
Schon seit der milliardenschweren Versteigerung der UMTS-Lizenzen fantasieren Internet-Vordenker von Location Based Services. Doch einen wirklichen Durchbruch erlebten sie bislang nicht. Letztlich hatten die meisten vor allem ein Problem: „Sie waren zu früh dran“, sagt Foursquare-Mitgründer Crowley. Er weiß, wovon er spricht: Sein erstes Startup Dodgeball basierte auf einer ähnlichen Idee. „Heute sind die Menschen offener für solche Dienste“, hat Crowley gelernt.
Vor allem aber waren nie so viele Menschen in der Lage, lokale Handydienste zu nutzen. Die Zahl verkaufter Multimediahandys klettert von Rekord zu Rekord: Im vierten Quartal 2009 wurden laut den Marktforschern von IDC weltweit 54,5 Millionen Smartphones ausgeliefert, knapp 40 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Mobilfunkexperten des schwedischen Analysehauses Berg Insight schätzen, dass die Nutzerzahl ortsbasierter Dienste schon 2014 rund 130 Millionen erreicht. Treiber der Entwicklung seien vor allem lokale Suche, Navigation – und soziale Netzwerke.
Der wichtigste Grund für den Erfolg von Foursquare sei „der spielerische Ansatz“, sagt Mobilfunkexpertin Scholz. „Der bringt die Menschen dazu, die Dienste immer wieder zu nutzen.“ Mindestens ebenso wichtig aber sei, dass Foursquare-Mitglieder „die Kontrolle über ihre Daten behalten“, sagt Scoble. Das Programm verortet sie nie automatisch. Das unterscheidet Foursquare auch von Angeboten wie Googles Latitude, die der Gemeinde automatisch anzeigen, wer sich wo gerade aufhält.
Foursquare kooperiert mit Konzernen
Dabei haben sich die Foursquare-Gründer über solche Dinge zunächst keine Gedanken gemacht. Die Plattform war eigentlich nur für den eigenen Freundeskreis gedacht, „um auf eine andere Art miteinander in Kontakt zu bleiben“, wie Crowley sagt. „Dass Foursquare so schnell so groß wurde, hat uns sehr überrascht.“
Anders als Twitter, das noch immer nach Möglichkeiten sucht, aus seinem Erfolg Erlös zu schlagen, haben die Gründer von Foursquare immerhin schon eine Idee, wie sie mit ihrem Spaßprojekt Geld verdienen wollen: Läden oder Restaurants können Besucher mit Freigetränken locken. Foursquare könnte dabei zu einer lokalen Anzeigenplattform werden.
Wichtiger sind derzeit noch die Kooperationen: Mit dem Magazin „Lucky“ aus dem Hause Condé Nast etwa bietet Foursquare einen Infodienst zur Modemesse New York Fashion Week. Ausstellungsbesucher erhalten bei Foursquare je nach Aufenthaltsort Tipps für gute Bars, angesagte Shows sowie Informationen über kabellose Internet-Zugänge oder ruhige Cafés.
Solche Kooperationen ermöglichen treffgenaueste digitale Werbung. Bei der Elektronikmesse CES im Januar in Las Vegas bekamen Foursquare-Nutzer Werbung des Chipherstellers Intel angezeigt, sobald sie sich in den Messehallen anmeldeten. Der Medienkonzern Warner vereinbarte eine Kooperation, um den Film „Valentine’s Day“ zu bewerben. Sogar die New York Times hat bei Foursquare unterschrieben und testet derzeit die Zusammenarbeit bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver.
Prinzip Check-in
„Wir versuchen gerade viel und sehen, was funktioniert“, berichtet Mitgründer Crowley. Dafür ist es höchste Zeit. Denn auch soziale Netzwerke arbeiten an Check-in-Funktionen – allen voran Facebook und Twitter. Es ist deshalb keineswegs ausgemacht, dass Foursquare so schnell wachsen werde wie Twitter.
Was aber laut Scoble dennoch völlig klar sei: So wie Twitter das Kommunikationsverhalten seiner Nutzer verändert habe, so werde das „Prinzip Check-in“, wie er es nennt, die Art verändern, wie wir in Kontakt bleiben.
Und auch, welche Wahrheiten wir über uns verbreiten. Scoble lebt das vor. Kurz bevor er nach Hause kommt, in sein Haus in der Nähe von Half Moon Bay an der kalifornischen Küste, checkt er im nahegelegenen Luxushotel Ritz Carlton ein. Dort ist er inzwischen Mayor: „Es muss ja nicht jeder wissen, wo ich wohne.“












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Alle Kommentare lesen14.11.2011, 14:04 UhrAnonymer Benutzer: Noergelmann
"Mütter etwa, die auf Spielplätzen einchecken, signalisieren bei Foursquare nicht nur anderen Müttern, dass sie da sind. Zugleich zeigen sie Werbetreibenden, dass sie gerade ein paar Minuten Leerlauf haben." Frau Scholz zeigt mir mit solchen Statements, dass sie entweder keine Kinder hat oder nicht auf sie aufpasst. Nichts gegen eine Anzeige aus dem Kinderbedarfs-Umfeld nach dem Spielplatz-Check-in. Aber mehrere Minuten _ungeteilte_ Aufmerksamkeit würde ich meinem Kunden lieber nicht verkaufen.
20.03.2010, 22:08 UhrAnonymer Benutzer: Eric dalsace
kuerzlich ging Friendticker aus berlin beta. ihr Ansatz bietet meineserachtens viel mehr als Forusquare's Ansatz. bei Friendticker kann man spielerisch geldwerte Vorteile sammeln und spaeter gegen Ware oder Services eintauschen. Dazu kann man nicht nur locations sammeln, sondern jegliche Art von Guetern.
01.03.2010, 14:01 UhrAnonymer Benutzer: Hans aus HH
Liebe Obstgemeinde, endlich mal ein wirklich tolles. Foursquare bietet ungemeine und gemeine Nebenenffekte. Nämlich diesen einen z.b. "Liebe Einbrecher, ich bin jetzt nicht zu Hause, bitte raubt mich aus!"
Und wie gerne läßt man sich ungewollt beschatten, auch nett!