Das neue iPad: Ein technisches Meisterwerk, das man jetzt nicht unbedingt braucht

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KommentarDas neue iPad: Ein technisches Meisterwerk, das man jetzt nicht unbedingt braucht

von Thomas Kuhn

Apples neue iPad-Generation ist die beste die es je gab – und doch zugleich bester Beleg dafür, woran es der Tablet-Branche gerade fehlt.

Keine Frage, es ist schon ein technisches Meisterwerk, was die Apple-Entwickler da mit dem neuen iPad Air 2 zustande gebracht haben und was Apple-Chef Tim Cook nur wenige Wochen nach der Präsentation der neuen iPhones nun vorgestellt hat. In gerade mal 6,1 Millimeter Gehäusedicke haben Techniker und Designer die komplette Technik für die besten iPads untergebracht, die Apple je gebaut hat. Selbst zwei der neuen Flachmänner aufeinander gelegt erreichen nicht mal die Höhe von Apples gut 13 Millimeter dickem Ur-iPad aus dem Frühjahr 2010.

Mit nicht mal 440 Gramm wiegt die neue WLAN-Variante zudem mehr als ein Drittel weniger als der Urahn, den der Neue zudem bei der Auflösung von 3,12 Millionen Bildpunkten um das Vierfache übertrifft. Dazu hat Apple die Fingerwisch-Rechner in das gleiche handschmeichelnde Gehäusedesign verpackt, das schon die neuen iPhones schmückt. So gesehen, hatten die Kalifornier vermutlich noch nie ein attraktiveres Angebot im Tablet-Markt als mit den soeben vorgestellten Neulingen.

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Mit US-Komiker Steven Colbert am Telefon wollte Apple seine jüngste Produktvorstellung eigentlich etwas aufpeppen. Der aber gab sich widerspenstig - zumindest in Bezug auf die bisher nur angekündigte Apple-Watch:

Das Problem ist bloß: Wer sich nicht ohnehin gerade erstmals einen neuen Tablet-Rechner kaufen will, oder einen merklich angejahrten Vorläufer ersetzen will, der hat bei aller Eleganz und Schlankheit kaum einen Anreiz, tatsächlich Geld fürs iPad Air 2 auszugeben. Denn abgesehen vom nun auch im Tablet integrierten Fingerabdrucksensor – genannt TouchID – und der Möglichkeit, damit den Rechner per Handauflegen zu entsperren oder Käufe in Apps zu autorisieren, gibt es kaum gravierende Neuerungen.

Einen integrierten NFC-Funkchip, wie im iPhone, mit dem sich Dank des Bezahldienstes Apple Pay einmal Bezahlvorgänge auch an der Ladenkasse auslösen lassen sollen, bekommen die neuen iPads nicht. Auch neue Gerätegrößen, wie sie die iPhone-Käufer mit der sechsten Handygeneration endlich zur Auswahl bekommen haben, bieten die weiterhin 9,7 Zoll großen iPads nicht, genauso wenig wie die unverändert 7,9 Zoll großen iPad mini 3. Und das zufriedene iPad-Nutzer der vorigen Version nun in Massen ihre Tablets wegwerfen, bloß um sich einen Nachfolger in der nun erstmals erhältlichen Farbe „Gold“ zuzulegen, ist eher unwahrscheinlich.

Nein, im Grunde sind die neuen Tablets Opfer der Qualität ihrer Vorläufer. Weil die Geräte die Bedürfnisse ihrer Nutzer bereits im Wesentlichen befriedigen, tauschen Tablet-Besitzer ihre Rechner viel seltener aus, als ihre (zudem oft noch stark subventionierten) Smartphones. Surfen, Bilder ansehen, Video- oder Audio-Streams aus dem Netz abrufen, das leisten die neuen iPads kaum besser als die der Generation zuvor. „Viele Kunden sind mit der Hardware, die sie haben zufrieden“, sagte etwa Annette Zimmermann, Technik-Expertin beim Marktforscher Gartner, gerade erst im Gespräch mit der „FAZ“.

Was Wunder also, dass sich unter den Tablet-Herstellern zunehmend Ernüchterung breit macht. Denn was für Apples iPads gilt, gilt im Grunde nicht anders für die jeweils neueste Generation etwa von Samsungs GalaxyTab-Flachcomputern. Die Innovationssprünge zwischen den einzelnen Gerätegenerationen werden immer kleiner, und damit der Kaufanreiz, jeweils auf die Neuheiten umzusteigen. Selbst wenn, die Käufer von Android-Tablets ihre Geräte im Schnitt nur halb so lange nutzen, wie die von iPads. Im Grunde sind sie in der Masse in Sachen Tablet-Technik ziemlich satt und zufrieden.

Das schlägt sich in den Absatzprognosen nieder, die Marktforscher wie etwa Gartner vor wenigen Tagen erst merklich nach unten korrigiert haben. Statt des fürs laufende Jahr prognostizierten globalen Absatzvolumens von mehr als 265 Millionen Stück, dürften es 2014 wohl nur noch 229 Millionen Stück werden. Und für 2015 schrumpfte die Prognose von 321 auf bloß noch 273 Millionen Geräte. Wenn es einen Beleg dafür brauchte, dass Tablets – entgegen der Unkenrufe von vor zwei bis drei Jahren – NICHT das Ende des klassischen PC-Verkaufs bedeuten, diese Zahlen liefern ihn.

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Andererseits wäre es genauso falsch, statt des Todes der PCs nun das Ende der Tablet-Rechner zu postulieren. Zum einen sich so manche andere Branche weil selbst nach nun revidierten Wachstumszahlen von +20% anstelle von +25% noch sehr die Finger leckte. Zum anderen, weil Tasten- und Tablet-Computer schlicht ganz unterschiedliche Nutzungsbedürfnisse befriedigen. Und so läuft der Trend statt auf ein >Entweder-Oder< viel eher auf ein >Sowohl-Als-Auch< hinaus.

Und in dieser Welt – das mag dann auch wieder ein Trost für Apple-Chef Cook sein – ist kaum ein Anbieter so attraktiv aufgestellt, wie der Computer-Konzern aus Cupertino mit seinem immer enger verknüpften Hardware-Software-Geflecht aus iPhones, iPads, iMacs und Diensten wie iCloud oder iTunes.

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