Fairphone-Gründer Bas van Abel: "Verbraucher fühlen sich oft machtlos"

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InterviewFairphone-Gründer Bas van Abel: "Verbraucher fühlen sich oft machtlos"

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Fairphone-Gründer Bas van Abel.

von Meike Lorenzen

Das Fairphone ist eines der erfolgreichsten Projekte der Crowdfunding-Geschichte. Selten war ein Produkt so schnell ausverkauft und die Nachfrage weiter groß. Wie der Unternehmensgründer mit dem Druck umgeht.

Es war eine der ganz großen Crowdfunding-Überraschungen des vergangenen Jahres: Das Fairphone. Es sollte das erste Smartphone werden, dass seine Lieferketten komplett offenlegt, die Produktion der Einzelteile darstellt und damit eine Transparenz bietet wie kein anderer Smartphone-Hersteller zuvor.

Die Idee entpuppte sich als ein Mega-Erfolg. Der Niederländer Bas von Abel musste binnen weniger Wochen sein dreiköpfiges Team auf 30 Mitarbeiter ausbauen, um dem Andrang Stand zu halten. 25.000 Telefone wurden verkauft, noch bevor das Produkt überhaupt existierte. Bis dahin war es nur ein Projekt, das im Netz seine Unterstützer gefunden hatte.

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Der Hype ging so weit, dass das etwa 350 Euro teure Handy bei Ebay schon für weit über 600 Euro gehandelt wurde, bevor es überhaupt produziert war. Mittlerweile stehen 50.000 weitere Anwärter auf der Warteliste für die zweite Generation des Handys.

WirtschaftsWoche: Bas van Abel, wie halten Sie diesem Druck Stand?

Bas van Abel: Wir versuchen Schritt für Schritt weiter zu produzieren und dabei nicht zu schnell zu wachsen. Auch auf Risikokapital will ich vorerst verzichten.

Warum? Investoren müssten sich doch finden lassen?

Die gibt es, aber ich möchte das Projekt nicht zu schnell aus der Hand geben. Uns geht es weniger darum, das Fairphone schnell an den Käufer zu bringen, als die Idee hinter dem Produkt aufrecht zu erhalten. Wir wollten mit dem Smartphone Debatten anstoßen. Ein echtes Produkt stand dabei anfangs gar nicht zwingend im Fokus.

Das heißt, Sie wollten gar nicht zum Apple-Konkurrenten werden?

Nein, das Smartphone war nur ein Objekt, für das wir uns entschieden haben, um eine Diskussion über Transparenz in wirtschaftlichen Zusammenhängen herzustellen. Wirtschaft hat mit so vielen verschiedenen Aspekten zu tun: Innovationen, Kultur, Finanzen. Unsere globale Wirtschaft treibt die Welt und ist dabei so komplex, dass der Verbraucher das Gefühl bekommt, ihren Mechanismen machtlos gegenüber zu stehen.

Konnte das Projekt Fairphone da wirklich gegensteuern?

Ich glaube, es ist uns mit dem Smartphone gelungen, das konfuse System für den Endverbraucher wieder zu öffnen. Wir legen Lieferketten offen und erklären genau, wer an welcher Stelle Verantwortung für das Produkt hat – jedenfalls so weit es machbar ist.

Und was hat das gebracht?

Wir haben Transparenz geschaffen und auf Missstände aufmerksam gemacht. Dadurch können sich die Menschen ihre eigene Meinung machen. So sehr wir es uns wünschen – nicht überall ist es möglich, transparent zu sein.

Wie reden hier unter anderem über schlechte Arbeitsbedingungen in der Textilbranche. Oder unterbezahlte Arbeiter in der Baumwollindustrie.

Genau. Doch wer trägt die Verantwortung für das, was da passiert? Die Firmen, die sie beauftragen? Natürlich nicht! Dahinter steht ein Ökosystem, dem auch der Kunde angehört. Um diese Debatte geht es uns.

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