Entwicklerkonferenz I/O : Glaubt Google noch an Glass?

ThemaGoogle

Entwicklerkonferenz I/O : Glaubt Google noch an Glass?

Bild vergrößern

Ein Google-Glass-Träger hört sich die Keynote der Google I/O 2014 an. Neue Informationen zum Stand der Datenbrille bekam er nicht.

von Meike Lorenzen

Google feierte in San Francisco das mobile Betriebssystem Android für die Automobilbranche und für Datenuhren. Doch Google Glass, das große Vorzeigeprojekt der vergangenen Jahre, blieb unerwähnt.

Vor Erfolgsmeldungen, emotionalen Videos und Erfahrungsberichten rund um die Datenbrille Google Glass konnte man sich in den vergangenen zwei Jahren kaum retten. Keine Gelegenheit ließ das Unternehmen aus Mountain View aus, um die Computerbrille vorzuführen. Doch auf der Entwicklerkonferenz in San Francisco herrschte Schweigen. Kein Wort sagten die jungen Google-Manager, die für ihre App-Entwickler durch die spannendsten Entwicklungen des Unternehmens führten, über die Brille.

Stattdessen eine Lobhudelei auf das neue mobile Betriebssystem: So soll Android künftig nicht mehr nur noch auf Smartphones und Tablets laufen. Explizit forderte Google die IT-Profis dazu auf, das kommende Android „L“ stärker für Automobil-Apps auszunutzen. Auch in den Bereich Smart-TV steigt Google mit eigenen Apps ein. Und natürlich in sogenannte Wearables. Unter dieses Schlagwort fällt eigentlich auch Google Glass. Doch statt über die Brille ließ sich das Unternehmen ausschließlich über neue Datenuhren aus.

Anzeige

Datenbrille Ist Google Glass am Ende?

Eigentlich hätte diesen Monat Google Glass in den Markt gehen sollen. Doch bisher deutet nichts diesen Schritt an. Woran die Datenbrille zu scheitern droht. Eine Analyse.

Droht Googles Projekt 'Glass' zu scheitern? Quelle: AP

Google hatte erst im März die erste eigene Datenuhr mit eigenem Betriebssystem für Wearables vorgestellt. Schon damals wurde gemunkelt, der Suchmaschinen-Gigant könnte eine Kehrtwende hinlegen und die Brille künftig eher stiefmütterlich behandeln. Und auch in San Francisco stellte der Konzern zwar Android Wear vor, zeigte aber nur Computeruhren, auf denen das System laufen soll: Die G-Watch von LG und Samsungs neue Smartwatch Gear Life.

Offensichtlich merkt das Unternehmen, dass die Zeit für die Datenbrille noch nicht reif ist. Nach dem großen Hype kehrte in den vergangenen Wochen und Monaten Ernüchterung ein.  Erst auf der Next-Konferenz im Mai in Berlin übten Entwickler harsche Kritik an Google Glass. 2013 hatte Google die Datenbrille für 1500 US-Dollar an ausgewählte Entwickler und Technologie-Experten verkauft, damit diese erste Apps für Brille entwickeln.

Die Möglichkeiten sind zwar sehr vielfältig. Doch für den Alltagsgebrauch taugt das Gerät kaum. Warum sollte sich ein normaler Bürger eine Wegbeschreibung über die Datenbrille anzeigen lassen, wenn das Smartphone doch genau die gleichen Informationen ausspuckt? Nur um die Hände frei zu haben? Kaum jemand wird diesen Vorteil so hoch gewichten, dass er sich dafür als „Glasshole“ beschimpfen lässt. In den USA hat sich das Schimpfwort für Technikfreaks längst durchgesetzt.

Weitere Artikel

„Google Glass ist kein Gadget für den normalen Endverbraucher“, sagte der Blogger Sascha Pallenberg. „Mir fällt kein Szenario ein, in dem die Brille für diese Zielgruppe mehr Sinn ergibt als ein Smartphone.“

Und gerade in Deutschland hat die Datenbrille viel Kritik erfahren. Die Angst vor heimlichen Fotos und Videoaufzeichnungen ging um sich. Und wer die Panikmache skeptisch sah, war im Zweifel vom Design der Brille oder ihren technischen Möglichkeiten nicht überzeugt.

Dass Google nun auf seiner I/O-Konferenz, die weltweit übertragen wurde, das einstige Vorzeigeprojekt komplett ausspart, lässt tief blicken. Offensichtlich gibt es für App-Entwickler auf den Brillen-Front aktuell nicht viel zu tun. Das Unternehmen hat mit der Brille nämlich ganz andere Baustellen – und zwar in Sachen Hardware. Bei den verkauften Prototypen wurde der Akku sehr schnell heiß am Ohr. Außerdem hielt er nur vier bis fünf Stunden durch. Von Marktreife kann hier noch lange keine Rede sein.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%