Historie: Der Charme alter Produkte zieht immer noch

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Historie: Der Charme alter Produkte zieht immer noch

Seit 60 Jahren ist in Essen Designgeschichte zu sehen. Das würdigt nun eine Sonderausstellung.

Es war das Jahr, in dem der millionste Käfer vom Band lief und der Begriff Wirtschaftswunder zum geflügelten Wort wurde. Ein Jahr, in dem die Bundesrepublik am Anfang des europäischen Nachkriegsbooms stand – und in Essen ein Stück deutscher Designgeschichte begann.

1955 war Alfried Krupp von Bohlen und Halbach erst seit zwei Jahren wieder Chef des Stahlunternehmens. 1947 in den Nürnberger Prozessen unter anderem wegen Sklavenarbeit verurteilt und 1951 begnadigt, wollte der Industrielle beweisen, dass Stahl auch für friedliche Zwecke eingesetzt werden kann.

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Daher ließ Krupp 1955 in der Villa Hügel die „Ständige Schau formschöner Industrieerzeugnisse“ aufbauen.

Die entsprechenden Ausstellungsstücke wählte eine Jury aus. Darunter: eine Revolverdrehbank von Gildemeister, der Raumofen Airotherm von AEG und das Essgeschirr Arzberg 2000. Sie wurden entweder als Exponat oder als Foto in dem monumentalen Bau oberhalb des Essener Baldeneysees gezeigt.

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Die Form von Produkten verändert sich ständig

Doch Krupp verfolgte auch ideelle Ziele: „Die Förderung des Designs war auch als Volksbildung gedacht, um den Menschen gute Gestaltung nahezubringen“, sagt Peter Zec, seit 1991 Chef des international renommierten Design Zentrums Nordrhein- Westfalen. Die Einrichtung hat zusammen mit dem Ruhr Museum eine Sonderausstellung vorbereitet, die ab dem 29. Juni in Halle 5 der Zeche Zollverein zu sehen ist.

Der sperrige Titel: „Dauernde, nicht endgültige Form“. Ein Zitat der deutschen Journalistin Clara Menck, die damit Krupps Schau beschrieb. Der Titel spiegelt die Idee wider, die die Industrielegende Krupp schon 1955 beschäftigte: Die Form von Produkten verändert sich ständig. 59 Exponate, die bereits damals gezeigt wurden, haben die Ausstellungsmacher als Original auftreiben können. Zu sehen sind der Diamond Chair von Knoll, ein Tischfernsprecher von Siemens & Halske und eine Ersatzradkappe von Volkswagen inklusive Werkzeug namens Hazet-Tourist. Sie belegen gut die Hälfte der Ausstellungsfläche.

Prominenter Blickfang in der Mitte der Halle ist ein Mercedes 300 SL, der vom Mercedes-Benz Museum in Stuttgart als Leihgabe drei Monate lang in Essen steht. Eine Leiste mit Fotografien zeigt die Nachfolgemodelle in der Profilansicht. Der eindrucksvolle Beleg dafür, wie sich der Geschmack und die Kultur in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt hat – selbst bei einem Produkt, das sich immer wieder auf sein Original zu beziehen versucht.

Viele Exponate, etwa der Salzstreuer Max und Moritz von WMF, werden bei Besuchern Erinnerungen an die vermeintlich guten alten Zeiten wecken, andere gleichen Geräten der Gegenwart. Zum Beispiel das Röhrenradio SK1 von Braun, das der ersten Generation des Apple iPod ähnelt. Für damalige Verhältnisse ist das Design extrem zurückhaltend. Doch die Gebrüder Braun brachten es 1955 auf den Markt, weil sie fest daran glaubten, dass sich der Geschmack der Deutschen geändert hatte und sie sich im Haushalt schlichte und zweckmäßige Gegenstände wünschten.

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