InterviewJim Wong: "Windows 8 ist zu kompliziert"

03. Februar 2013
Jim Wong, seit 2011 Corporate President bei Acer, im Interview mit der WirtschaftsWoche Quelle: PresseBild vergrößern
Jim Wong, seit 2011 Corporate President bei Acer, im Interview mit der WirtschaftsWoche Quelle: Presse
von Sebastian Matthes

Acer-Präsident Jim Wong erklärt, wie Laptops der Zukunft aussehen und wieso es einen Trend zum Zweit-Tablet gibt.

WirtschaftsWoche: Herr Wong, laut aktueller Zahlen verbreiten sich Tablet viel schneller als erwartet – Laptops verlieren an Boden. Können Sie noch ruhig schlafen? Immerhin ist Acer einer der wichtigsten Laptop-Hersteller.

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Jim Wong: Wir sehen diese Entwicklung natürlich. Im vergangenen Jahr haben sich sechs Prozent der Nutzer vom Notebook verabschiedet. Sie nutzen nur noch Tablets. Das heißt aber auch: Alle anderen nutzen ihr Notebook, neben dem Tablet, weiter. Allerdings kaufen sie deshalb erst später einen neuen Rechner.

Massiver Absatzrückgang Deutscher PC-Markt bricht ein

Das Computer-Geschäft in Deutschland läuft schlecht: Im vergangenen Quartal sackte der Absatz um fast ein Fünftel ab. Smartphones und Notebooks jagen dem klassischen PC die Kunden ab.

Massiver Absatzrückgang: Deutscher PC-Markt bricht ein

Das ist doch ein Riesenproblem für einen PC-Hersteller wie Acer.

Daher arbeiten wir gleichzeitig auch an Smartphones und Tablets.

Übersicht zum weltweiten Absatz von Computern (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)
Übersicht zum weltweiten Absatz von Computern (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Da ist Acer bislang aber nicht besonders aufgefallen.

Im Gegenteil. Wir haben schon 2010 das taiwanische Unternehmen e-ton gekauft, um ins Smartphone-Geschäft einzusteigen. Im gleichen Jahr haben wir als zweiter Hersteller ein Android-Tablet herausgebracht – und waren schnell Marktführer in dem Feld.

Davon ist heute nichts mehr zu spüren.

Das stimmt leider. Nach dem guten Start bei den Smartphones sind wir nicht drangeblieben. Das war ein großer strategischer Fehler. Bei den Tablets waren wir erfolgreicher.

Was genau ist bei den Smartphones schiefgelaufen?

Wir hatten viel zu viele Netzbetreiber als Partner und zu viele Modelle im Programm. Das haben wir aber geändert. Nun kommen wir mit weniger Modellen und exklusiven Partnern zurück. Erst in Osteuropa, später in diesem Jahr aber auch in Deutschland und Frankreich.

Wer den Markt der Smartphones regiert

  • Apple

    Platz 1: Mit einem Marktanteil von 18,4 Prozent führte Apple im zweiten Quartal des Jahres den Smartphone-Markt an. Insgesamt 20, 34 Millionen Smartphones lieferte der Hersteller in diesem Zeitraum an den weltweiten Handel. Im Vergleich zum ersten Quartal entspricht das einer Steigerung von über neun Prozent. Verglichen mit dem Vorjahr konnte Apple damit sogar eine Steigerung von über 140 Prozent erzielen.

  • Samsung

    Platz 2: Direkt hinter Apple reiht sich der südkoreanische Rivale Samsung mit einem Marktanteil von 17,8 Prozent ein. Insgesamt 19,6 Millionen Smartphones brachten die Koreaner im zweiten Quartal in den weltweiten Handel. Damit hat sich der Hersteller selbst übertroffen: Im Vergleich zum ersten Quartal entspricht das einer Steigerung von fast 56 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr ist das sogar eine 600-prozentige Steigerung.

  • Nokia

    Platz 3: Mit einem Marktanteil von 15,1 Prozent hat es Nokia trotz der Verluste bei den Smartphones im zweiten Quartal noch unter die drei Besten geschafft. 16,7 Millionen Modelle lieferte der Hersteller aus - das sind 31 Prozent weniger als noch im ersten Quartal.

