
An sich sind E-Books eine schöne Sache: Man kann sie spontan kaufen, (fast) egal, wo man sich gerade aufhält. Und man kann eine kleine Bibliothek in einem nur wenige hundert Gramm wiegenden, kompakten Gerät wie Amazons Kindle jederzeit dabei haben. Die Qualität der Reader und ihrer Displays hat sich in den vergangenen Jahren enorm verbessert, während ihre Preise zugleich erheblich gefallen sind. Die Auswahl ist groß. Hinzu kommen Tablets, die ebenfalls gern als Reader genutzt werden. Kurzum: An der Hardware wird es nicht mehr scheitern.
Vor allem Amazon mit seinem integrierten Konzept aus eigenem Reader, eigenem Shop und schließlich eigener Publishing-Lösung für jedermann konnte hier vergleichsweise früh Rekordzahlen veröffentlichen: Zum Weihnachtsgeschäft 2009 überholten dort E-Books erstmals die Umsätze der Hardcover-Printbücher.
In den USA ist inzwischen ein Boom bei E-Books zu beobachten. Nach jetzt veröffentlichten Zahlen haben sich dort die Umsätze mit digitalen Büchern im Jahr 2011 im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. E-Books machen demnach 15,5 Prozent der Umsätze der US-Verlage aus und haben nun nicht nur bei Amazon, sondern auch insgesamt Hardcover-Ausgaben überholt.
Zum Vergleich: In Deutschland hatten digitale Bücher im Jahr 2011 einen Anteil von einem Prozent am Gesamtmarkt. Auf ähnlich niedrigem Niveau bewegt man sich in Österreich. Und auch in der Schweiz kann die Handelskette Thalia trotz großem E-Book-Angebots beispielsweise kaum ein Prozent seines Umsatzes digital bestreiten.
Bild: dpaElektronische Bücher sind in Deutschland noch ein Nischenmarkt - und das wird laut Buchhandel auch noch eine Weile so bleiben. Der Umsatz hatte im vergangenen Jahr einen Anteil von einem Prozent am Gesamtumsatz, bis 2015 soll er auf gerade mal 3,5 Prozent steigen.
Dabei haben elektronische Bücher vor allem für Reisende und Leute mit wenig Platz einen großen Vorteil: In ein kleines Lesegerät passen so viele davon wie sonst in ein ganzes Regal.
Bild: dpaWie lassen sich elektronische Bücher lesen?
Es gibt Geräte, die nur dazu dienen, elektronische Bücher zu lesen: E-Book-Reader (etwa das Amazon Kindle, siehe Foto). Daneben lassen sich zu diesem Zweck auch herkömmliche Computer, Laptops und Smartphones nutzen. Als größter Konkurrent für die E-Book-Reader gelten Tabletcomputer wie das iPad von Apple.
Bild: dpaWas sind die Unterschiede zwischen den Geräten?
Die meisten E-Reader haben einen unbeleuchteten Schwarz-Weiß-Bildschirm. Im Dunklen braucht der Nutzer somit eine Leselampe. Dafür sind die Texte auch bei Sonnenlicht gut lesbar. Die Augen haben fast den Eindruck, sie läsen von Papier. Aber auch Tablet-Hersteller bauen neue Geräte mit höherer Auflösung und machen Lesen damit augenfreundlicher.
Tablets bieten zudem mehr multimediale Anwendungen. Dafür aber ist im Sonnenlicht auf ihrem Bildschirm kaum etwas zu sehen. Auch die Akkulaufzeit ist deutlich kürzer.
Bild: dapdWie groß ist das Angebot an Lesestoff?
Laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels vertreibt rund die Hälfte aller Verlage in Deutschland E-Bücher, Tendenz steigend. 42 Prozent der neuen Bücher erscheinen bei diesen Verlagen auch als E-Book, der Anteil der bereits erschienen Werke liegt demnach bei 30 Prozent. Das Angebot elektronischer englischsprachiger Literatur ist um ein Vielfaches größer.
Bild: dapdWie kommen die Texte aufs Endgerät?
