Digitale Musik: Die Suche nach dem Super-Sound

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Digitale Musik: Die Suche nach dem Super-Sound

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Global Player - Altrocker Neil Young sammelte Millionenbeträge für den optimalen Klang ein.

von Thomas Kuhn

Das Internet machte MP3-Gedudel allgegenwärtig und raubte der Musik ihre Opulenz. Nun entdecken Künstler, Plattenlabels und Fans den perfekten Sound neu. Es ist eine Offenbarung – und hoch profitabel.

Neil Young ist kein Freund von Schnörkeln und Shows. Was dem kanadischen Rock-Veteranen wichtig ist, packt er in seine Lieder – und was es zu fühlen gibt, in seine Musik. Und auf der Bühne mit Pyrotechnik statt mit Sound zu begeistern, das war noch nie sein Ding. An die 35 Alben hat der Soundtüftler aufgenommen, der am vergangenen Mittwoch 69 Jahre alt wurde. Und stets hat Young mit einem technischen Manko gehadert: „Von dem was du im Studio oder auf der Bühne aufnimmst, kommt nur ein Bruchteil bei den Hörern deiner Platten an.“

Das soll sich nun gründlich ändern. Gut 35 Jahre nach der Entwicklung der einst für ihren Sound gepriesenen Audio-CD schickt sich eine Generation innovativer Unternehmer und Soundtüftler an, den digitalen Klang in bisher kaum gekannter Qualität und Opulenz neu zu verbreiten. Und Young ist der prominenteste Treiber des Trends zu HiRes-Audio, wie die Szene diese hochauflösende Musik (Englisch: High Resolution) nennt.

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Was der Audiowelt bevorsteht, ist ein Innovationsschub, der die Unterhaltungsbranche so verändern wird wie der Techniksprung vom analogen Röhrenfernsehen zum hochauflösenden Digital-TV. Ähnlich wie HDTV viermal detailreichere Bilder liefert, stecken auch in HiRes-Audio rund viermal mehr Klangdetails als in CD-Musik.

Musiker, Plattenlabels, Hi-Fi-Hersteller und Audiophile, sie alle begeistern sich derzeit für die hochauslösende Musik. Denn was da den Weg zum Trommelfell findet, ist eine Offenbarung: Feinste Klangdetails, leiseste Töne, Atemzüge oder zartes Gleiten der Finger über Saiten oder Tasten – alles bekommt eine Klarheit und Transparenz, so als löste die Vormittagssonne schlagartig den Morgennebel auf, und das flaue Grau der Landschaft würde strahlend bunt.

Hi-Fi Produkte

  • Hör-Gerät

    Der Pono-Player hat in seinem Speicher Platz für rund 500 Alben in höchster Klangqualität.
    399 Dollar

  • Platten-Speicher

    Sonys Audio-Player Z1ES spielt HiRes-Musik fast aller Formate aus dem Netzwerk und von seiner Ein-Terabyte-Festplatte.
    1799 Euro

  • Kopf-Sache

    Philips’ M2L-Kopfhörer ermöglicht es, dank seines Audiochips HiRes auch vom iPhone wiederzugeben.
    249 Euro

  • Schall-Wandler

    Der winzige Verstärker A200p von Beyerdynamic wandelt HiRes-Digitalmusik in analogen Sound um.
    299 Euro

Möglich wird dieser Effekt, weil HiRes-Musik dem perfekten, analogen Originalklang so nahe kommt wie kein digitales Audioformat für den Massenmarkt zuvor. Fast 96 000 Mal pro Sekunde erfasst es die Tonsignale. CDs speichern erfassen das Tonsignal 44 100 Mal pro Sekunde und speichern damit nicht einmal halb so viele Abtastpunkte. Mehr noch, der Super-Sound kann Töne in mehr als 16 Millionen Nuancen wiedergeben, während die CD gerade gut 65 000 Klangabstufungen kennt. Neben der akustischen Feinheit geht das insbesondere zulasten der leisen Tondetails und des räumlichen Klangempfindens.

