Fußball: Torlinientechnik kommt zur WM in Brasilien

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Fußball: Torlinientechnik kommt zur WM in Brasilien

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Tor oder nicht? Diese Situation im EM-Spiel England-Kroatien befeuert die Debatte um technische Hilfsmittel.

Ein umstrittenes Tor wie einst in Wembley soll es bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 nicht mehr geben: Die Fifa beschloss am Dienstag bei der WM in Brasilien erstmals die Schiedsrichter bei einem großen Turnier mit einer Torlinientechnologie zu unterstützen. Getestet werden soll schon bei der WM-Generalprobe Confederations Cup in diesem Jahr.

Die Entscheidung bedeutet eine Revolution im internationalen Fußball. Anders als in vielen anderen Sportarten wie etwa dem Eishockey hatte die Fifa lange technische Hilfsmittel für strittige Schiedsrichter-Entscheidungen abgelehnt. Auslöser für die Kehrtwende des konservativen Verbands war die 1:4-Niederlage Englands im Achtelfinale gegen Deutschland bei der WM in Südafrika 2010.

Damals hatte das Schiedsrichtergespann England beim Stand von 1:2 ein Tor versagt, obwohl der von der Latte abprallende Ball klar hinter der Linie aufschlug. Viele Fans fühlten sich an das WM-Finale von 1966 erinnert, als England dank eines ähnlich umstrittenen Tores Deutschland im legendären Londoner Wembley-Stadion mit 4:2 besiegte.

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Der Einsatz der Technik kommt nicht überraschend. Bereits im letzten Sommer sagte der FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke: "Wir wollen das System für die WM 2014 etabliert haben." Aktuell startet der Fußballweltverband eine Ausschreibung für die verschiedenen Systeme, die zum Teil schon bei der Club-WM im Dezember in Japan erprobt wurden. Dabei handelt es sich um die Hawkeye-Technik, die auf mehrere computergestützte Hochgeschwindigkeitskameras setzt, sowie die Chip-im-Ball-Technik Goalref. Aber auch zwei weitere, in Deutschland entwickelte Systeme könnten zum Zug kommen.

Das Falkenauge (Hawkeye) hat den Nachteil, dass es nicht funktioniert, wenn beispielsweise der Torwart auf dem Ball liegt. Zudem gilt es durch den Einbau mehrerer Kameras als teurer. Die Fraunhofer-Technik funktioniert ähnlich wie eine Diebstahlsicherung im Kaufhaus: Ein Magnetfeld erkennt, ob der im Ball integrierte Chip hinter der Linie ist, dazu müssten „nur“ die Tore umgerüstet und mit entsprechenden Sensoren ausgestattet werden.  Die Chiptechnologie des Fraunhofer-Instituts könnte in einer erweiterten Version auch Trainern zusätzliche Möglichkeiten bei der Spielanalyse geben.

Viele Bundesligagrößen haben sich für technische Hilfsmittel ausgesprochen, darunter Wolfsburgs Felix Magath, Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge oder Gladbach-Trainer Lucien Favre. Sollte das IFAB beide Technologien zulassen, wären die nationalen Verbände und Ligen am Zuge. Sie müssten dann entscheiden, auf welches Hilfsmittel künftig gesetzt wird.

Und auch die praktische Umsetzung wirft zahlreiche Fragen auf:

  • Bleiben die Systeme auf den Profifußball beschränkt oder muss im Extremfall jeder Dorfsportplatz umgerüstet werden?

  • Was passiert im DFB-Pokal, wenn ein Amateur-Club eine Fußball-Größe empfängt?

  • Wie hoch wären die Kosten für Anschaffung und Unterhalt der Anlagen und wer würde diese tragen?

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Bundesinnenminister Friedrich gab bereits im vergangenen Jahr zu Bedenken: „Das verändert den Fußball, es gelten nicht mehr die gleichen Bedingungen von der Bundesliga bis hinunter in die A-Klasse“, erklärte der CSU-Politiker und fragte sich: „Steht bei den Amateuren immer einer mit der Handkamera hinter dem Tor?“ Viele Traditionalisten argumentieren, mit der Einführung technischer Hilfsmittel, könnte der Fußball seinen besonderen Reiz verlieren – doch Gründe für ausgiebige Stammtischdiskussionen bleiben noch lange bestehen.

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