
Weit öfter nutzen Unternehmen ohnedies Algorithmen, um ihre Mitarbeiter besser einschätzen zu können, wie das Beispiel IBM zeigt. Der IT-Konzern hat schon vor einigen Jahren die Fähigkeiten von Tausenden Mitarbeitern in Formeln verdichtet und anschließend mathematisch berechnet, welcher Mitarbeiter wo am produktivsten ist. Zudem erfasste das Unternehmen Profile jedes Mitarbeiters mitsamt Besonderheiten, wie einem langen Arbeitsweg, und Informationen über seinen Freundeskreis. Mit diesen Daten hofft IBM in wenigen Jahren per Knopfdruck feststellen zu können, ob ein Mitarbeiter beispielsweise die Fähigkeit hätte, Aufgaben in Asien zu übernehmen – trotz des ständigen Smogs von Metropolen wie Mumbai und Shanghai.
Menschen wurden sozusagen als mathematisches Modell nachgebildet. Damit passiert nun auch im Büro, was Google & Co. im Netz längst perfektioniert haben. Das Modell wird immer feiner. 2006 bereits hat Microsoft ein Verfahren patentiert, das Puls, Blutdruck und Mimik von Angestellten erfassen kann. Das System, so der Patentantrag, solle Manager informieren, wenn Mitarbeiter unter Frustration oder Stress stehen. Noch allerdings befinden sich solche Systeme, an denen auch andere Technologiekonzerne arbeiten, in einem frühen Stadium.
Doch schon jetzt geht die Datensammlung allzu leicht auch über die Grenzen des Erlaubten hinaus, wie – neben der Telekom – ein weiteres Beispiel der Deutschen Bahn zeigt. Denn sie belegt auch beim internen Data Mining einen – in dem Fall unrühmlichen – Spitzenplatz. Ausgehend von der Suche nach möglichen Korruptionsfällen, hatte der Logistikriese nicht nur, wie ursprünglich vorgesehen und von den Datenschützern abgesegnet, die elektronische Kommunikation einzelner Beschäftigter in der Beschaffungsabteilung analysiert und Daten von Mitarbeitern zur Korruptionsbekämpfung mit denen von Lieferanten abgeglichen. Stattdessen wertete der Konzern kurzerhand E-Mails von Abertausenden Mitarbeitern aus.
Der Mensch als Rechenmodell
Keine Frage: Der Raubbau an der Privatsphäre verläuft immer schneller.
Dazu könnte auch die jüngste Generation elektronischer Stromzähler beitragen, die seit Anfang dieses Jahres in Neubauten und bei Grundsanierungen installiert werden müssen. Minutengenau protokollieren sie unseren Tagesablauf: Den Anstieg des Verbrauchs, wenn morgens Rasierapparat, Toaster oder Kaffeeautomat anspringen. Wann der Fernseher eingeschaltet wird und auch wann die Nachttischlampe erlischt, alles erfassen die „Smart Meter“.
Entsprechende Geräte testen unter anderem die Deutsche Telekom und die Technischen Werke Friedrichshafen in ihrem Projekt T-City, dem größten deutschen Feldversuch für eine vernetzte Stadt. Der Stromanbieter Yello bietet bundesweit die Installation der elektronischen Zähler an, mit deren Hilfe die Nutzer unter anderem heimlichen Stromfressern auf die Spur kommen können.
Haushaltsspionage
Später einmal sollen die Kunden im Minutentakt den günstigsten Stromanbieter wählen können; so wie das beim Call-by-Call-Verfahren im Telefonmarkt üblich ist. Vorerst aber senkt die Technik den Aufwand für die Stromversorger, weil die Geräte nicht mehr jährlich abgelesen werden müssen, sondern den Verbrauch regelmäßig selbst an die Buchungssysteme der Energielieferanten übermitteln.
Und auch das ist nur ein Zwischenschritt, bis die Computer nicht mehr nur die Datenspuren unseres Alltags sammeln und auswerten. Sind erst einmal die Leitungsnetze aufgerüstet, können die Versorger über die Zähler nämlich zudem Steuerimpulse an entsprechend ausgestattete Haushaltsgeräte senden. Um Spitzen bei Stromverbrauch oder -angebot auszugleichen, könnten die Energieriesen dann die Spülmaschine anhalten oder die Waschmaschine starten.
Wann das am besten in unseren Tagesablauf passt? Auch das ermittelt womöglich schon bald der Computer. Beim Blick in unser Stromverbrauchsprofil.












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Alle Kommentare lesen05.03.2010, 10:05 UhrAnonymer Benutzer: Jack
Früher war es der Nikolaus, der alles sah und in seinem Goldenen buch veröffentlichte,
später gabe es einmal den Spruch: Derliebe Gott sieht alles -außer Dallas! (wer erinnert sich noch?)
Heute ist die Elektronik an die Stelle von Gottes Geist getreten. Na und?
25.02.2010, 17:16 UhrAnonymer Benutzer: unbescholtener Bürger
Staatliche Kontrolle begrüsst!
Warnende Kommentare zum Datenschutz, zur Sicherung der persönlichen Freiheit gibt es zum Überdruss. Was mich nur wundert: Keiner der berufenen Datenschätzer nimmt daran Anstoss, dass tagtäglich über unsere Straßen Heerscharen staatlich bezahlter Schnüffler fahren, die nichts anderes machen als uns ehrbare bürger zu filmen und zu messen. Das alles in der Hoffnung, Schwerverbrecher zu überführen, die doch tatsächlich anstelle der erlaubten 60 km/h mit 80 (Führerscheinentzug) oder gar 90 (Sicherungsverwahrung?) fahren - auf vierspurigen Stadtautobahnen etc..
Was ich wann wo eingekauft habe, ist kein Geheimnis, das kann jeder wissen, den es interessiert.
Aber diese Verkehrsschnüffelei mit anschließender Abzocke zur Finanzierung der unsinnigen öffentlichen Ausgaben, das sollte gebrandmarkt werden!
24.02.2010, 18:18 UhrAnonymer Benutzer: Bärbel
Datensicherheit hin, Datensicherheit her.
Wie oft wird man durch plötzlich aufpoppende Anzeigen aufgefordert, doch schnell mal bei einer Meinungsumfrage mitzumachen ? Tut man`s, wird man aufgefordert, persönliche Daten preiszugeben.
Wer sich communities wie "wer kennt wen", StudiVZ o.ä. anschließt gibt doch außer seiner Kontonummer alles preis. Wen wundert`s, dass diese Seiten werbemäßig ausgebeutet werden. Es gibt sogar Personalchefs, die sich Erkenntnisse über potentielle Mitarbeiter aus diesen Seiten herauslesen. Datenschutz fängt im eigenen Kopf an und der sollte wach genug sein zu bemerken, wenn da irgendwer mehr über mich wissen will, als er für das was er für mich tun will oder soll, unbedingt wissen muss.