E-Bike Freygeist: Flinker Flitzer mit Fehlern

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E-Bike Freygeist: Flinker Flitzer mit Fehlern

von Jürgen Rees

Das Freygeist sieht aus wie ein gewöhnliches Fahrrad, ist aber ein getarntes E-Bike – das im Detail noch Feinschliff benötigt. Ein Fahrbericht.

Das Freygeist ist das perfekte und todschicke Rad für alle Angeber – oder halbfitte Radfahrer wie mich: Mal locker vom Bonner Rheinufer zur Margarethenhöhe im Siebengebirge strampeln, von 50 auf 322 Höhenmeter? Schnell und ohne außer Atem zu geraten? Kein Problem. Und ich schwöre: Niemand merkt, dass es ein Elektrobike ist. Ein vermeintlich fachkundiger Rennradler am Ziel hebt es an und befindet es für viel zu leicht: „Das ist kein E-Bike.“ Und ob – aber mit zwölf Kilogramm fast federleicht.

Damit ist das Freygeist ein idealtypischer Vertreter jener angesagten, neuen Generation Elektrovelos, die nicht mehr primär wadenschwachen Alten mehr Mobilität ermöglichen, sondern als Lifestylegerät nun weit jüngeren, sehr zahlungskräftigen Freizeitradlern zu dynamischem Fortkommen verhelfen sollen.

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Zu den Stärken des 4000-Euro-E-Velos gehört zweifellos der Akku im Rahmenrohr, der für maximal 100 Kilometer Reichweite sorgen soll. Im Test waren es knapp 70 Kilometer, was völlig reicht. Der Antrieb versteckt sich in der Hinterradnabe und unterstützt den Radler bis zu etwa 27 Kilometer pro Stunde. Dank Zehn-Gang-Schaltung und des geringen Gewichts lässt sich das Rad selbst dann noch prima bewegen, wenn der Akku leer ist. Nach drei bis vier Stunden Laden ist er wieder voll.

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Ein schnöder Drahtesel ist oft nicht mehr genug: Das Fahrrad wird zum Statussymbol und Ausdruck der Persönlichkeit. Hersteller von Rädern bieten die passende Technik – das nötige Kleingeld vorausgesetzt.

Das E-Bike wird zum Statussymbol. Quelle: PR

Bald soll eine App alles besser machen

Auf die Idee des Leichtbau-Stromers kam sein Erfinder, der Jurist Martin Trink, weil er von den Staus in seiner Heimatstadt Wien genervt war. Schnell, schick, ökologisch sollte das Gefährt sein. Auf dem Markt aber fand der heute 32-Jährige nur schwere, lieblos designte Räder. Mit seinem Schulfreund, dem ebenfalls 32-jährigen Ingenieur Usama Assi, warb er auf der Crowdinvest-Plattform Companisto mehr als 1,5 Millionen Euro ein. Mittlerweile sitzt das Start-up in Berlin.

Ohne Zweifel, ihr filigraner E-Flitzer aus poliertem Alu mit dem braunem Ledersattel ist eine Augenweide. Doch er hat noch ein paar Geburtsfehler, die vor allem angesichts des stolzen Preises stören.

Nahe dem Tretlager etwa schaut, von billigem Kabelbinder gehalten, ein kugelschreiberähnliches Etwas mit Druckknopf hervor. Damit aktiviere ich das System. Aber über den Ladezustand des Akkus erfahre ich nichts. Zudem schaltet sich der E-Motor beim Langsamfahren ständig an, statt sanft immer stärker zu unterstützen. Beides, immerhin, soll sich ändern, wenn in spätestens drei Monaten die Bluetooth-Anbindung für die Handy-App fertig ist. Dann soll sich alles von dort steuern und überwachen lassen.

Was sich per App nicht beheben lässt: Irgendwann streikt mein Rücken. Auf Dauer ist der Rahmen in Einheitsgröße einfach unbequem. Er soll eigentlich für alle passen, tut aber gerade das nicht. Für 1,84 Meter große Menschen wie mich ist er zu klein, wer 1,65 Meter misst, kommt mit den Füßen nicht richtig auf den Boden. Da ist andere Abhilfe gefragt. Ab Sommer will Freygeist mindestens zwei Rahmengrößen anbieten.

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Mit zweistelligen Wachstumsraten haben die Pedelecs in den vergangenen Jahren Händler und Hersteller verwöhnt. Doch eine Studie zeigt: Langsam ist die Sättigung erreicht.

E-Bikes, die Alternative zum Auto. Quelle: dpa
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