Deutsche Post: Post lässt viele Fragen zum Online-Brief offen

Deutsche Post: Post lässt viele Fragen zum Online-Brief offen

von Oliver Voß

Die Deutsche Post stellte auf der CeBIT mit großem Bohei ihren neuen Onlinebrief vor und präsentierte erste Geschäftskunden. Doch die entscheidenden Fragen blieben weiter offen.

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Ein Briefkasten

Jürgen Gerdes ist ein vorsichtiger Mensch. Der Chef der Briefsparte hat noch nie seine Kontodaten im Internet hinterlassen, erklärte er heute auf der CeBIT. Dabei ist er neuen Technologien durchaus aufgeschlossen und ist beispielsweise stolzer Besitzer eines iPhones. Doch Apps, die beliebten kleinen Zusatz-Programme, kommen ihm nur auf das Handy, wenn sie kostenlos sind. Bezahlen im Netz ist Gerdes zu unsicher.

Doch für Menschen wie ihn soll sich das bald ändern. Im Juli startet die Deutsche Post ihren Onlinebrief, eine neue Kommunikationsvariante im Internet, bei der auch ein Bezahlsystem integriert werden soll.

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Die Post stellte das Projekt heute in Hannover vor. Nichts weniger als „die neue Dimension der Schriftkommunikation“, soll der Online-Brief darstellen. Die Idee dahinter ist einfach: Nutzer melden sich einmal auf dem Postamt für den Service an, durch die Registrierung soll gewährleistet sein, dass jederzeit sichergestellt ist, mit wem man kommuniziert. Durch Passwort und TAN-Nummern-Abfrage sowie eine Verschlüsselung der Nachrichten, soll der elektronische Brief viel sicherer als herkömmliche E-Mails sein und damit für das Versenden von Rechnungen oder anderer vertraulicher Dokumente eine neue Alternative darstellen.

Dafür soll der Onlinebrief allerdings auch etwas kosten, wie viel wollte Gerdes jedoch nicht sagen. Neben dem reinen Onlinebrief ist eine Hybridvariante vorgesehen. Der Absender schickt seinen Brief dabei elektronisch, wenn der Empfänger nicht am Onlinebriefsystem teilnimmt, und die Post druckt das Schreiben aus und übermittelt es wie einen klassischen Brief. Dieser Service soll 46 Cent kosten, wie bereits bekannt wurde – allerdings könne laut Gerdes noch etwas für die elektronische Übermittlung vorher dazu kommen.

Das Kalkül der Post ist klar: Ein immer größerer Teil des klassischen Briefgeschäfts wird durch kostenlose Mails ersetzt, hier will der Konzern verlorenes Terrain zurückerobern. Zudem steht mit der De-Mail ein ähnliches Projekt in den Startlöchern, das derzeit vom Bundesinnenministerium, der Telekom und dem Mailanbieter United Internet (GMX, Web.de) getestet wird. Sie wollen ebenfalls einen rechtsverbindlichen, elektronischen Brief anbieten und greifen damit die Post an. Beide Systeme sollen jedoch miteinander kompatibel sein, sagte Gerdes.

Als erste Geschäftskunden präsentierte die Post eine Mischung aus bekannten Namen und kleinen Exoten. So sind das kommunale Rechenzentrum Minden-Ravensberg/Lippe genauso dabei, wie die DekaBank; die Direktkrankenversicherung der Bundesinnung für Hörgeräteakustiker (BIG direkt gesund) ist ebenso Kooperationspartner wie die Zurich-Versicherung, der ADAC und Lotto Hessen. Bei letzteren können die Kunden künftig auf digitalem Wege Tippscheine abschicken – das derzeit gültige Verbot von Tipps im Internet wird dabei ganz nebenbei geschickt umgangen. 

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