IFA: Wie UHD die Fernsehwelt erobert - und wo es hakt

ThemaGadgets

IFA: Wie UHD die Fernsehwelt erobert - und wo es hakt

von Thomas Kuhn

Die TV-Branche stellt eine Fernsehtechnik vor, die menschlichem Sehen bei Details, Farbenvielfalt und Kontrastumfang so nahe kommt wie nie zuvor. Noch aber hat der neue UHD-Standard ein gravierendes Problem.

Für Starregisseur Francis Ford Coppola war es eine Frage der Ehre. Jahre nach der Veröffentlichung seines Jugendklassikers „Die Outsider“ begab er sich noch mal ans Schnittpult, um eine neue Fassung des Films zu schneiden. „Meine Enkelin las das Buch in der Schule und wollte den Film sehen. Mir war es peinlich, weil so viel daraus fehlte. Also schnitt ich eine komplettere Version, um sie der Klasse zu zeigen“, begründete Coppola die Neufassung seines Klassikers, die vor wenigen Tagen erst wieder als Director’s Cut im Kultur-Kanal Arte zu sehen war.

Es ist in den seltensten Fällen die Angst vor einer Blamage, wenn sich Regisseure teils Jahre nach der Veröffentlichung daran begeben, ihre Filme neu zu komponieren. Oft wollen sie ihre eigene künstlerische Intention umsetzen. Dann geht es nicht nur darum, Szenen umzusortieren oder gestrichene Passagen wieder einzufügen. Mancher Regisseur feilt sogar noch an Lichtstimmung und Farbdetails, damit der Streifen beim Betrachter die richtige Wirkung erzielt.

Anzeige

Gemessen an dem Aufwand ist, was dann auf dem Bildschirm der Fernsehzuschauer ankommt, geradezu enttäuschend wenig. Nicht, weil der Filmkünstler sein Publikum verfehlt, sondern schlicht, weil die Technik – Digitalfernsehen hin, HD-TV her, und allen Versprechungen der TV-Geräteproduzenten zum Trotz – über Jahre gar nicht in der Lage war, die angedachte Opulenz der Bilder überhaupt wiederzugeben.

Fünf Begriffe zur IFA

  • Smart-TV

    Das sind Fernseher mit Internet-Anschluss. Die inzwischen immer besser umgesetzte Idee ist, dass der Zuschauer auf seinem Smart TV nahtlos zwischen klassischen Fernsehsendungen und Online-Angeboten umschalten kann. Den Vormarsch der vernetzten Fernseher fördern auch Online-Videodienste wie Netflix oder Maxdome. Moderne Smart TVs vereinen diese Dienste in einem Gerät, so dass auch nicht mehr viele Fernbedienungen auf dem Couchtisch liegen müssen. Die Hersteller wollen neben bequemerer Bedienung auch bessere Bildqualität zum Beispiel mit Hilfe des HDR-Formats für mehr Kontrast etablieren.

  • Internet der Dinge und smartes Zuhause

    Immer mehr Geräte werden mit dem Internet und miteinander verbunden. Die Idee ist, dass zum Beispiel die Heizung sich von unterwegs steuern lässt oder sogar automatisch angeht, wenn sich das Auto des Besitzers dem Haus nähert. Bei Siemens schaltet das Kochfeld automatisch die Dunstabzugshaube an. Zugleich setzen viele Anbieter auf eigene Formate, was den Austausch von Daten zwischen verschiedenen Geräten erschwert.

  • Streaming

    Internet-Inhalte wie Musik oder Filme werden beim Streaming nicht komplett heruntergeladen, sondern direkt aus dem Netz abgespielt. Der Vorteil: Keine Ladezeiten. Der Nachteil: Man braucht eine schnelle und stabile Internet-Verbindung - was allerdings immer mehr zum Alltag gehört. In der Musikindustrie helfen die Streaming-Erlöse, die Einbußen im CD-Geschäft auszugleichen.

  • Ultra-HD

    Die Technik soll ein viel schärferes Bild als die aktuelle HD-Auflösung bieten. Sie ist auch unter dem Begriff „4K“ bekannt. Die Bildschirme haben bei Ultra-HD 3840 mal 2160 Pixel. Bei der gewöhnlichen HD-Auflösung sind es 1920 mal 1080 Bildpunkte. Eine zentrale Frage ist allerdings, wie die Inhalte an die Zuschauer ausgeliefert werden sollen: Die bessere Qualität bedeutet auch deutlich größere Datenmengen. Aktuell kommen die Ultra-HD-Videos vor allem über schnelle Internet-Verbindungen von Streaming-Diensten. Eine passende Blu-ray-Variante ist in Arbeit.

  • Wearables

    So wird die neue Kategorie kleiner Geräte genannt, die - nach wörtlicher Übersetzung - „tragbar“ sind. Das trifft im Prinzip zwar auch auf Handys und Smartphones zu, aber bei den „Wearables“ geht es um Computertechnik, die direkt am Körper getragen wird. Zu Wearables gehören neben Computer-Uhren auch Fitness-Armbänder oder in Zukunft eventuell verstärkt auch Anziehsachen mit Chips und Internet-Anbindung. Während die Computer-Uhren die hochgesteckten Absatz-Erwartungen bisher nicht ganz erfüllen konnten, laufen die günstigen Fitness-Bänder weiterhin gut.

Nicht nur zum Verdruss der Regisseure, deren Kunst auf dem heimischen Flachbildschirm anders aussieht als erdacht. Auch der Durchschnitts-Fernsehkonsument ärgerte sich oft, wenn selbst auf teuren Edeldisplays Bilddetails in dunklen Flächen untergingen, Einzelheiten in hellen Bildbereichen überstrahlt wurden oder Farbverläufe nicht fließend sondern fleckig erschienen.

Grund ist, dass der 1990 eingeführte und bis heute gültige Übertragungsstandard für das hochauflösende Fernsehen eine Farbpalette definiert, die nur ein gutes Drittel aller vom Menschen wahrnehmbaren Farben umfasst. Kaum weniger drastisch sieht es beim Kontrastumfang aus. Während das Auge – zwischen absoluter Dunkelheit und gleißendem Sonnenlicht – Billionen von Helligkeitsabstufungen unterscheidet, war beim Heimkino bisher bei einigen Zehntausend Kontraststufen Schluss.

Branchenverband gfu Smart-TVs erobern die Haushalte

Mehr als jeder zweite Fernseher in Deutschland ist inzwischen ein Gerät mit Internetanschluss - und die neuen Dienste werden auch zunehmend genutzt.

Smart-TVs erobern die Haushalte. Quelle: REUTERS

Mit derlei optischer Reduktion soll nun endlich Schluss sein. Wenn in diesen Tagen in Berlin Europas führende Unterhaltungselektronikmesse IFA die Tore öffnet, will die TV-Welt die Besucher nicht nur mit noch größeren Bildschirmen begeistern. Sie will vor allem mit einer bislang ungekannten Farbenpracht und Kontrastfülle faszinieren. Ultra high Definition, kurz UHD, heißt der Begriff, den die Branche für das neue Bilderlebnis definiert hat.

Das Mehr an Auflösung steht nicht nur für die Zahl der Bildpunkte. „Es sind nicht bloß ‚mehr‘, es sind auch ‚bessere‘ Pixel“, verspricht beispielsweise Kai Hillebrandt, Chef von Samsungs Unterhaltungselektroniksparte in Deutschland. Das klingt wie platter Werbesprech, ist aber - technisch betrachtet - absolut zutreffend.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%