Internet: Im Schneckentempo zur Datenautobahn?

Internet: Im Schneckentempo zur Datenautobahn?

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Verlegung eines Glasfaserkabels

von Jürgen Berke

Deutschland ist in Sachen Glasfaserausbau noch nicht einmal unter den Top 20 weltweit. In den Metropolen haben oft örtliche Netzbetreiber die Marktführerschaft, die Deutsche Telekom versucht sich nun in mittelgroßen Städten.

Wer Ursachenforschung betreibt, warum die deutsche Autoindustrie eine derart herausragende Stellung auf dem Weltmarkt einnimmt, der bekommt auch den Hinweis auf die gut ausgebaute Infrastruktur. Deutschland besitzt das dichteste Autobahnnetz und verzichtet weitgehend auf Geschwindigkeitsbegrenzung - da können sich Autobauer wie Volkswagen, Daimler und BMW gut entfalten.

Bei den Datenautobahnen ist es genau umgekehrt. Professor Hartwig Tauber, Direktor des von den Netzausrüstern gegründeten FTTH-Council Europe, legt seinen Gesprächspartnern gern eine Rangliste vor, die Deutschland ein äußerst schlechtes Zeugnis ausstellt. Während viele Länder in Asien und Nordeuropa dank staatlicher Förderprogramme den Glasfaserausbau bis in die Wohnzimmer vorantreiben, schafft es Deutschland nicht mal unter die Top 20. Die Zahl der Haushalte mit Glasfaseranschluss, die ohne Geschwindigkeitsbegrenzung im Internet surfen können, liegt derzeit nur im Promillebereich.

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Millionenstädte werden von Telekom-Konkurrenten dominiert

Auch der Plan der Deutsche Telekom, noch in diesem Jahr 160.000 Haushalte in zehn Städten mit Glasfaseranschlüssen auszurüsten, ändert daran nur wenig. Interne Hochrechnungen der Deutschen Telekom gehen davon aus, dass nur zehn Prozent der Haushalte im ersten Jahr nach der Inbetriebnahme auf den teureren Glasfaseranschluss wechseln werden. Das ist zu wenig, um im Ranking der Länder mit der höchsten Glasfaserdichte ein paar Plätze gutzumachen.

Die Deutsche Telekom steht vor einem Riesenproblem. In Millionenstädten wie Hamburg, Köln und München hat sie die Marktführerschaft an Konkurrenten wie Netcologne und M-Net verloren, die längst mit dem Glasfaserausbau begonnen haben. Die Kundenbasis ist inzwischen so klein, dass sich weitere Netzinvestitionen in den Großstädten kaum noch lohnen. Besser sieht es dagegen in einigen mittelgroßen Städten aus, in denen die Deutsche Telekom noch eine gesunde Kundenbasis besitzt.

Insofern ist es nur folgerichtig, dass die Telekom in ausgesuchten Stadtteilen von Braunschweig, Hannover, Brühl, Neu-Isenburg, Kornwestheim, Mettmann, Offenburg, Potsdam und Rastatt mit dem Glasfaserausbau beginnt. Denn dort wohnen ihre treuesten Kunden - noch.

TV-Kabel auf dem Siegeszug

Denn die nächste Wechselwelle deutet sich bereits an. In Städten wie Hannover, Offenburg, Kornwestheim und Rastatt beschleunigen die dort engagierten TV-Kabelnetzgesellschaften ihre Netze gerade auf 100 Megabit pro Sekunde und überholen damit den bisherigen Platzhirsch Deutsche Telekom. In einigen Regionen ist der Marktanteil des TV-Kabels im Neukundengeschäft schon auf 75 Prozent gestiegen.

Die Verkaufserfolge bei den ersten Glasfaserhaushalten in diesen Städten werden zeigen, ob sich dieser Trend wieder umkehren lässt. Davon wird letztlich abhängen, wie schnell Deutschland wieder in der Liga der Länder mit dem dichtesten Datenautobahnnetz ganz oben mitspielt. Die Kunden in den zehn ausgesuchten Telekom-Städten entscheiden somit auch über die weiteren Wachstumschancen der deutschen IT-Industrie. 

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