Dial und AneedA: Will.i.am will die Smartwatch revolutionieren

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Dial und AneedA: Will.i.am will die Smartwatch revolutionieren

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Sänger Will.i.am präsentiert in Barcelona seine neue Smartwatch "Dial".

Foto: Thomas Kuhn

von Thomas Kuhn

Black-Eyed-Peas-Star will.i.am präsentiert beim MWC seine neue Computeruhr "Dial". Die funktioniert nicht nur ohne Smartphone, sondern kommt auch mit dem cleveren Assistenten "AneedA".

William Adams würde es kaum mögen, wenn man seine neue Uhr ganz profan als gewöhnliche "Smartwatch" bezeichnet. "Dial" heißt der breite Klotz, der sein Handgelenk umfasst. Auf den ersten Blick erinnert er an die Lederbänder, mit denen sich Kraftsportler die Handgelenke schützen. Aber nur so lange bis Adams, der unter seinem Künstlernamen Will.i.am und als Mitglied der Band Black Eyed Peas bekannt ist, mit dem Zeigefinger aufs Display tippt und beginnt, sich mit dem digitalen Armreif zu unterhalten.

Die neue Smartwatch des Black Eyed Peas-Sängers will.iam. Quelle: dpa

Die neue Smartwatch des Black Eyed Peas-Sängers will.iam.

Bild: dpa

Was der Hip-Hop-Künstler, Musikproduzent und High-Tech-Unternehmer beim Mobile World Congress (MWC) gemeinsam der Deutschen Telekom präsentiert, ist ein digitaler Assistent namens "AneedA". Der versteht nicht bloß natürliche Sätze. Er antwortet auch bemerkenswert angemessen und sogar mit Spuren von digitalem Witz. Auf die Frage nach dem schnellsten Weg zu einem Restaurant in Barcelona nennt das Gerät nicht nur die Routen mit Bahn oder Taxi. Es empfiehlt dem 40-Jährigen auch den Fußweg, um "trotz seines fortgeschrittenen Alters" in Schwung zu bleiben.

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Das System - gesprochen "Anita" - überwacht für seinen Nutzer E-Mails, behält den Kalender im Blick, managt die Musiksammlung und recherchiert auf Wunsch Bahnverbindungen.

Adams' Unternehmen i.am+ hat "AneedA" entwickelt. Die Computeruhr "Dial" ist das erste Produkt, in dem der Assistent zum Einsatz kommt. Gesteuert wird die Uhr primär über natürliche Sprachbefehle, alternativ auch per Fingerbedienung auf dem 2-Zoll-Display. Im Gehäuse, das über einen Magnetverschluss mit dem Akku in der unteren Hälfte des Armreifs verbunden ist, stecken neben einem Qualcomm-Prozessor auch ein 2-Gigabyte-Speicher, ein GPS-Empfänger und ein Bewegungssensor.

Noch in diesem Jahr - wahrscheinlich im Laufe des Sommers - will die Telekom die Uhr in mehreren europäischen Ländern auf den Markt bringen, Deutschland eingeschlossen. Das sagt Claudia Nemat, im Telekom-Vorstand für das Europageschäft und für Technologiethemen verantwortlich.

Fitnesstracker und Handyersatz: Was Smartwatches können

  • Wenn die Uhr schlau wird

    Bis vor wenigen Jahren waren Telefone und Computer in der Größe einer Armbanduhr nur Fiktion – „Knight Rider“ lässt grüßen. Doch die Chips werden immer kleiner, leistungsfähiger und billiger. Damit werden Geräte wie Smartwatches überhaupt erst technisch möglich und erschwinglich.

  • Trend zum "Wearable Computing"

    Smartwatches sind Teil eines Trends: Computer werden immer kleiner und damit komfortabler im Transport. Neben intelligenten Uhren gibt es etwa auch Fitnessarmbänder und Brillen, die mit Informationstechnologie aufgerüstet sind. Google Glass ist ein bekanntes Beispiel. Die Technologiebranche spricht vom "Wearable Computing" – und hofft auf einen Wachstumsmarkt.

  • Ergänzung zum Smartphone...

    Was ist überhaupt eine Smartwatch? Der Begriff ist schwierig zu fassen. Grundsätzlich gibt es zwei Kategorien. Die meisten Modelle funktionieren nicht eigenständig, sondern als Erweiterung zum Smartphone und zeigen Termine, E-Mails oder eingehende Anrufe an. Die Daten werden in der Regel per Bluetooth übertragen.

  • ... und Ersatz fürs Handy

    Während die meisten Smartwatches eine Erweiterung fürs Smartphone sind, sollen ein paar Modelle das Handy ganz ersetzen. Sie haben ein Mobilfunk-Modul, das Telefonate und die Übertragung von Daten erlaubt. Das gilt etwa für die Gear S von Samsung.

  • Assistent und Freisprecher

    Die Geräte sind unterschiedlich ausgestattet. Einige fungieren als diskrete Sekretäre – sie erinnern an Termine, zeigen eingehende E-Mails an und vermelden Telefonanrufe. Andere eignen sich auch als Freisprecheinrichtung oder als kompaktes Navigationsgerät. Unter Sportlern beliebt sind Spezialgeräte, die den Puls und die Laufstrecke messen.

