Fitnesstracker machen Angst: "Eichen Sie Ihren Körper"

InterviewFitnesstracker machen Angst: "Eichen Sie Ihren Körper"

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Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln ist bei allen Themen rund um Sport und Fitness am Start

Trendthema beim Mobile World Congress: Fitnessarmbänder der neuesten Generation erfassen immer mehr Daten - und sollen das Sporttreiben verbessern. Nur nicht nervös machen lassen, rät der Wissenschaftler Ingo Froböse.

Herr Froböse, auf dem Mobile World Congress werden neben Smartphones auch neue Fitnesstracker vorgestellt. Neben Schrittzählung können immer mehr sowohl den Schlaf aufzeichnen als auch die Herzfrequenz messen. Ein hilfreiches Instrument, oder Spielerei?

Ingo Froböse: Das Problem sind weniger die Geräte, sondern der Wissensstand der Nutzer. Einige Daten sind für den Laien oft wertlos, denn es fehlt das nötige Hintergrundwissen, um die Zahlen sinnvoll zu nutzen.

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Was zum Beispiel?

Nehmen wir die Herzfrequenzvariabilität, die heutzutage von einigen Geräten gemessen werden kann. Damit können sie den Leistungsstand eines Menschen beurteilen. Das Problem ist, dass je höher die Variabilität ist, desto mehr zeigt das einen gesunden Zustand des Nutzers an. Viele Menschen denken bei hoher Herzfrequenzvariabilität zunächst an das sprichwörtliche "unruhige" Herz. Dass es ungleichmäßig schlägt. Damit hat es aber nichts zu tun.

So können Werte Menschen ängstlich und nervös machen. So erzielt man unter Umständen sogar das Gegenteil von dem, was man erreichen möchte: Eine bessere Gesundheit.

Wenn ich das aber einmal verstanden habe, kann ich das ja dennoch als Maßstab für meine Gesundheit nehmen. Was für weitere Probleme muss ich beachten?

Was alle diese Geräte schlecht bewerten können, ist die Tagesform. Wir sind nicht an allen gleichen Tagen gleich gut drauf. Unsere Werte schwanken also, ohne dass es ein großer Grund zur Besorgnis ist. Zudem fühlen sich Menschen von Werten überfordert, die so nicht unbedingt für sie angemessen sind.

Wieso?

Die Fitnesstracker berechnen ihre Aussagen über den Zustand auf Basis von Daten von gesunden Menschen. Die Algorithmen arbeiten mit Datenmaterial, das nicht berücksichtigt, wenn Menschen krank oder sehr alt sind. Die Geräte arbeiten mit Normwerten, die nicht existieren. Training kann nur individuell sein.

Was also tun?

Eichen Sie ihren Körper. Nutzen Sie Activity Tracker und Sportuhren zur Dokumentation. Aber hören Sie auf ihren Körper. Bilden Sie die eigene Kompetenz und gleichen ihr Gefühl mit den Daten der Geräte ab. Steht das Körpergefühl in Kongruenz zu den Daten? Wenn das über längere Zeit der Fall ist, dann können Sie das Fitnessarmband auch wieder ablegen.

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