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Digitale Bücher: Warum der Boom bei E-Books noch immer ausbleibt

von Jan Tißler Quelle: Netzwertig.com

Der E-Book-Markt in den USA boomt, in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist davon hingegen bislang wenig zu spüren. Dabei sind passende Geräte und Angebote auch hierzulande durchaus vorhanden. Die Hemmnisse liegen woanders.

E-Books sind praktisch, überzeugen mit immer besser werdenden Displays und sind vergleichsweise günstig - Und werden trotzdem kaum gekauft Quelle: dpa
E-Books sind praktisch, überzeugen mit immer besser werdenden Displays und sind vergleichsweise günstig - Und werden trotzdem kaum gekauft Quelle: dpa

An sich sind E-Books eine schöne Sache: Man kann sie spontan kaufen, (fast) egal, wo man sich gerade aufhält. Und man kann eine kleine Bibliothek in einem nur wenige hundert Gramm wiegenden, kompakten Gerät wie Amazons Kindle jederzeit dabei haben. Die Qualität der Reader und ihrer Displays hat sich in den vergangenen Jahren enorm verbessert, während ihre Preise zugleich erheblich gefallen sind. Die Auswahl ist groß. Hinzu kommen Tablets, die ebenfalls gern als Reader genutzt werden. Kurzum: An der Hardware wird es nicht mehr scheitern.

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Vor allem Amazon mit seinem integrierten Konzept aus eigenem Reader, eigenem Shop und schließlich eigener Publishing-Lösung für jedermann konnte hier vergleichsweise früh Rekordzahlen veröffentlichen: Zum Weihnachtsgeschäft 2009 überholten dort E-Books erstmals die Umsätze der Hardcover-Printbücher.

In den USA ist inzwischen ein Boom bei E-Books zu beobachten. Nach jetzt veröffentlichten Zahlen haben sich dort die Umsätze mit digitalen Büchern im Jahr 2011 im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. E-Books machen demnach 15,5 Prozent der Umsätze der US-Verlage aus und haben nun nicht nur bei Amazon, sondern auch insgesamt Hardcover-Ausgaben überholt.

Zum Vergleich: In Deutschland hatten digitale Bücher im Jahr 2011 einen Anteil von einem Prozent am Gesamtmarkt. Auf ähnlich niedrigem Niveau bewegt man sich in Österreich. Und auch in der Schweiz kann die Handelskette Thalia trotz großem E-Book-Angebots beispielsweise kaum ein Prozent seines Umsatzes digital bestreiten.

Elektronische Bücher sind in Deutschland noch ein Nischenmarkt - und das wird laut Buchhandel auch noch eine Weile so bleiben. Der Umsatz hatte im vergangenen Jahr einen Anteil von einem Prozent am Gesamtumsatz, bis 2015 soll er auf gerade mal 3,5 Prozent steigen.

Dabei haben elektronische Bücher vor allem für Reisende und Leute mit wenig Platz einen großen Vorteil: In ein kleines Lesegerät passen so viele davon wie sonst in ein ganzes Regal.

Bild: dpa

Preise oftmals zu hoch

Aber woran liegt es? Ein Hemmnis des Erfolgs hierzulande ist die Preisgestaltung der Verlage bei E-Books. Oftmals sind digitale Ausgaben nur geringfügig billiger als ihre gedruckten Pendants. Kunden erwarten aber einen spürbaren Preisnachlass. Aus Sicht der Verlage ist das kaum denkbar, da Druck, Lagerung und Vertrieb eines Buches nur einen geringen Anteil an den Buchkosten haben. Die Gewinnspanne für den Händler, sowie beispielsweise die Kosten fürs Lektorat und am Ende auch das Autorenhonorar verändern sich hingegen nicht. Allerdings bewegt sich auch ein Kulturgut wie das Buch im Rahmen der freien Marktwirtschaft, deren Preise bekanntlich von Angebot und Nachfrage bestimmt werden. Reagieren die Verlage hier nicht auf die Wünsche der Kunden, droht ein ähnlich zäher und schmerzhafter Weg des Lernens wie bei der Musikindustrie. Auch bei E-Books können Interessenten schließlich auf inoffizielle und vor allem kostenlose Downloads im Netz zurückgreifen.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 01.08.2012, 20:04 UhrJoselyn

    Rolf ich sehe das genauso wie sie. Am Bildschirm längere Texte zu lesen ermüdet schnell und die Augen tun Einem nach einiger Zeit weh oder brennen. Dazu kommt, dass ich im Büro den ganzen Tag auf einen Bildschirm gucke und das privat in meiner Freizeit nicht auch noch haben will.

    Ich halte lieber ein richtiges Buch aus Papier in der Hand und genieße es, zu lesen, umzublättern, seinen schönen Einband, seinen Geruch.

  • 01.08.2012, 13:46 Uhrmotzerator

    Ich hätte ein paar Marketing Ideen, um das E-Book voran zu treiben. Da währe zum Beispiel das Digital Bundle. Wenn man das E-Book nicht viel billiger anbieten kann, als das gedruckte Buch, dann sollte man es einfach gratis zur Druckausgabe dazu geben. Der Kunde könnte dann die Druckversion kaufen und hätte ein klassisches Buch für sein Regal, zugleich könnte er es aber auch digital lesen. So würde der Kunde komfortabel an das neue medium herangeführt, hätte sein Buch daheim im Schrank stehen und könnte es doch als E-Book lesen.

    Dann müssten die E-Book Reader einfach besser werden. Ein Gerät, mit dem man nur Bücher lesen kann, die auch noch fast genauso teuer sind wie normale Bücher und die man nicht weitergeben kann, lohnt sich für viele einfach nicht.

    Daher sollten intelligente Zusatzdienste hinzu kommen. Mit Wlan und 3G sollte man ins Internet gehen können, auch interessant währ eine offline Lesefunktion für Webseiten, bei der man einige Portale angibt wie beispielsweise wiwo.de und das Gerät läd dann zu einem eingestellten Zeitpunkt diese Portale herunter, damit man die Nachrichten ausserhalb des WLAN auch ohne Netzverbindung lesen kann. Quasi eine Online Zeitung zum mitnehmen, die sich jeden Morgen die News automatisch heruntersaugt.

    Vor allem aber müssten die Preise für die Bücher deutlich günstiger sein, für mich ist ein E-Book höchstens 20% des Buchwertes wert. Das ist ein Problem, das schon die Musikindustrie beschäftigt hat. Es ist leichter, etwas materielles zu verkaufen, als etwas immaterielles.

    Der Mensch zahlt lieber für eine Schallplatte, eine CD oder ein Buch, als für die Erlaubniss, eine Datei zu besitzen oder sich ein elektronisches Buch herunter zu laden. Solange der digitale Vertriebsweg daher nciht deutlich billiger ist, wird wohl kaum einer auf seine Schmöker verzichten.


  • 01.08.2012, 11:51 Uhralexm

    E-book Reader sind schon Klasse, leicht, praktisch, es liest sich angenehm, ich bin natürlich auch bereit für ein e-book zu zahlen. Aber, liebe Verlage, ihr könnt euch abschminken dass ich mich zuerst irgedwo anmelde, meinen Reader anmelde, dann ein e-book downloade das nur auf meinem Reader gelesen werden darf, das ich auch nicht weitergeben kann, das wenn möglich weg ist wenn der Reader kaputt oder gestohlen ist. Das hat mit der Musik nicht funktionniert und wird es auch mit Büchern nicht.

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