Die Texte gelangen über das Internet auf die Geräte. Teilweise verfügen sie dafür über drahtlose Internetzugänge per WLAN oder über mobiles Internet per Handynetz. Bei einigen Geräten ist ein Umweg über den Computer notwendig: Nutzer müssen dann die Inhalte aus dem Internet auf den Rechner laden und sie anschließend auf das Lesegerät übertragen.
Bild: ReutersWie viel kostet das E-Buch-Lesen?
Zunächst einmal fallen die Kosten für das Gerät an. Die Preisspanne bei E-Readern liegt zwischen 80 und 200 Euro. Tablet-Computer sind meist für 250 bis 800 Euro zu haben, können dafür aber deutlich mehr.
Beim Lesestoff gilt laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Deutschland bei neueren E-Büchern die Buchpreis-Bindung. Das heißt, E-Books kosten überall gleich viel. In den USA etwa ist das anders, weswegen ein Preiskampf zwischen den Anbietern herrscht. Es gibt auch kostenlose Bücher im Netz, etwa auf der Webseite gutenberg.org.
Bild: APSind alle Inhalte auf allen Endgeräten zu lesen?
Nein. Die Texte liegen in bestimmten Formaten vor. Hier haben sich mit PDF und EPUB zwei Versionen durchgesetzt, die von fast allen Geräten verstanden werden. Größere Probleme bereitet der Kopierschutz, mit dem zahlreiche E-Books versehen sind.
Apple und Amazon, die sowohl Lesegeräte als auch digitale Bücher verkaufen, verwenden jeweils einen Kopierschutz, der nur auf den eigenen Geräten läuft. Amazon stellt noch ein Programm zur Entschlüsselung für andere Geräte zur Verfügung.
Bild: dapdLassen sich E-Bücher verleihen, gebraucht kaufen und verkaufen oder verschenken?
Hier gelten andere Regeln als beim Kauf gedruckter Werke, da der Erwerb einer E-Buch-Datei juristisch keinem Kauf entspricht, sondern dem Erwerb einer persönlichen Lizenz. Diese darf normalerweise nicht weitergegeben werden. Für den eigenen Gebrauch ist es in der Regel erlaubt, fünf bis sechs Kopien eines E-Buchs zu erstellen.
Will der Verbraucher seinen digitalen Lesestoff von einem Gerät auf ein anderes übertragen, muss jedoch auch das zweite den Kopierschutz und das Format des E-Buchs erkennen.
Elektronische Bücher sind in Deutschland noch ein Nischenmarkt - und das wird laut Buchhandel auch noch eine Weile so bleiben. Der Umsatz hatte im vergangenen Jahr einen Anteil von einem Prozent am Gesamtumsatz, bis 2015 soll er auf gerade mal 3,5 Prozent steigen.
Dabei haben elektronische Bücher vor allem für Reisende und Leute mit wenig Platz einen großen Vorteil: In ein kleines Lesegerät passen so viele davon wie sonst in ein ganzes Regal.
Preise oftmals zu hoch
Aber woran liegt es? Ein Hemmnis des Erfolgs hierzulande ist die Preisgestaltung der Verlage bei E-Books. Oftmals sind digitale Ausgaben nur geringfügig billiger als ihre gedruckten Pendants. Kunden erwarten aber einen spürbaren Preisnachlass. Aus Sicht der Verlage ist das kaum denkbar, da Druck, Lagerung und Vertrieb eines Buches nur einen geringen Anteil an den Buchkosten haben. Die Gewinnspanne für den Händler, sowie beispielsweise die Kosten fürs Lektorat und am Ende auch das Autorenhonorar verändern sich hingegen nicht. Allerdings bewegt sich auch ein Kulturgut wie das Buch im Rahmen der freien Marktwirtschaft, deren Preise bekanntlich von Angebot und Nachfrage bestimmt werden. Reagieren die Verlage hier nicht auf die Wünsche der Kunden, droht ein ähnlich zäher und schmerzhafter Weg des Lernens wie bei der Musikindustrie. Auch bei E-Books können Interessenten schließlich auf inoffizielle und vor allem kostenlose Downloads im Netz zurückgreifen.
- Seite 1: Warum der Boom bei E-Books noch immer ausbleibt
- Seite 2: Altbackene Konzepte
