  • Der Akku als Schwachpunkt

    Die Laufzeit ist bei allen Smartwatches ein Problem: Weil die Geräte so klein sind, lässt sich darin kein großer Akku unterbringen. Daher sind viele Modelle nicht besonders ausdauernd – je nachdem welche Display-Technologie zum Einsatz kommt.

  • Start-ups und Konzerne

    Diverse Unternehmen haben bereits Smartwatches auf den Markt gebracht – Start-ups wie Weltkonzerne. Zu den kleinen Anbietern zählt das Unternehmen Pebble, das über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter seine Anschubfinanzierung gesichert hat. Der IT-Riese Sony brachte bereits die dritte Generation seiner Computer-Uhr heraus, Samsung hat die Galaxy Gear entwickelt, der Chiphersteller Qualcomm stellt die Toq her. Im April 2015 kommt auch die Apple Watch heraus.

  • Schwierige Prognose

    Wie sich junge Märkte entwickeln, ist schwierig zu prognostizieren – die Vorhersagen für Smartwatches gehen weit auseinander. Während etwa die Marktforschungsfirma IDC ein rapides Wachstum voraussagt, erwarten Forrester und NPD Displaysearch eine baldige Abkühlung des Marktes.

Was Adams beim MWC gemeinsam mit i.am+-Mitgründer Chandra Rathakrishnan vorführt, ähnelt zunächst der Kommunikation, wie sie etablierte Assistenten vom Schlage Apple Siri, Google Now oder Microsoft Cortana bieten. Doch das Konzept reicht weiter als die genannten digitalen Dienstleister.

Die "Dial" ist - anders als herkömmliche Smartwatches - primär als eigenständiges Gerät angelegt. Was immer "AneedA" für den Nutzer der "Dial" erledigt, macht sie - dank eines integrierten Funkmoduls mit eigener SIM-Karte - ohne Anbindung an ein Smartphone.

Den zugehörigen Mobilfunkvertrag liefert, kein Wunder, die Deutsche Telekom. Daneben, verrät Nemat, laufen einige der digitalen Dienste, mit deren Hilfe der Assistent im Armband für seinen Nutzer recherchiert, zumindest für die kommenden europäischen Geräte in den Rechenzentren der Telekom. Nutzerdaten, Suchaufträge oder E-Mails, versprechen die Telekom-Managerin und Unternehmer Adams, würde "AneedA" weder speichern noch auswerten. "Glaubwürdigkeit ist für uns extrem wichtig", sagt Nemat.



Dennoch merkt sich die "Dial" einiges über ihren Nutzer. Informationen wie Name, Alter, Hobbies, Musikgeschmack werden benötigt, um auf Anfragen angemessen reagieren zu können. Vor allem aber lernt das System auch die Aussprache und den Dialekt des Nutzers kennen - und verbessert die Spracherkennung zunehmend.

Wie weit das reicht, zeigt sich, als Adams und Rathakrishnan bei der Präsentation die Uhr tauschen. Da bekommt der auf den starken indischen Akzent des einen i.am+-Gründers geeichte Assistent plötzlich merkliche Schwierigkeiten, den US-Slang des Hip-Hoppers zu verstehen. Dass es ähnliche Schwierigkeiten geben könnte, wenn "AneedA" mit der "Dial" demnächst auch deutschen Zungenschlag fehlerfrei interpretieren soll, bestreiten alle Beteiligten.

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Das Sprachmodul - sowohl für die Erfassung als auch für die Wiedergabe von Sprache - stammt vom Spezialanbieter Nuance. Die vom i.am+-Team entwickelte Technik und Intelligenz der Plattform, ist davon komplett unabhängig.

Das bedeutet, dass "AneedA" nicht nur auf Englisch funktioniert, sondern auch in anderen Sprachen. Der Service lässt sich auch auf unterschiedlichen Geräte nutzen. Bei der Vorabpräsentation demonstrierten Adams und Rathakrishnan, dass der Sprachdialog mittels einer "AneedA"-Anwendung beispielsweise auf einem Apple TV steuern lässt. Sogar die Wiedergabe von Urlaubsfotos an einem Desktop-PC kann von der "Dial"-Uhr aus gesteuert werden.

Wann genau ihr Vertrieb in Deutschland startet, dazu wollten sich die Partner auf dem MWC noch nicht äußern. Und auch nicht, was der vernetzte Assistent fürs Handgelenk kosten soll. Zeitnah, so drückte sich Telekom-Managerin Nemat um konkretere Aussagen, werde man das bekannt geben. In Barcelona jedenfalls wird erst einmal gefeiert. Die Telekom hat den lokalen In-Club Barts an der Avenida Paral-lel zur magentafarbenen Partylokation umgebaut. Und vermutlich wird der IT-Unternehmer Adams, es dann erst mal wieder als Will.i.am musikalisch krachen lassen.

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