Gesundheits-Apps: Grüne warnen vor Aushöhlung des Solidargedankens

Gesundheits-Apps: Grüne warnen vor Aushöhlung des Solidargedankens

Immer mehr Menschen nutzen Fitnessarmbänder - und immer mehr Krankenkassen überlegen, das zu belohnen. Doch welche Folgen hat das für ältere oder chronisch kranke Versicherte?

Die Grünen haben vor einer Aushöhlung des Solidargedankens in der Krankenversicherung durch Gesundheits-Apps gewarnt. „Beitragsermäßigungen durch die Hintertür für junge und fitte zu Lasten älterer oder chronisch kranker Versicherter sind zutiefst unsolidarisch“, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Maria Klein-Schmeink, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Techniker Krankenkasse (TK) erwägt, die Nutzung von Fitnessarmbändern in ihr Bonusprogramm zu integrieren. Ein Bonusprogramm weiche aber nichts am Solidarsystem auf, sagte TK-Chef Jens Baas der Deutschen Presse-Agentur. „Eher im Gegenteil: Eine Solidargemeinschaft kann nur funktionieren, wenn es in ihr auch genügend gesunde Menschen gibt. Deshalb ist es uns wichtig, uns nicht nur für die medizinische Versorgung Kranker einzusetzen, sondern auch zu honorieren, wenn sich Versicherte um ihre Gesundheit kümmern.“

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Klein-Schmeink argumentierte, insbesondere im Bereich der privaten Krankenversicherung sei der Einsatz solcher Minicomputern, die den Gesundheitszustand von Versicherten bis ins Detail vermessen könnten, „ein weiteres Einfallstor für eine fortschreitende Aushöhlung des Solidargedankens“. Sie warf der Bundesregierung vor, hier wegzuschauen und damit wieder einmal zu offenbaren, „wie wenig ihr an einer starken Solidarität aller Versicherten gelegen ist“.

Was messen die Gadgets?

  • Herzfrequenz

    Die Herzfrequenz, oder auch Puls, sagt viel über den Zustand des Körpers aus. Ein Ruhepuls, der früh am morgen sehr niedrig ist, wird meist als Hinweis auf eine gute Kondition genommen. Liegt diese unter 40 gehört der Mensch vermutlich zur Gruppe der sehr sportlichen Menschen. Einzelne Sportuhren messen aus der Herzfrequenz und der der Herzfrequenzvariabilität den Fitnesszustand. Dieser Test wird zum Beispiel im Ruhen ausgeführt. Wichtig ist, dass der Nutzer die eigene maximale Herzfrequenz kennt. Als Faustregel gilt 220 minus Alter. Das ist jedoch recht ungenau. Am leichtesten lässt sie sich mit einer Sportuhr bei einem Dauerlauf ermitteln. Dazu einen Dauerlauf von mindestens 30 Minuten, gerne länger, mit einem Sprint, wenn möglich sogar leicht bergauf abschließen.

  • Schlaf

    Der Mensch schläft in verschiedenen Phasen. Zu den wichtigsten zählen die Tiefschlafphasen. In denen bewegt sich der Mensch vergleichsweise wenig. Diesen Umstand nutzen die Activity Tracker. Ihr integrierter Sensor verzeichnet keine oder wenig Bewegung. Auch unruhiger Schlaf wird somit aufgezeichnet. Einzelne Modell geben an, zu wie viel Prozent der Schlaf erholsam war.

  • Schritte

    Der Körper bewegt sich mit jedem Schritt nach vorne - und nach oben und zur Seite. Die Activity Tracker sind mit Sensoren ausgestattet, die Bewegung in jede Richtung messen. 10.000 Schritte werden oft als erstrebenswerte Zahl pro Tag angesehen. Wer viel Fahrrad fährt, macht für einen Activity Tracker im Prinzip keinen Schritt und es zählt so viel wie Auto fahren. Deswegen ist es sinnvoll, einen Tracker zu nutzen, der es erlaubt, Sporteinheiten zu aufzuzeichnen.

  • Ernährung

    Neben der Frage, wie viel Kalorien der Nutzer verliert, ist für den Wunsch nach Gewichtsverlust entscheidend, wie viel er zu sich nimmt. So verbrauchen viele Sportarten weit weniger Kalorien als man sich erhofft. 1 Stunde Laufen sind unter Umständen rund 700 Kalorien - das ist gerade mal etwas mehr als eine Tafel Schokolade mit sich bringt. Wer ein Kalorientagebuch führen möchte, kommt leider nicht drum herum, dies in einer App im Smartphone einzutragen. Ein System, das erkennt, was man isst, ist bei den hier vor gestellten Modellen nicht dabei.

  • Trinken

    Was für die Ernährung gilt, gilt auch für den Wasserhaushalt. Apps wie Lifesum für Apples iOS erlauben es, die Zahl der getrunkenen Gläser Wasser einzugeben. Ein Gerät, dass dies von allein erkennt, gibt es leider nicht.

Mit Blick auf den Datenschutz sagte die Grünen-Politikerin: „Die Daten, welche durch den kleinen Begleiter am Handgelenk oder in der Hosentasche erhoben werden, dürfen nicht ohne das Wissen und die Zustimmung der Patientinnen und Patienten in die Hände Dritter gelangen.“ Patienten müssten „die volle Souveränität über ihre Daten erhalten.

Sie müssen jederzeit entscheiden können, was mit ihren Daten passiert. Nach Angaben der Bundesregierung erfreuen sich Gesundheits-Apps und sogenannte Wearables einer zunehmenden Beliebtheit. Laut einer Umfrage des Branchenverbandes Bitkom würde ein Drittel der befragten Nutzerinnen und Nutzer ihre Gesundheitsdaten an Krankenkassen weitergeben, etwa um im Gegenzug Vorzüge zu erhalten.

Fitness-Spezialist Fitbit enttäuscht Anleger mit Ausblick

Der Spezialist für Fitness-Uhren und -Armbänder, Fitbit, hat zwar ein gutes Weihnachtsgeschäft hinter sich gebracht, der Ausblick für das laufende Quartal enttäuscht jedoch die Anleger. Die Aktie fällt nachbörslich.

Fitbit enttäuscht Anleger mit Ausblick Quelle: REUTERS

Es gebe zwar große Potenziale bei der Informationsvermittlung, der Unterstützung beim individuellen Training und der Förderung des Gesundheitsbewusstseins durch die Minicomputer, aber auch erhebliche Risiken besonders für die sensiblen Gesundheitsdaten der Versicherten. Nach einer Studie im Auftrag des Justizministeriums sehen 39 Prozent der Befragten die Verwendung ihrer Daten durch Dritte als Problem an. TK-Chef Baas kann sich durchaus vorstellen, dass in Zukunft auch Fitnesstracker im Bonusprogramm der Krankenkasse eine Rolle spielen.

Er stellte aber klar, dass die Teilnahme freiwillig sei. „Mit Risikobewertung hat das nichts zu tun.“ Anders als die private kenne die gesetzliche Krankenversicherung keine Risikoprüfung oder -bewertung ihrer Versicherten. „Jeder wird ohne Ansehen seiner Person versichert.“

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