In den Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts konzipiert und mittlerweile total überholt, bieten CDs schlicht nicht genug Platz, um Songs und Musik in so hoher Audioqualität zu speichern, wie sie aufgenommen werden. Also quetschen die Tontechniker den digitalen Sound so lange zusammen, bis alles auf die digitale Platte passt.

Noch weniger vom Original erlebt, wer komprimierte MP3-Dateien oder Audiostream aus dem Netz hört. Da kommt, gemessen am HiRes-Datenstrom, teils nicht mal mehr ein Dreißigstel an. Rock-Legende Young kommentiert das so: „Was heute als Musik verkauft wird, ist oft einfach Shit“, polterte er im März dieses Jahres auf der Konferenz SXSW im texanischen Austin.

Waren CD-Audio und MP3-Musik die Antworten auf begrenzten Speicherplatz und langsame Internet-Verbindungen, so sorgt nun erneut das Internet für den technischen Umbruch. Denn nun ermöglichen immer schnellere Breitbandanschlüsse den HiRes-Pionieren, die Musik in nahezu optimaler Qualität zu den Kunden zu bringen.

Neues Ökosystem für Musik

Neil Young will einer von ihnen sein: Pono hat er das Start-up genannt – was rechtschaffen auf Hawaiianisch heißt –, das er 2012 mit dem Silicon-Valley-Unternehmer John Hamm gegründet hat, um den puren Klang unters audiophile Volk zu bringen.

Ähnlich wie Apples Kombi aus iPod-Musikspieler und iTunes-Store wollen die Gründer zum einen die Hardware verkaufen, ihren Pono-Player, und zum anderen die HiRes-Musik über ihren Pono Musicstore. „Wir schaffen ein ganz neues Musik-Ökosystem“, verspricht Young. Die mobile Musikbox für höchstauflösende Musik erinnert in ihrem dreieckigen Design an eine Schweizer Kult-Schokolade. Young verspricht ähnlichen Genuss – wenn auch im Ohr statt auf der Zunge.

800 000 Dollar, hatten Young und Hamm kalkuliert, würden sie zum Start benötigen, als sie ihr Projekt im April dieses Jahres auf der Finanzierungsplattform Kickstarter vorstellten. Das Geld hatten sie schon am ersten Tag beisammen, und zum Schluss rund 6,2 Millionen Dollar eingesammelt. Seit Ende Oktober können Audiofans den Super-iPod in den USA im Pono Musicstore für 399 Dollar bestellen. Im Frühjahr 2015 soll er lieferbar sein.

Die dritthöchste Summe, die bis dato je ein Kickstarter-Projekt erzielt hatte, ist sicher auch der Prominenz seiner Gründer geschuldet. Aber nicht nur. Denn Young ist zwar der bekannteste, aber mitnichten der einzige Jäger des verlorenen Klanges. Die ganze Audiowelt ist elektrisiert.

Die Erwartungen ans Marktwachstum sind enorm. Was etwa den japanischen Elektronikriesen Panasonic dazu brachte, seine vor zwölf Jahren eingemottete Hi-Fi-Marke Technics wiederzubeleben. Zwei High-End-Anlagen für den neuen Super-Sound haben die Japaner Anfang September auf der Elektronikmesse IFA in Berlin vorgestellt; darunter spezielle Mediaplayer, die HiRes-Musik vom PC oder von einer ans Heimnetz angeschlossenen Festplatte abspielen. In den nächsten Wochen kommen die ersten Systeme in die Läden.

„Die Nachfrage im Handel wächst, und auch online nimmt die Begeisterung für höchste Audioqualität zu“, sagt Michiko Ogawa. Die 51-Jährige ist nicht nur eine der Top-Jazz-Pianistinnen in Japan. Die studierte Toningenieurin verantwortet bei Panasonic zugleich die Wiedereinführung der Traditionsmarke. „Es ist der ideale Zeitpunkt, beste Technik und die Emotionalität großartiger Musik zusammenzubringen“.

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