Facebook: Ein eigenes Handy aus Verzweiflung

KommentarFacebook: Ein eigenes Handy aus Verzweiflung

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Kommt nach dem verpatzten Börsengang nun das "Facebook-Handy"?

von Michael Kroker

Angeblich arbeitet Facebook an einem Smartphone. Doch der Einstieg der Internet-Company ins Hardware-Geschäft würde mehr Probleme erzeugen als lösen.

Am Wochenende ist das Gerücht aufgekommen, Facebook bastle im Geheimen an einem eigenen Handy – wieder einmal. Das jedenfalls berichtet der renommierte Tech-Journalist Nick Bilton im „Bits“-Blog der "New York Times". Demnach habe das weltgrößte soziale Netzwerk in den vergangenen Monaten unter anderem mehr als ein halbes Dutzend Hard- und Software-Spezialisten von Apple abgeworben, die dort an der Entwicklung von iPhone und iPad beteiligt gewesen seien.

Auf den ersten Blick ergibt der Einstieg von Facebook ins Hardware-Geschäft denn durchaus Sinn. Zum einen benötigt Unternehmenschef Mark Zuckerberg nach dem völlig verpatzten Börsengang Mitte Mai dringend positive Nachrichten, um der seit mehr als einer Woche unter dem Ausgabepreis dümpelnden Aktie neues Leben einzuhauchen. Mehr noch: Facebook verfügt bereits heute über eine überaus starke Marke im Internet und könnte mit einem eigenen Smartphone ein gigantisches Heer von potenziellen Interessenten adressieren – nämlich die inzwischen fast eine Milliarde registrierten Mitglieder.

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Soviel zu den vermeintlichen Pluspunkten. Gegen den Einstieg von Facebook ins Gerätegeschäft spricht aber noch viel mehr. Denn wie das Unternehmen kurz vor dem Börsengang eingeräumt hat, steckt es in Sachen Mobile in einem regelrechten Dilemma: Zwar ist die Facebook-App mit rund 488 Millionen Nutzern weltweit bereits heute die erfolgreichste Smartphone-Anwendung überhaupt. Damit greift eine Mehrheit von 54 Prozent aller 901 Millionen Facebook-Anwender mobil auf das soziale Netzwerk zu.

Problemfall mobiles Internet

Gleichzeitig kann Zuckerberg mit seinen mobilen Nutzern bis heute viel weniger Geld verdienen, weil Facebook bisher keine Werbung in seinen Mobil-Apps platziert. Ob das Unternehmen dieses Manko wettmachen kann, indem es eigene Handys anbietet, scheint mehr als fraglich. Zudem dieser Schritt viel kostenintensiver ist, als schlicht das Werbemodell in den Mobilsektor zu erweitern – schließlich funktioniert das Hardware-Geschäft nach völlig anderen Gesetzen als das Software-/Internet-Geschäft.

Mehr noch: Bis heute profitiert Facebook einerseits von seiner starken Marke – und eben auch von seiner Neutralität gegenüber Geräteherstellern. Soll heißen: Anbieter wie Apple, Samsung, Nokia & Co. rüsten ihre Smartphones gerne standardmäßig mit Facebook-Apps oder sogar einer tiefergehenden Facebook-Integration aus. Es wäre mehr als fraglich, ob sie das auch noch täten, würde Facebook sie künftig auf dem eigenen Terrain als Geräteanbieter angreifen.

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Investoren sollten „schreiend davon laufen“, wenn Facebook wirklich ins Hardware-Segment einsteigt, hat Henry Blodget vom US-Wirtschaftsblog „Business Insider“ die angeblichen Zuckerberg-Pläne kommentiert. Schreien muss man nicht unbedingt, die Entwicklung auf diesem Felde aber kritisch beäugen auf jeden Fall. Das Facebook-Smartphone scheint vor allem eins zu sein: ein unausgegorener Versuch – um nicht zu sagen eine Verzweiflungstat – , um sich in Sachen mobiles Internet wieder an die Spitze der Entwicklung zu katapultieren.

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