  • RIM

    Platz 4: Ebenfalls Verluste machte RIM im zweiten Quartal des Jahres. Mit 13,2 Millionen ausgelieferten Smartphones erreichte der Hersteller einen Marktanteil von 12 Prozent, musste im Vergleich zum Quartal zuvor aber einen Rückgang von fast 11 Prozent in Kauf nehmen.

  • HTC

    Platz 5: Der Marktanteil der HTC-Smartphones lag im zweiten Quartal bei 10,8 Prozent. Insgesamt fast 12 Millionen Modelle brachte der Hersteller in den Handel und steigerte damit sein Ergebnis aus dem Quartal zuvor um fast 25 Prozent.

  • Motorola

    Platz 6: Motorola-Smartphones erreichten im zweiten Quartal einen Marktanteil von 4 Prozent. 4,4 Millionen Modelle brachte der Hersteller in diesem Zeitraum in den weltweiten Handel und steigerte sein Ergebnis aus dem ersten Quartal damit um mehr als sieben Prozent.

  • Sharp

    Platz 7: Der japanische Elektronikkonzern Sharp hat mit 1,48 Millionen ausgelieferten Smartphones im zweiten Quartal einen Marktanteil von 6,8 Prozent erreicht. Im Vergleich zum ersten Quartal konnte der Konzern sein Ergebnis um 1,3 Prozent steigern.

  • Andere

    Unter ferner liefen: Alle anderen, weniger nennenswerten Hersteller machten im zweiten Quartal mit rund 22,7 Millionen ausgelieferten Smartphones zusammengenommen einen Marktanteil von 20,6 Prozent aus. Im Vergleich zum Quartal zuvor entspricht das einer Steigerung von fast 31 Prozent. Betrachtet man den gesamten Markt, so wurden im zweiten Quartal weltweit über 1,1 Milliarden Smartphones der verschiedenen Hersteller ausgeliefert. Im Vergleich zum ersten Quartal entspricht das einer Steigerung von 7,5 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr ist es sogar eine Steigerung um rund 82 Prozent.

Mit welchen Partnern?

In Deutschland starten wir mit Vodafone. Allerdings werden wir eine Weile mit niedrigen Marktanteilen zu kämpfen haben. Bei Tablets sieht es anders aus, da greifen wir viel aggressiver an.

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Kommentare | 6Alle Kommentare
  • 03.02.2013, 16:17 UhrWin9Vielleicht

    Apple hat im Berufsleben auf Dauer dieselben Chance wie sie MAC seit Jahrzehnten hat: keine großen. Grund: Inkompatibilität. Vom Kaufmann bis zum Wissenschaftler ist Inkompatibilität stets das Todesurteil. Es kommt zunächst einmal darauf an, daß alle alten Dinge laufen, daß alle Peripherie läuft, daß neue Programme laufen und daß sie mit alter Software weitgehend abwärtskompatibel sind. Noch heute laufen alte, aber bewährte DOS-Programm unter Windows. Wenn es ernst wird, interessiert nicht die Oberfläche, sondern die Funktionsfähigkeit und Zuverlässigkeit, auch die Frage der Genehmigung zur Benutzung von Programmen.

    Weiter ist zu bedenken, daß die Menschen im Beruf die Rechnersysteme als Hilfsmittel nutzen, niemals als Selbstzweck. Schon gar nicht schätzt man Systeme, die man nicht braucht und die nur deshalb angeschafft werden, damit andere Geld verdienen oder Beschäftigung finden. Als Beispiel kann hier das genannte Schulungszentrum für win8 genannt werden. Es ist nur notwendig, weil jemand anderes bei MS entschieden hat, vom Smartphone übers Tablet bis zum Hochleistungstischrechner alles unter ein Betriebssystem win8 zu zwingen. Niemand braucht bekanntlich ein gleichzeitig hemdenbügelndes, kaffeekochendes und rasenmähendes Gerät. Ganz analog ist ein Tablet in der Hauptsache ganz grob zum Spielen da, ein Smartphone zum Angeben, eine Billighandy zum Telefonieren und ein PC zum Arbeiten, wobei dies vom einfachen Brief bis zur komplexesten Forschungstätigkeit reichen kann. Alles unter einem Dach zu vereinen ist aus technischer Sicht eine Fehlentscheidung.

