Kontrolle rund um die Uhr: Die Tücken der Gesundheits-Apps

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Kontrolle rund um die Uhr: Die Tücken der Gesundheits-Apps

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Google-Managerin Ellie Powers stellt im Juni 2014 die Plattform Google Fit für Fitness-Daten vor. Sie sammelt und analysiert Daten verschiedener Fitness-Apps. Was Datensammler freut, sehen Datenschützer, Politiker und Verbraucherschützer skeptisch.

von Marcel Berndt

Nutzer von Gesundheits-Apps sollten sich trotz vieler Vorteile auch über etwaige Gefahren bewusst sein. Sie geben etwa trügerische Sicherheit und verleiten dazu, den Arztbesuch auszulassen. Hinzu kommen die teuren Folgen, wenn Versicherungen an die App-Daten kommen. Pläne dafür liegen vor.

Google will sich für Fitnessfans unentbehrlich machen: Das im Herbst erschienene Google Fit erkennt nicht nur, wenn seine Anwender gehen, laufen oder Rad fahren, sondern bündelt auch die Daten anderer Apps wie Strava, Runtatstic oder Runkeeper. Damit dient das Programm als zentrale Sammel- und Auswertungsstelle für Gesundheits-Apps und Wearables aller Art.

Und davon gibt es eine Menge: Sie zeichnen nicht nur die Bewegungen auf, sondern helfen auch bei Krankheiten weiter. Diabetiker können etwa ihre Blutzuckerwerte in die App Diabetes Plus eintragen und verwalten; MyTherapy erinnert chronisch Kranke daran, ihre Medikamente einzunehmen. Schon 22 Prozent der Deutschen nutzen einer Umfrage der Krankenkasse IKK classic vom Mai 2014 zufolge medizinische Apps. 65 Prozent der 1.000 Befragten finden eine App, die medizinische Werte misst und direkt an den Arzt übermittelt, hilfreich.

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Was auf den ersten Blick praktisch für Patienten ist, birgt jedoch auch Gefahren. Das neue Jahr beginnt gleich mit zwei mahnenden Aussagen seitens der Politik und dem Verbraucherschutz zu Gesundheits-Apps: So warnt Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe in einem "Bild"-Interview davor, den Anwendungen blind zu vertrauen und den Arztbesuch auszulassen.

Der Chef des Verbraucherzentralen-Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, macht auf die teuren Folgen aufmerksam, wenn Versicherungen an die gebündelten Daten kommen: Rabatte für Menschen in guter Verfassung – und damit einhergehend höhere Preise für sportlich inaktive und gesundheitlich angeschlagene Menschen.

„Gegen den informierten Patienten spricht erst einmal nichts“, sagt Minister Gröhe in der "Bild". „Aber den Arztbesuch kann der Klick im Internet nicht ersetzen.“ Eine App, die dazu verleitet diesen auszulassen ist etwa „Klara“. Sie ermöglicht es, Fotos von Hauptproblemen – auch im Intimbereich – gegen eine Gebühr von 29 Euro von Dermatologen beurteilen zu lassen. Eine Antwort gibt es innerhalb von 48 Stunden. Der Haken: Ärzte dürfen in Deutschland keine Ferndiagnosen stellen; nur Begutachtung und Empfehlung sind über die Ferne erlaubt.

Gröhe empfiehlt Nutzern solche Apps mit Vorsicht zu genießen: „Es gibt manche Gesundheits-Apps, die helfen, sich zu orientieren. Andere sind eher Geschäftemacherei. Hier gibt es wachsenden Informationsbedarf.“ Während der Minister sich mit den gesundheitlichen Gefahren für Patienten beschäftigt, treibt Klaus Müller vom vbzv um, was mit den Daten geschieht, wenn sie im Internet gespeichert werden. Denn außer Patienten und Sportfanatikern profitieren auch Datensammler. Wenn Versicherungen an die Informationen kommen, können diese ihre Preise anpassen.

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