Evernote: "Google Keep wird uns langfristig helfen"

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InterviewEvernote: "Google Keep wird uns langfristig helfen"

von Oliver Voß

Der Chef des Speicherdienstes Evernote, Phil Libin, kämpft gegen Google und Hacker, um seinen Dienst noch in hundert Jahren anzubieten.

Herr Libin, kürzlich haben Hacker sämtliche Passwörter Ihrer Kunden gestohlen. Ist Evernote noch sicher?

Libin: Nach unseren Informationen wurden keine Kundendaten gestohlen, da wir alle Passwörter zurückgesetzt haben. Aber natürlich war das unangenehm und teuer.

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Was kostet der Zwischenfall?

Die Hälfte unserer Mitarbeiter hat Kundensupport gemacht. Endgültig können wir die Kosten noch nicht beziffern. Aber es werden schon einige Millionen Dollar sein.

Wie werden Sie sich und ihre Kunden künftig vor Hackern schützen?

Wir haben technisch und bei den Mitarbeitern im Sicherheitsteam aufgestockt. Außerdem werden wir den Nutzern in den nächsten Monaten weitere Schutzmechanismen anbieten.

Auch eine Authentifizierung, bei der wie beim Onlinebanking ein Zahlencode aufs Handy geschickt wird?

So etwas kommt – früher, als ursprünglich geplant. Wir sind aber überzeugt, dass Daten weniger durch Hacker gefährdet sind, als dadurch, wie Internetunternehmen damit umgehen. Deshalb garantieren wir, dass bei uns alle Informationen privat bleiben. Wir analysieren die Daten nicht und verkaufen sie auch nicht an Werbefirmen. Unser Geschäftsmodell hängt nicht davon ab.

Im Gegensatz zu Google, das mit "Keep" gerade auch ein digitales Notizbuch herausgebracht hat. Viele bezeichnen es schon als "Evernote-Killer".

Google Keep ist eine Einsteiger-App, wie sie auch Apple oder Microsoft bieten. Manche Leute werden das nutzen und brauchen Evernote dann nicht, doch andere merken erst, dass es solche Produkte überhaupt gibt und werden auf umfangreichere Angebote wie unseres umsteigen. Es schadet uns also ein wenig, wird uns langfristig aber wahrscheinlich mehr helfen.

Sie verdienen Ihr Geld mit Premium-Accounts, die fünf Euro pro Monat kosten.

Genau. So haben wir keinen Interessenkonflikt, weil wir nur unsere Nutzer zufrieden stellen müssen und nicht auch noch Werbekunden. Etwa zwei Millionen unserer 50 Millionen Nutzer sind zahlende Kunden.

Das ist weit von den angepeilten 25 Prozent entfernt.

Der Anteil steigt mit der Nutzungsdauer, nach einem Jahr sind es sechs Prozent, nach zwei Jahren elf Prozent. Wir waren aber bisher nicht fokussiert darauf, die Premium-Version so viel besser zu machen, das wird sich dieses Jahr ändern. Da wird es mehr zusätzliche Funktionen für zahlende Kunden geben.

Und wie läuft die Business-Version für Unternehmen, die zehn Euro monatlich kostet?

Extrem gut. Nach drei Monaten nutzen das 4000 Firmen. Wir haben das eigentlich weniger als neue Einnahmequelle eingeführt, sondern weil zwei Drittel unserer Kunden Evernote schon beruflich genutzt haben. Doch in einigen Jahren könnte der Bereich fünfzig Prozent unseres Umsatzes ausmachen.

In Deutschland kooperieren Sie neuerdings mit der Deutschen Telekom. Wie viele Kunden sollen zu den 1,3 Millionen deutschen Nutzern dazukommen?

Millionen Kunden der Telekom können Evernote Premium ein Jahr kostenlos nutzen. So können wir ein Vielfaches der Nutzer gewinnen, die wir schon haben.

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Insgesamt geben Sie das Ziel von einer Milliarde Nutzer aus. Wann ist es soweit?

Das können wir in fünf Jahren schaffen. Es ist aber nicht unser Endziel. Schließlich wollen wir eine hundertjährige Firma aufbauen.

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