Internet der Dinge: Der Netzwerk-Effekt

Internet der Dinge: Der Netzwerk-Effekt

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Sim-Karten sind auch schon in vielen Maschinen vorhanden

von Thomas Kuhn

Fahrstühle, Steckdosen, Autos und Produktionsanlagen werden schnurlos mit dem Internet vernetzt. Schon bald telefonieren mehr Maschinen miteinander als Menschen. Das Internet der Dinge erlebt seinen Durchbruch. Ein Albtraum?

Es ist nicht lange her, da sprach Achim Berg über die Zukunft. Bald, so referierte der Microsoft-Manager vor einigen Hundert Zuhörern, werden die meisten Geräte im Haushalt vernetzt sein: Etwa wenn der Fernseher das Bild der Türkamera zeigt oder die Heizung warnt, weil das Fenster gekippt ist. Mitten im Vortrag vibrierte das Handy in seiner Tasche. Doch die SMS stammte nicht von einem Kollegen, sondern von der Grundwasserpumpe in Bergs Keller, die erst eine Störung meldete – und wenig später, dass sie den Servicedienst informiert habe.

Der IT-Spezialist und weltweite Marketingchef von Microsofts Handysparte steuert fast die ganz Elektronik seines Hauses per Mobiltelefon. „Vom Strom der Solarpanele über den Status der Alarmanlage bis zum Grundwasserstand – alle Informationen kann ich online abrufen“, sagt der Ex-Deutschland-Chef des Softwareriesen. „Selbst der automatische Rasenmäher von Husqvarna meldet per SMS, wenn er fertig ist.“

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Rund ein Jahr nach Bergs Vortrag über das vernetzte Haus erlebt die Technik ihren Durchbruch. In fast atemberaubender Geschwindigkeit machen sich Handychips und mobile Online-Anschlüsse in technischen Geräten aller Couleur breit – vom Stromzähler, der Waschmaschine und Heizung steuern kann, bis zur Kühltruhe im Supermarkt, die beim Lieferanten neue Fischstäbchen ordert, wenn der Vorrat zur Neige geht.

Die direkte Kommunikation der Maschinen elektrisiert Computerbauer, Softwareunternehmen und Mobilfunker gleichermaßen. Im Branchenjargon heißt die Technik Machine-to-Machine-Communication – kurz M2M. Wenn am Dienstag in Hannover die Computermesse Cebit ihre Tore öffnet, widmen die Veranstalter dem Thema sogar einen eigenen Ausstellerschwerpunkt – einschließlich der Präsentation von M2M-Szenarien.

M2M-Trend stellt Verhältnisse in der Kommunikationsbranche auf den Kopf

Aus gutem Grund. Denn der Trend stellt die Verhältnisse in der Kommunikationsbranche auf den Kopf: „2020 haben wir rund 50 Milliarden funkvernetzte Geräte“, sagt der Vorstandschef des schwedischen Netzausrüsters Ericsson, Hans Vestberg. 2009 zählten die Marktforscher von Gartner weltweit gerade einmal 50 Millionen mobilfunkvernetzte Maschinen – halb so viele, wie es Handys in Deutschland gibt.

Der Boom der funkenden Maschinen lässt kaum einen Lebensbereich unberührt. Es entsteht nichts weniger als die nächste Generation des digitalen Lebens: das Internet der Dinge. Damit wird Realität, was IT-Vordenker wie Neil Gershenfeld Ende der Neunzigerjahre am renommierten Massachusetts Institute of Technology als Vision entwickelt haben.

In dieser neuen, vernetzten Welt gibt es nahezu keine Denkverbote. Im Rahmen des Fetaphon-Feldversuchs der Deutschen Telekom etwa überwachten spezielle Handys die Herztöne von Babys – und verständigten im Notfall den Arzt. Blutzuckermessgeräte mit Online-Anschluss wiederum liefern die Werte von Diabeteskranken an die Praxis. Laufen die Werte aus dem Ruder, startet das GlucoTel genannte Gerät einen Notruf. Und wer will, kann selbst die Lampe im Wohnzimmer mit online vernetzbaren Schaltern übers Internet fernsteuern oder sich die Laufwege seines Hundes vom GPS-Halsband Geodog per SMS übermitteln lassen.

Aber es geht auch ohne Menschen: Funkmodule in Fahrstühlen bestellen schon heute bei Störungen den Servicetechniker – noch bevor der Lift ausfällt. Im Wald wachen Sensoren des Berliner IT-Spezialisten Enaikoon mit Mobilfunkanschluss darüber, dass Edelhölzer nicht verschwinden. Werden die teils mehrere Tausend Euro teuren Stämme von Dieben bewegt, ruft der Chip die Polizei.

Denn im Kern steckt in allen M2M-Modulen klassische Handytechnik, die dank der anhaltenden Miniaturisierung auf Mikrochips passt, kaum größer als ein Fingernagel. Kleine Solarmodule, Hochleistungsakkus oder ein ausgefeiltes Energiemanagement sorgen dafür, dass den Geräten auch bei wochenlangem Betrieb nicht der Strom ausgeht. Unverzichtbar ist daneben eine Mikro-Sim-Karte eines Netzbetreibers, über die sich das Modul ins Funknetz einbucht – und über die später je nach Tarif SMS- und Datengebühren berechnet werden. Alternativ verkaufen die Netzbetreiber die Sim-Karten teils auch zum Fixpreis an die M2M-Anbieter, die die Mobilfunkkosten pauschal auf den Gerätepreis aufschlagen.

Dabei ist die Idee der mobilen Vernetzung nicht neu. Mit dem jüngsten Mobilfunkboom aber seien nicht nur die Preise für M2M-Module abgestürzt, sagt Leif-Olof Wallin, M2M-Experte beim Marktforscher Gartner. Analog sinken die Kosten für die mobilen Online-Zugriffe. „Damit wird M2M-Technik plötzlich für ganz neue Anwendungen bezahlbar.“

Für den Dosenkauf etwa. In der Stockholmer Konzernzentrale demonstriert der schwedische Netzausrüster Ericsson, wie sich eine eisgekühlte Cola per SMS an den Getränkeautomaten bezahlen lässt.

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