Google: Technologie für Roboterautos kommt in eigene Firma

Google: Technologie für Roboterautos kommt in eigene Firma

Seit 2009 schickte Google Roboterwagen auf die Straße. Aus dem Projekt wird nun eine Firma unter dem Dach des Mutterkonzerns Alphabet. Nach wie vor ist aber unklar, wie viele Autobauer Googles Technik wollen.

Die Google-Mutter Alphabet bringt die Entwicklung von Technik für selbstfahrende Autos in eine eigenständige Tochterfirma unter ihrem Konzerndach. Sie werde Waymo heißen, gab ihr künftiger Chef Jon Krafcik bekannt. „Wir sind eine Firma, die sich mit Technologie für autonomes Fahren beschäftigt“, betonte er. Schon zuvor wiederholten Google-Manager stets, man wolle nicht selbst zum Autobauer werden, sondern strebe Deals mit etablierten Herstellern an. Google schickte schon 2009 die ersten Autos mit Technik für autonomes Fahren auf die Straße. Seitdem seien über 3,2 Millionen Kilometer zurückgelegt worden, erklärte Krafcik. Zunächst waren es umgebaute Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus, inzwischen testet Google auch Autos aus eigener Entwicklung. In einem der kleinen elektrischen Zweisitzer wurde im Oktober 2015 an blinder Mann ohne eine zusätzliche Person an Bord in Austin in Texas befördert. Google zufolge war es die weltweit erste Fahrt dieser Art, bei der der Computer komplett auf sich allein gestellt war.

Zugleich soll laut einem Medienbericht die Entwicklung des eigenen selbstfahrenden Google-Autos ohne Lenkrad und Pedale vorerst nicht weiter vorangetrieben werden. Stattdessen solle es verstärkt um Kooperationen mit Autoherstellern bei traditionelleren Fahrzeugen gehen, schrieb der Silicon-Valley-Branchendienst „The Information“ am Dienstag.

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Dadurch mache man sich Hoffnungen, bereits Ende 2017 einen kommerziellen Fahrdienst mit selbstfahrenden Autos an den Start zu bringen, hieß es unter Berufung auf informierte Personen. Der Zeitplan dabei hänge aber von der Entwicklung des Prototyps mit Fiat Chrysler ab. Dabei werden nach früheren Ankündigungen zunächst 100 Minivans des Modells Chrysler Pacifica umgebaut, um Googles Roboterwagen-Technik in den Fahrzeugen unterzubringen.

Noch viele Hürden für selbstfahrende Autos

  • Was ist autonomes Fahren?

    Autopiloten sind in Flugzeugen Standard. Auch in Schiffen übernimmt zumindest außerhalb der Häfen oft der Computer das Ruder. Am Ende geht es auch beim autonomen Fahren um einen Autopiloten, der das Fahrzeug steuert. Doch der Autoverkehr ist komplex. Auf der Autobahn können die Prototypen der Industrie bereits ohne größere Probleme ohne Eingriffe des Fahrers unterwegs sein. Im Stadtverkehr wird es schon schwieriger. Halbautomatische Funktionen sind allerdings inzwischen Alltag. Ob Tempomaten, Einparkhilfen, Stauassistenten oder Abstandsregler - viele Funktionen entlasten den Fahrer bereits. Auch etwa Mähdrescher können längst eigenständig über das Feld fahren.

  • Was sind die Vorteile?

    Eins der wichtigsten Argumente ist die Sicherheit. Die meisten Unfälle gehen auf Fahrfehler zurück. Weit oben in der Statistik: zu hohe Geschwindigkeit, zu geringer Abstand oder Abbiegefehler. Automatisch gesteuerte Autos würden solche Fehler minimieren. Denn Risikofreude, Spaß an der Geschwindigkeit und Selbstüberschätzung kennt ein Computer nicht. Er bremst, wenn der Abstand zu gering wird und nimmt nicht aus Unachtsamkeit anderen die Vorfahrt.

  • Wie weit ist die Technik?

