Fernbedienung: Wunderding mit Knöpfen

Fernbedienung: Wunderding mit Knöpfen

von Christopher Schwarz

Der Erfinder der Fernbedienung, Eugen Polley, ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Ob er wohl wusste, warum das Gerät nie dort liegt, wo wir es suchen?

Der klassische Couch-Potato ist ohne dieses Ding nicht denkbar: Dieses kleine, flache, handliche Stück Technik mit den vielen Knöpfen, das man immer wieder suchen muss, weil es nie genau da liegt, wo man es braucht, auf dem Fernseher oder dem Coffee-Table, sondern irgendwo zwischen den Sofakissen oder unter der Zeitung - die kabellose Fernbedienung.

Am vergangenen Sonntag ist ihr Erfinder, der Amerikaner Eugene Polley im Alter von 96 Jahren gestorben.

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Das Hassobjekt der Bildungsbürger

Das Debüt des unscheinbaren Apparats liegt schon länger zurück. 1955 hatte er seinen ersten Auftritt, in den Siebzigerjahren eroberte er Europa – und revolutionierte den Fernsehalltag, denn fortan musste man nicht mehr aufstehen, wenn man an- oder umschalten wollte. Ein kleine Bewegung mit dem Daumen – und die Welt kam anstrengungslos ins Wohnzimmer geflossen, erst in Schwarzweiß, später in Bunt.

Kein Wunder, dass die Fernbedienung zum Hassobjekt aller Bildungsbürger wurde: Dass wir uns, wie ein amerikanischer Bestseller-Titel seinerzeit argwöhnte, „zu Tode amüsieren“, verdanken wir nicht zuletzt diesem kleinen verführerischen Wunderding, das - keine Frage - zum passiven, ja wahllosen Konsum erzieht. „Lest erst das Programm!“ Diesen väterlichen Ratschlag haben die Kinder der Siebzigerjahre heute noch im Ohr – und hielten sich natürlich trotzdem nicht daran. Bestand doch der große Spaß mit der Fernbedienung darin, sich - gleichsam interaktiv - sein eigenes Fernsehprogramm zusammenzubasteln, ein wildes, surreales Mosaik aus Bildern, die in Windeseile alles mit allem verbanden, vom Staatsakt bis zu Tutti Frutti.

Denn erst der Aufstieg des Privat-Fernsehens verlieh, genau genommen, der Fernbedienung ihre Daseinsberechtigung: Nun konnte man endlich aus dem Vollen schöpfen.

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Evolution der Medien

Für die Generation 2.0 ist das natürlich alles von Vorgestern. Aber bitte: Die Fernbedienung hat ihren festen Platz in der Evolution der Medien, wurde im Wegzappen der Programme doch die Wegklickbarkeit der Welt durch das Internet recht eigentlich vorweggenommen und für die im Zeitalter der Smartphones perfektionierte Feinmotorik des Daumens mit der Fernbedienung im Sitzen oder Liegen schon mal vortrainiert.

Manch einer geht sogar immer noch mit seiner Fernbedienung ins Bett, tastet nachts mit der rechten Hand nach dem grauen Ding, knipst noch einmal kurz die Welt an – und schläft beruhigt ein.

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