Fitbits düstere Aussichten: Herzanfall beim Börsenkurs

Fitbits düstere Aussichten: Herzanfall beim Börsenkurs

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Das Modell Blaze von fibit versucht mit modischem Auftritt und Smartwatch-Funktionen, im Wettbewerb mit Samsung, Apple und Nokia zu bestehen.

von Thorsten Firlus-Emmrich

Die Börse watscht Branchenprimus Fitbit ab. Der Markt für Wearables wächst, doch das Unternehmen aus San Francisco hinkt dem Wettbewerb hinterher.

Umsatz gestiegen, Gewinn erwirtschaftet – 30 Prozent Kursverlust. Die Aktie des Marktführers für Fitnesstracker ist gestern so rasch nach unten gegangen wie die Pulskurve eine Patienten mit Herzanfall. Auf unter neun Dollar sank der Kurs auf 8,15 Euro, erst Ende September lag der Kurs noch bei 15,39 Euro. Der Grund für den beispiellosen Kursverlust in der Geschichte des Unternehmens aus San Francisco: Schlechte Aussichten für das letzte Quartal 2016, jenes, in dem die Weihnachtsumsätze dem Unternehmen noch einmal kräftige Gewinne hätten einbringen sollen.

Doch die Erfolgsgeschichte des 2007 vom heutigen Vorstandschef James Park mitgegründeten Unternehmens muss um einige traurige Kapitel erweitert werden. Das ist umso erstaunlicher, da der Markt für die sogenannten Wearables, mit denen die Nutzer unter anderem ihre Schritte zählen oder die Herzfrequenz messen lassen können, wächst und auch weiter wachsen soll. Das Marktforschungsunternehmen IDTechEx rechnet bis 2026 mit jährlich zehn Prozent Zuwachs des Segments bis 2018 und danach 23 Prozent für weitere fünf Jahre, bevor das Wachstum sicher wieder verlangsamt – IDTechEX schätzt, dass die Umsätze der Hersteller von Wearables von 30 Milliarden Dollar Umsatz in 2016 auf 150 Milliarden in 2026 steigen.

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Engpässe im Weihnachtsgeschäft befürchtet

Parker musste den unerwartet schlechten Ausblick einräumen. "Wir wachsen weiter und sind profitabel - aber nicht mit dem zuvor erwarteten Tempo." Fitbit zufolge gibt es Probleme beim Hochfahren der Produktion seines günstigen Armbands Flex 2. Damit könnte es im Weihnachtsgeschäft Engpässe geben. Im vergangenen Quartal verkaufte Fitbit 5,3 Millionen Geräte. Das war ein deutlicher Zuwachs ausgehend von 4,8 Millionen ein Jahr zuvor. Der Umsatz wuchs um 23 Prozent auf 504 Millionen Dollar. Der Quartalsgewinn ging jedoch unterdessen von 45,8 auf 26,1 Millionen Dollar zurück. 

Das größere Problem als Lieferschwierigkeiten könnte jedoch sein, dass Fitbit im Wettkampf um das Handgelenk gegenüber den Wettbewerbern ins Hintertreffen gerät. Waren das in den Anfängen der Trackingbänder vor allem Unternehmen wie Jawbone, liefern nun Unternehmen die gleichen Leistungen, die aus der Uhrenbranche oder der Computerindustrie stammen.

Allen voran ist die Applewatch mit der jüngsten Series 2 zwar nicht an der technologischen Speerspitze der sportiven Smartwatches. Aber für die Gelegenheitssportler und Menschen, die lediglich einen Überblick über ihre Gesundheitsmetriken wünschen, reichen die Daten allemal aus. Der Selbstoptimierer kann heute aus einer ganzen Reihe von Messinstrumenten wählen, die immer häufiger nicht mehr danach aussehen.

Das amerikanische Unternehmen Garmin, früher vor allem für seine Navigationsgeräte bekannt, deckt inzwischen mit Fitnessarmbändern für den Alltag bis zu Spezialuhren für Läufer und Triathleten eine ganze Bandbreite von Bedürfnissen ab. Und alle enthalten von Haus aus die Basisfunktionen eines Schrittzählers. Garmin konnte bei 722 Millionen US-Dollar Umsatz im vergangenen Quartal vor allem bei den Wearables punkten. Das Segment wuchs mit 32 Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal.

Markt mit Potenzial und wachsendem Wettbewerb

Dass der Markt für Wearables noch Luft nach oben hat, zeigt sich derweil an vermeintlichen Nischenanbietern. Das französiche Unternehmen Withings, das sich darauf spezialisiert hat, Fitnesstracker anzubieten, die wie herkömmliche analoge Armbanduhren mit echten Ziffern aussehen, wurde im April von Nokia übernommen.

Fitnesstracker machen Angst "Eichen Sie Ihren Körper"

Trendthema beim Mobile World Congress: Fitnessarmbänder der neuesten Generation erfassen immer mehr Daten - und sollen das Sporttreiben verbessern. Nur nicht nervös machen lassen, rät der Wissenschaftler Ingo Froböse.

Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln ist bei allen Themen rund um Sport und Fitness am Start Quelle: PR

Auch Samsung will auf dem Markt für Smartwatches mit Fitnessfunktionen mitmischen. Die jüngste Generation der Gear S3 kommt am 18. November für den Preis von 400 Euro auf den Markt. Sie enthält neben Sensoren auch einen GPS-Empfänger.

Das Betriebssystem Android Wear wiederum findet sich seit Herbst diesen Jahres auch auf der ersten kombinierten Sport- und Smartwatch des finnischen Familienunternehmens Polar. War Polar bislang vor allem bei Ausdauersportlern beliebt, soll das jüngste Modell M600 mit zwei parallel laufenden Betriebssystemen die Sportfunktionen der eigenen Ingenieure mit den Smartwatchoptionen des Androidreichs verknüpfen.

Angesichts des wachsenden Wettbewerbsdrucks heißt das für Branchenprimus Fitbit und seine Aktionäre: Erhöhter Pulsschlag beim Blick auf den Kurs, zumindest bis ins neue Jahr. 

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