Gadgets : Canon entdeckt das Internet

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Gadgets : Canon entdeckt das Internet

von Thomas Kuhn

Der Kamerariese Canon startet sein erstes Onlineportal für Fotofreunde. Das Angebot Irista ist bisher zwar weder üppig noch innovativ, aber strategisch längst überfällig.

Es war vor knapp zwei Jahren auf der Photokina in Köln, als mich Rokus van Iperen, Canons damals frisch berufener Europa-Chef, zur einer unscheinbaren Infosäule auf seinem Messestand führte. Etwas abseits der Flut glänzender Kameraneuheiten im gleißenden Scheinwerferlicht, zeigte er mir auf zwei Bildschirmen den Prototyp eines Online-Fotoportals, das die Canon-Entwickler nach der Messe für einen kleinen Kreis Beta-Tester öffnen wollten. Die „Project 1709“ genannte Plattform, so unscheinbar sie aussah, war für mich eine von Canons wichtigsten Messeneuheiten.

Als erster der großen Fotokonzerne nämlich erkannte der Kamerariese, dass der Wettbewerb ums Bild künftig nicht mehr (alleine) mit Kamerafeatures, Megapixelsensoren, Serienbildgeschwindigkeiten oder der Vergütung von Linsen entschieden wird. Zumindest die innovativeren unter Canons Managern wussten, dass die künftigen Konkurrenten in der Fotowelt viel weniger Nikon, Sony oder Olympus heißen. Es sind vielmehr Flickr, Picasa oder Pinterest ­– und die von ihnen entwickelten Mehrwert-Dienste im Netz.

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Dann aber wurde es wieder still um Project 1709. Bis heute.

Denn knapp drei Monate vor der nächsten Photokina geht Canons digitaler Bilderspeicher nun als Live-Produkt ins Netz. Unter dem offiziellen Namen „Irista“ stellt der Kamerariese Fotofreunden ab sofort so etwas wie den intelligenten Sammelkarton für Digitalbilder im Internet bereit.

Dort können sie einerseits ihre Aufnahmen über den PC hochladen oder von anderen Portalen im Netz importieren. Andererseits könne sie die Bilder dort anhand von Schlagworten, Datum, Kamera- oder Objektivtyp kategorisieren, beziehungsweise zu „Memento“ genannten Alben zusammenstellen. Dabei ist es egal, wie die Bilder entstanden sind, ob mit einer Canon- oder einer anderen Kamera geschossen, oder als Schnappschuss am Smartphone.

Zum Start funktioniert der Online-Import aus Facebook und Flickr, die Anbindung anderer Plattformen wie etwa Googles Picasa dürfen demnächst folgen. Bis zu zehn Gigabyte Online-Speicherplatz gibt es kostenlos, 50 Gigabyte sollen monatlich 4,99 Euro kosten, 100 Gigabyte 10,99 Euro.

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Das allerdings ist weder üppig noch wirklich innovativ. Bilderspeicher gibt’s im Netz schon einige. Googles Picasa-Webalben etwa bieten 15 Gigabyte Gratis-Speicher. Und die Yahoo-Tochter Flickr stellt ihren Nutzern sogar ein ganzes Terabyte an Netz-Ablage zur Verfügung. Und im Gegensatz zu Canons Irista bieten beide ihren Nutzern auch noch die Möglichkeit, die Bilder elektronisch aufzuhübschen, Belichtungsfehler zu korrigieren oder den Bildausschnitt neu zu wählen. So kommt Irista geradezu spartanisch daher – und überteuert.

Trotzdem ist dieser – jenseits von Marketing- und Supportangeboten – erste Schritt ins Netz absolut richtig. Und er war überfällig. Denn wie in fast allen Branchen verändert die Digitalisierung das Geschäft auch in der Fotowelt radikal. Nicht nur, dass längst mehr Fotos mit Smartphones geschossen werden. Bilder teilen, sie über soziale Netze zu verbreiten, zu gestalten oder zu verwalten, das ist der entscheidende Fototrend in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts.

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