Foursquare & Co.: Mobile soziale Netzwerke - das nächste große Ding?

Foursquare & Co.: Mobile soziale Netzwerke - das nächste große Ding?

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iPhone-Apps: Bild kommunizierte nicht vernünftig, dass das App eigentlich ein Abo ist

von Sebastian Matthes

Es ist der ultimative Albtraum jedes Datenschützers. Millionen Menschen verraten Online-Diensten wie Foursquare, Gowalla oder Google Buzz , wo sie sind. Die Netzwerke verbinden Realität und Internet – und schaffen neue Geschäftsmodelle.

Dass Robert Scoble in Paris ist, wussten nach einer Stunde mehr als 4000 Menschen. Als er sein Hotelzimmer nahe Notre-Dame bezogen hatte, öffnete er auf dem iPhone ein Programm namens Foursquare und drückte den Button „Check-in“. Umgehend lokalisierte ihn die Software in der französischen Hauptstadt und schickte seinen Bekannten die Ankunftsnachricht. Zugleich verriet ihm Foursquare, was andere Nutzer, die vor ihm in der Gegend wohnten, entdeckt hatten. Etwa, dass eine der beliebtesten Bäckereien der Stadt nur ein paar Schritte entfernt ist.

Scoble ist einer der bekanntesten Technik-Blogger der Welt. Und wenn der Amerikaner Neuigkeiten im Netz aufstöbert, werden sie nicht selten zu Megatrends. Foursquare, schrieb Scoble kürzlich, werde einmal größer als der viel diskutierte Kurznachrichtendienst Twitter.

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Foursquare ist ein Hybrid aus einem Freunde-Radar, einem lokalen Empfehlungsportal, einem virtuellen Spiel und einer Plattform für lokale Werbung. Das Programm kann anhand von GPS-Daten und anderen Positionsinformationen des Telefons bestimmen, wo sich der Nutzer aufhält. Auf Wunsch zeigt es eine Liste mit Orten, die sich in der Nähe befinden.

Foursquare macht Nutzer zu virtuellen Bürgermeistern

Wer den Check-in-Button klickt, meldet via Netzwerk allen Bekannten, wo er ist. Lohn für eifrige Mitglieder: Wer am häufigsten an einem Ort eingecheckt hat, wird „Mayor“, also Bürgermeister. Scoble ist mittlerweile Mayor von acht Orten. Unter seinen Freunden, sagt er, herrsche bereits ein Wettkampf, „wer Mayor der bekanntesten Bars im Silicon Valley wird“.

Noch vor wenigen Jahren hätte die Idee geklungen wie der ultimative Albtraum jedes Datenschützers. Heute gehören ortsbasierte Handydienste zu den wichtigsten Internet-Trends des Jahres: Foursquare hat zwar erst rund eine halbe Million Nutzer, dafür aber mehr als 1,3 Millionen Dollar Risikokapital eingesammelt. Die Investoren rissen sich darum, ihr Geld bei dem Startup unterzubringen.

Vor knapp einem Jahr gestartet, wächst Foursquare jeden Monat um 70 Prozent. Die Zahl der Check-ins klettert „alle vier Wochen um 120 Prozent“, sagt Dennis Crowley, der die New Yorker Firma mit seinem Studienfreund Naveen Selvadurai gegründet hat.

Weitaus präzisere Werbung

Foursquare ist der Star einer Schar neuer mobiler Netzwerke mit Ortsbezug. Wie die Plattform Gowalla oder der kalifornische Dienst Brightkite. Und seit wenigen Tagen ist auch Google mit seinem Kurznachrichtendienst Buzz am Start, der in das hauseigene E-Mail-Programm eingebaut wurde. Auch Buzz soll den Aufenthaltsort von Nutzern herumposaunen.

Die neuen Dienste verknüpfen das Internet mit der realen Welt. Bislang war es sozialen Netzwerken weitgehend egal, wo ihre Mitglieder waren. Die Kommunikation, das Informationsbedürfnis und der Aufenthaltsort des Nutzers blieben getrennt. Jetzt fließt all das zusammen. Bislang bildeten sich Internet-Netzwerke um Menschen, die sich kennen. Foursquare & Co. knüpfen soziale Netzwerke auch um Orte herum. Es geht nicht mehr nur um die Frage, wen man kennt, wie bei Facebook. Es geht darum, wo man sich aufhält, welche Freunde in der Nähe sind, und vor allem: was man tut.

Haben Werber diese Informationen beisammen, „können sie weitaus präzisere Spots und Banner abspielen“, sagt Heike Scholz, Mobilfunkexpertin und Chefin des Branchendienstes Mobile Zeitgeist. „Das bietet ein großes Potenzial.“ Mütter etwa, die auf Spielplätzen einchecken, signalisieren bei Foursquare nicht nur anderen Müttern, dass sie da sind. Zugleich zeigen sie Werbetreibenden, dass sie gerade ein paar Minuten Leerlauf haben.

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