    Ein kurzer Blick auf die Benutzeroberfläche zeigt dies. Wer ernsthaft arbeitet, hat keine Zeit, um sich mit so etwas zu beschäftigen, denn die wirklichen Aufgaben liegen stets woanders. Niemand ist dazu da oder bereit, das per se überflüssige Wirr-Warr anderer Leute zu entwirren.

    Die Kraft zum Heben des Arms (Wirbelsäulenschäden) ist übrigens viel größer als beim Mausklick. Daher bleibt die Maus sowieso.

  • 03.02.2013, 21:27 Uhrmotzerator

    Herr Wong hat die richtige Erkenntniss, zieht daraus aber die falschen Schlüsse:

    Es ist richtig, das Windows 8 ziemlich komplizeirt zu bedienen ist, vor allem wenn der Kunde das neue System ohne vorherige Einweisung ausprobiert. Bereits das erste Herunterfahren des Systems kann dabei zu einem frustrierenden Suchspiel werden.

    Negative Erlebnisse projeziert der Kunde auf das System und kommunziert seine Unzufriedenheit im Freundeskreis, der schlechte Ruf von Windows 8 ist auch in diesem Aspekt begründet.

    Herr Wong macht aber einen Fehler, wenn er glaubt, man müsse Windows 8 einfach nur besser erklären. Das kann zwar helfen, Startschwierigkeiten beim Kunden zu reduzieren, macht aber Windows 8 keineswegs zu einem bessseren System.

    Denn auch wenn man Windows 8 bedienen kann, ist Windows 7 für die Mehrheit der menschen einfacher und komfortabler zu bedienen.

    Viele Dinge sind in Windows 8 unbequem umgesetzt, schon der Start erfordert im vergleich zu Windows 7 zwei weitere Mausklicks, bis man auf dem Desktop gelandet ist und loslegen kann. Einmal muss man vor der Passworteingabe den Lockscreen wegklicken, den auf einem Desktop ohne Touchscreen wirklich niemand braucht.

    Dann muss man noch mit einem finalen Klick vom Metro Startscreen auf den Desktop wechseln, während Windows 7 automatisch dorthin bootet.

    Dadurch wird der angeblich so schnelle Bootvorgang von Windows 8 nämlich wieder ausgebremst. Abgesehen davon, das Fastboot mit Vorsicht zu geniessen ist, es verträgt sich nicht mit anderen installierten betriebsystemen und auch der Einsatz einer Virenscanner- und Datenrettungs-CD auf Linux Basis kann zu ernsthaften problemen bis hin zum Datenverlust führen, wenn Fastboot aktiv ist.

    Fazit: Herr Wong sollte lieber über Alternativen zu Windows 8 nachdenken und beispielsweise Windows 7 parallel mit anbieten. Wer Windows 8 ablehnt, wird es auch in einem Experience Center nicht kaufen sondern Hardware mit Windows 7 oder für die Freaks Linux bevorzugen.

  • 03.02.2013, 21:51 UhrWahrheit29

    Windows 8 ist für normale PCs und Laptops ein Fiasko. Für Rechner welche mit der Maus bedient werden taugt Windows 8 einfach nicht. Microsoft wollte hier die eierlegende Wollmilchsau erfinden die für konventionelle PCs sowie Smartphones und Tablet PCs sich gleichermaßen eignet. Das ging voll daneben. Was für Smartphones und Co. ja funktionieren mag ist für PCs ein Gau. Was fehlt ist einfach eine Funktion um die Oberfläche wieder in den alten Windows 7 Modus umzuschalten. Mit der Maus ist das neue System quasi unbedienbar, da permanent störende Funktionen eingeblendet werden. Es gibt inzwischen einige Programme auf dem Markt um den ganzen neuen Schnickschnack still zu legen und normal arbeiten zu können aber diese Funktionen könnten doch vom MS Seite schon eingebaut sein. Ich kann nur jedem Desktop- und Laptopbesitzer von dem neuen System abraten. Lieber auf Windows 7 bleiben das spart Zeit und Nerven.

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