftsdaten, Kundenmanagement, etc. - dass sie dafür aber kaum noch teure, neue Computer erwerben. Diese beginnt spätestens auf dieser Cloud-dominierten CeBIT.

Das Ende des PC-Geschäftes?

"Hätte sich vor zehn Jahren jemand vorstellen können, dass ausgerechnet IBM, der Erfinder des 'Persönlichen Computers', sein PC-Geschäft verkauft?", fragte Sam Palmisano in seiner Eröffnungsrede am CeBIT-Vorabend ebenso leise wie bohrend. "Heute zeigt sich, dass es die richtige Entscheidung war."  So mancher der Zuhörer muss spätestens in dem Moment erkannt haben, dass der Chef von Big Blue recht hatte - und, dass der längst vom Kistenschieber zum Software- und Beratungskonzern mutierte Computerriese IBM damit das Vorbild für die Branche ist.

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