    Die Entwicklung ist recht weit fortgeschritten. BMW etwa testet seit Jahren automatisch fahrende Autos, auch auf deutschen Autobahnen. Die Fahrzeuge können auch eigenständig überholen. Solche Tests müssen sich die Hersteller aber von Behörden genehmigen lassen. Audi ließ jüngst zur US-Technikmesse CES einen Wagen „autonom“ rund 900 Kilometer aus dem Silicon Valley nach Las Vegas fahren. Auch Daimler präsentierte auf der CES seine Vision für ein selbstfahrendes Auto der Zukunft. Der silberne Mercedes-Prototyp fuhr autonom auf die Bühne nach einer Tour durch die Wüste und die Hotel-Meile der Glücksspiel-Stadt. Zumindest für die Autobahn können sich manche Hersteller pilotiertes Fahren bereits in fünf bis sieben Jahren vorstellen.

  • Wer trägt die Verantwortung für so ein Auto?

    Hier beginnen die Schwierigkeiten jenseits der Technik. Die erste Hürde ist das „Wiener Übereinkommen für den Straßenverkehr“ von 1968, das die Basis für die meisten Verkehrsregelungen ist. Darin gibt es zwar Hinweise zu Zugtieren, aber von selbstfahrenden Autos ist nicht die Rede. Dafür aber davon, dass jedes Auto einen Fahrer braucht, der am Ende verantwortlich ist. Dass Autofahrer am Ende Verantwortung und Kontrolle völlig abgeben werden, gilt eher als unwahrscheinlich. Noch fehlen dafür aber Regeln und Gesetze. Bei den bisher fahrenden Prototypen auf normalen Strecken müssen in Deutschland die Fahrer darauf geschult sein.

  • Was heißt das für Autoversicherung?

    Europas größter Versicherer, die Allianz, würde auch selbstfahrende Autos versichern. Allerdings würde sich die Risikoeinschätzung ändern, denn das Risiko verlagere sich vom menschlichen Fehler des Fahrers zum Entwickler der Autopiloten. Allerdings glauben die Versicherer nicht daran, dass es vollständig selbstfahrende Auto geben wird. Ein Fahrer werde auch künftig einen Führerschein brauchen, und das Gefährt im Notfall oder in Situationen wo es nötig ist, kontrollieren zu können.

  • Warum treiben Autohersteller das Thema voran?

    Sicherlich auch, um Kunden mit immer ausgereifteren Extras zu locken. Doch daneben spielt auch die mögliche Konkurrenz durch andere Spieler eine Rolle. So arbeitet etwa auch der Internetkonzern Google seit einigen Jahren an selbstfahrenden Autos.

Fiat Chrysler ist der einige bisher bekanntgewordene große Autokonzern, der den Einsatz von Google-Technologie in seinen Roboterwagen erwägt. Ansonsten zog es die Branche vor, eigene Lösungen zu entwickeln. Große Hersteller arbeiten selbst daran, zudem haben sich die Zulieferer Delphi und MobilEye zusammengetan, um den Herstellern eine günstige Technologie dafür zu verkaufen. Auch Volvo und der Zulieferer Autoliv wollen ihre Entwicklungen anderen anbieten. Google hatte die kleinen elektrischen Zweisitzer aus eigener Entwicklung 2014 vorgestellt. Es hieß, in Zukunft sollen die Wagen komplett vom Computer gesteuert werden und ganz ohne Lenkrad und Pedale auskommen. Die Prototypen, die aktuell in der Google-Heimatstadt Mountain View sowie in Austin in Texas unterwegs sind, haben jedoch noch beides, unter anderem weil die Straßenverkehrsordnung dies verlangt. In Branchenkreisen hieß es, der Internet-Konzern habe ein Angebot aus der Industrie zum Bau von Fahrzeugen nach dem Konzept.

Krafcik, ein früherer Top-Manager des südkoreanischen Autobauers Hyundai hatte das Projekt bereits zuletzt geleitet. Die Auslagerung in eine separate Firma war schon seit einiger Zeit erwartet worden. Der langjährige Entwicklungschef Chris Urmson, der das Projekt im Sommer verließ, habe an den eigenen Autos weiterarbeiten wollen, schrieb „The Information“. Urmson will nach Informationen des Tech-Blogs „Recode“ jetzt ein eigenes Start-up für Roboterwagen-Software auf die Beine stellen.

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